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Antoinette Blume
„Denn Zuhause ist, wo Techno dich verschwinden lässt und die Toilette ein Brettchen bietet – zum Festhalten.“ Antoinette Blume schreibt nicht nur bei frohfroh über Technoliebe, Liebe und Techno, sondern auch bei mimiundkathe.com über Erlebnispornographie, sexy Times und Beziehungen. Liebesbriefe, Lob und Einladungskarten an: afterhour@frohfroh.de. Bild: David Szubotics

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Afterhour #5 Liebe, Techno, Leipzig – Rosswitta

02. Mai 2017 / Kommentare (0)

Für die Mai-Ausgabe unserer Afterhour-Reihe traf sich Antoinette Blume mit Rosswitta. Seit zehn Jahren arbeitet sie an verschiedenen Stellen des Nachtlebens.

Rosswitta, die eigentlich Caro heißt, ist auf Anhieb cool. Sagt man cool noch? Eine Person wie ich hat die Rhetorik von vor zehn Jahren noch nicht ganz abgelegt. Caro also. Berliner Schnauze gepaart mit dem sexiest Zwinkern you can imagine, wenn sie dir einen Pfeffi reicht. Und sich auf Einladung auch einen einschenkt, das kommt schon ab und zu mal vor – und das verheißt allermeistens einen vorzüglichen Abend. 

Steckbrief
Clubnest?Wilde Renate (ehemalig) + Institut für Zukunft (neuerdings)
Liebster Straßenzugnachbar in Berlin? Sven Marquardt
Leipzig oder Berlin?Leipzig

Wasser statt Gin

Caro kenne ich aus dem Institut fuer Zukunft und vom Frisieren. Denn irgendwo müssen die (restlichen) Hipsterkids (ich bin für den Ausdruck eigentlich vehement zu alt) ihre Haare stylen lassen – das tun sie entweder bei Caro oder DIY mit der Trimmmaschine und Küchenschere zu Hause. Ich bevorzuge ersteres, auch um mit Caro über dies und das zu schnacken und die letzten Nächte und Tage auszuwerten (ja, auch das muss manchmal getan werden) und gezwungenermaßen den Kopf und den Körper mit Wasser und Worten statt Gin und Unfug zu beleben.

Mit 13 auf der Loveparade

Die Berlinerin hat die 30 schon ein bis zwei Jährchen geknackt und fühlt sich nirgends so wohl wie im Nachtleben. Von Berlin aus ging es vor einem Jahr nach Leipzig, von der Wilden Renate ins Berghain Leipzigs (um diesen Klischeeausdruck auch einmal zu bedienen, pardonnez-moi), dem Institut fuer Zukunft. Seit zehn Jahren arbeitet sie entweder an der Garderobe, an der Tür, hinter der Theke oder als Putzi; unter freiem Himmel, in Clubs, Bars oder auf Festivals. Zuletzt sechs Jahre auf der Fusion – die Kreativpause der Veranstalter in diesem Jahr bedeutet also auch Kreativurlaub für „meine“ Caro, worüber ich ganz froh zwecks Sommergesellschaft bin; sie wird es missen.

Theke als zweiter Mittelpunkt im Club

Das Arbeiten am Menschen und mit Menschen ist ihr das Schönste, sagt sie. „Gerne neue Leute kennenlernen“, das sagt jeder zwar mal so einfach, klingt kosmopolitisch – wirklich allen neuen Leuten offen begegnen, ihnen einen angenehmen Abend gestalten, zwinkern, hinhören, non-verbal über Lautstärkepegel weit-ab-jenseits von mittellauter Meditationsmusik im Trakt II oder Fremdsprachenkenntnissen aller Art hinweg, jeden Wunsch oder jede Not verstehen lernen – das ist in der Nachtpraxis gar nicht mal so mega easy. Aber so is‘ Caro.

In ihren Pausen geht sie selbst gerne mal das freie halbe Stündchen tanzen oder schaut sich um, was fernab von der Theke so an Atmosphäre ist, ob jemand Unterstützung, ein Kompliment oder ein Salzstängelchen brauchen könnte. Den Überblick und die wirklich herzliche Empathie hat sie sich aus der Zeit als ehrenamtliche Aufnahmehelferin für Flüchtlinge in Berlin mitgenommen. Flüchtlinge in Leipzig, die ins IfZ kommen, nimmt sie daher auch weiterhin unter ihre Fittiche – und beobachtet sehr gern deren persönliche, kommunikative Entwicklung im (hedonistischen) Freiraum.

Theke ist eben mehr als Getränke verkaufen.

Foto von Henry W. Laurisch
Artwork von Manuel Schmieder

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