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Jens
Im Stadtmagazin kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Dance like it’s ok – Style Wild Weekender

08. Februar 2017 / Kommentare (1)

In Clubs wird getanzt, logisch. Doch gerade auf den House- und Techno-Floors scheint sich eine gewisse Monotonie breit gemacht zu haben. Dass es auch anders geht, ist bei den Style Wild Battles zu erleben.

Style Wild hat sich in den vergangenen rund sechs Jahren nicht nur als spannende Plattform für die Oldschool- und Future-Tendenzen der Beatmaker-HipHop-Bass-Szene etabliert. Die Reihe im Freitagsprogramm der Distillery ist zugleich eng verzahnt mit dem OverDubClub und brachte so wahrscheinlich eine Menge lokale Akteure zusammen.

Was dabei manchmal vielleicht etwas untergeht: Sie pushed auf vielfältige Weise die Urban Dance-Szene. In Battles treten seit 2012 Tänzerinnen und Tänzer in den Kategorien HipHop, Popping, Experimental, Dancehall und House in 1-zu-1- oder 2-zu-2-Battles gegeneinander an. Eine Jury kürt die besten Moves, die spontan zu den Tracks der DJs entstehen. Dazu gibt es immer wieder begleitende Workshops oder Filmvorführungen.

Bei House sind wir hellhörig geworden. Um 1980 formte sich in Chicago und New York zu den damals neuen House-Sounds ein eigener Tanzstil heraus, bei dem im schnellen Wechsel große und kleine Schrittkombinationen auf den Beat abgestimmt werden – das Jacking. Leichtfüßige, grazile Moves, die heute weitgehend von den House-Floors verschwunden sind.

Doch ist heute heute wirklich monotoner auf den Dancefloors? Das haben wir Kathleen und Susi von der Troop23-Crew gefragt:

Kathleen: Ich würde nicht sagen, dass heute das Tanzen zu House und Techno sehr viel monotoner und uniformer ist. In der Mehrheit gesehen war es das schon immer und hat durchaus mit der Motivation zu tun, mit der man in einen Club geht. Viele Leute wollen dort abschalten, etwas trinken und Leute kennenlernen. Da spielt Tanzen nicht immer die vorrangige Rolle und wenn getanzt wird, will man das dann auch gut machen. Bevor man sich blamiert, lässt man es vielleicht lieber.

„An Kreativität fehlt es bestimmt nicht, eher an der Sozialisation.“

Meiner Meinung nach hat dies mit dem kulturellen Hintergrund und den eigenen Tanzerfahrungen im Laufe des eigenen Lebens zu tun. Auch die Art des Musikhörens und der Hörgewohnheiten spielen eine Rolle. Ich höre sehr gern House-Musik. Das war nicht immer so. Bevor ich House-Dance begegnet bin, war für mich House etwas zum Chillen. Erst durch den Tanz habe ich gelernt, was alles zu hören ist und worauf man sich so bewegen kann.

Susi: Stimmt, es ist nicht monoton. Das Tanzen zu House hat sich entwickelt und ist ungemein vielfältig geworden. Eine zunehmende Differenzierung hat es nicht nur auf musikalischer, sondern auch auf tänzerischer Ebene gegeben. Und das gibt es weiterhin. Es hat sich ein eigener Tanzstil etabliert – wenn auch nicht als Massenphänomen. Sowohl Einflüsse aus anderen Tanzrichtungen, wie zum Beispiel aus dem Salsa oder Elemente aus dem Capoeira sorgten für Inspiration als auch einzelne Tänzer und deren besondere Art zu Tanzen. Es muss einfach unterschieden werden: Einerseits gibt es Menschen, die gern House hören und sich dazu auf Partys vielleicht etwas monoton bewegen. Eventuell noch mit einem Drink in der Hand. Andererseits gibt es Menschen, die es lieben, sich zu dieser Art von Musik mit ihrem Körper auszudrücken, zu tanzen und zu trainieren.

Wie ist die lokale Szene für House-Dance? Gibt es Crews, regelmäßige Events oder Szene-Heroes?

Kathleen: Die Housedance-Szene in Leipzig ist sehr klein, etwa 10 bis 15 Leute. Aber sie wächst, vor allem in den letzten drei bis vier Jahren. Style Wild hat seinen Teil dazu beigetragen, weil es auch House-Dance als Battleform integriert hat, obwohl dies in seinem Ursprung nich dabei war. Es gab aber immer einen Austausch zwischen den Tänzern im Club. Auch durch Tanzworkshops von externen Tänzern versuchen wir die Leute auf diesen Tanzstil aufmerksam zu machen. Was noch viel zu kurz kommt, ist der Austausch beim Clubbesuch. Es gibt ein wöchentliches Training, wo man sich austauschen kann. Die Szene in Paris ist im Vergleich groß. Nicht weil die Stadt größer ist, man hätte auch Berlin in den Vergleich nehmen können. Doch durch einige Besuche von House-Tänzern aus New York kamen auch viele Tänzer in Frankreich mit dem Tanzstil in Berührung und entwickelten ihn weiter. Dies ist meine Erfahrung aus Gesprächen mit Tänzern aus Frankreich. In Europa gibt es derzeit zwei mir bekannte große Events, die sich ausschließlich mit House-Dance als Tanzstil beschäftigen: Housedanceforever in Amsterdam und das Housedance Europe in Italien. In Deutschland bzw. in Sachsen gibt es bisher ein paar kleine Battles & Trainingssessions. Was vermutlich daran liegt, dass die Szene nicht so groß ist.

Susi: Es gibt lokal ein paar Tänzer, die House tanzen. Ich würde sie als Teil der ‚urbanen Tanzszene‘ sehen. Neben Leuten, die eher HipHop, Popping oder Breakdance tanzen.

„Die Szene ist überschaubar, mittlerweile gut vernetzt und sehr herzlich.“

Man kennt sich untereinander, trainiert gemeinsam, fährt zusammen auf Tanzevents oder Partys. Ich selbst habe zunächst viel HipHop getanzt, dann eher Locking. Auf einem Tanzevent bin ich dann über House gestolpert und habe seitdem den Fokus eher darauf gelegt, weil es sich für mich am besten anfühlt.

Worauf wird bei den Style Wild Battles im House-Dance besonders Wert gelegt?

Kathleen: Am wichtigsten ist die Verbindung zur Musik. Die hohe Schule ist es, wenn du die Musik im Tanz sehen kannst. House hat seinen eigenen Groove, so wie HipHop seinen eigenen Groove hat. Das Jacking als Basicmove ist hier wichtig. Wenn du einem Tänzer zusiehst ohne die Musik zu hören, könntest du daran erkennen, dass er House tanzt.

„Im Battle ist es natürlich wichtig, dass du auf dein Gegenüber reagierst und wie generell dein Level ist.“

Susi: Es gibt eine Menge Aspekte. Die Judges bei einem Battle bewerten bspw. Vielfalt, Musikalität, Präsenz, Style, und so weiter. Mir ist es wichtig, dass der Tänzer den House-Groove oder das House-Feeling hat und seine Verbindung zur Musik spürbar und sichtbar macht.


Die 10. Ausgabe der Style Wild Battles erstreckt sich übrigens über ein ganzes Wochenende. Kick Off ist am Freitag, den 10.2. mit einer Clubnacht in der Distillery, bei der sich die Tänzer, DJs und Musiker in einer offene Runde austauschen können. Auch, um die verschiedenen Perspektiven besser zu verstehen

Am Samstag, den 11.2. finden verschiedene Workshops in der Baumwollspinnerei sowie in den Break Art Studios statt. Am Sonntag schließlich dann der Höhepunkt: die Style Wild Battles im Werk 2. Die Jury besteht aus Leuten aus Schweden, Frankfurt, Berlin, Hildesheim und Leipzig.

Das ganze Programm gibt es auf der Style Wild Battles-Website oder auf Facebook.

CommentComment

  • Carl / 24. Februar 2017 / um 20:14
    Supergeile Entwicklung, Housemusic ist viel mehr als nur Sound. Und die US amerikanische Clubculture ist um Jahrzehnte vorraus.

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