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Antoinette Blume
„Denn Zuhause ist, wo Techno dich verschwinden lässt und die Toilette ein Brettchen bietet – zum Festhalten.“ Antoinette Blume schreibt nicht nur bei frohfroh über Technoliebe, Liebe und Techno, sondern auch bei mimiundkathe.com über Erlebnispornographie, sexy Times und Beziehungen. Liebesbriefe, Lob und Einladungskarten an: afterhour@frohfroh.de. Bild: David Szubotics

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Afterhour #1 Liebe, Techno, Leipzig – Kurt Cocain

02. Januar 2017 / Kommentare (0)

Neues Jahr, neue Kolumne – wir freuen uns auf Antoinette Blumes Afterhour-Begegnungen mit interessanten Leuten des Leipziger Nachtlebens. Los geht es mit Kurt Cocain.

Jacke, Schlüssel, Kekskrümel in fimschig-kleinen Tütchen vergraben, (wieder) ausgraben. Denn: Irgendwie sind wir noch nicht fertig. Ein bisschen geht noch. Ein bisschen Ausklang braucht es noch. Stiller, langsamer, wer geht wo hin, „aftern“? Kann ich mitkommen?

Bei tausendundeiner Zigarette, Bier, Kaffee oder Wasser wird das Tanzen im Club vom Zuhören und Reden verdrängt, man sinniert über das Sein oder Nicht-Sein der Nacht, Nachtmenschen und Musik. Berauscht sich noch ein letztes Mal, oder auch nicht, oder auch doch, findet die Hand eines anderen. Mancher möchte vielleicht den Punkt sportliche Ertüchtigung mit evolutionserprobten Bewegungsabläufen einvernehmlich als Partnermodul belegen, ein anderer möchte reden, das Licht meiden, sich verausgaben oder vergraben.

Bei der ein oder anderen Afterhour kann man so die ein oder andere nette, interessante, exzeptionelle Gestalt aus Leipzigs Nachtleben antreffen. Beispielsweise Kurt Cocain.

Steckbrief
Musik oder Rausch?Musik und Rausch
Clubnest?Wolke (emeritiert), Conne Island
Lieblingsdroge?Marihuana

Bisschen ADHS, Kokain und Jena

Eisbrecherfrage: Hast du Kokain dabei? Ein 1a-Kennenlern-Spruch. Hut ab. So war es bei Kurt und mir glücklicherweise nicht. Meine Äuglein trafen sich regelmäßig mit ihm, so ca. drei Monate, jedes Wochenende, bis wir es eines IfZ-Abends doch über uns brachten, zu fragen, wer der andere sei und warum er immer dort auftauche, wo man selbst gerade vorhatte kurz bis lang unterzutauchen. So war das also.

Kurt Cocain ist DJ, Mitglied der Electric Island Crew, macht Visuals, bringt auch mal den Müll im Conne Island raus und studiert so nebenher Producing und Management. Der Herr mit dem Wortspiel im Namen legt erst seit einem Jahr vor Publikum auf und ist doch schon im Nachtleben Leipzigs angekommen. Podcast hier, Westwerktresen da, damals (aka die-vor-Leipzig-Zeit) auch mal DJ-Workshops im Kassablanca in der früheren Heimat Jena (erst genossen, dann) gegeben.

Die unendlichen Kombinationsmöglichkeiten der elektronisch produzierten Musik ließe für ihn die meiste Kreativität zu – die hyper(aktiv)-kreative Ader verbietet zwar das große Treiben tagsüber, aber Nachtaktive bevorzugen nun mal künstliche oder bestenfalls ausgeschaltete, sparsame Lichtquellen. Ein Nachtmensch eben.

Disko zum Entspannen
Nachts und vorzugsweise am Wochenende stellt sich die belebende Euphorie durch (fremde oder eigene) Musik ein, die Wahlfamilie findet zueinander – Rausch und Musik sind hierbei fast untrennbar geworden. Was uns da neben der elektronischen Musik so durch den Kopf spaziert, ist individuell so unterschiedlich wie das nüchterne Musikerleben. Potenziert und unendlich, am Ende natürlich geschmacklich differenziert.

Wobei man als DJ ausgewählt(er) und (vielleicht?) ohne die lieb-naive Begeisterungsfähigkeit und den unbefleckten Genuss des dankbaren Publikums feiert.

Man zersetzt die Musik, sieht die Fehler im (Kon)Text, feiert anders.

Nicht unbedingt besser oder schlechter, schlicht anders. Wir schnacken noch so über dies und das und jenes, kommen vom einen ins andere, können zwar keine Antwort darauf finden, wann es Zeit ist zu gehen, aber es braucht auch nicht auf alles eine Antwort.

Schnaps schließt den Kopf
Wer mich kennt, weiss, dass ich nichts mehr liebe als Geschenke. Ein non-materielles Geschenk darf ich noch feierlichst mit euch (ergo denen, die bis zum Ende gelesen haben, ha!) teilen: Einen Mix von Kurt Cocain, extra für frohfroh.

Großen Dank an Henry W. Laurisch für das Porträt-Foto sowie an Manuel Schmieder für das Artwork der Reihe.

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