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Christoph
Christoph mag es, wenn es breakig und verspielt klingt. Nicht zu gerade. Als Kid Kozmoe legt er auch auf. Und heimlich produziert er eigene Tracks. Aber pssst.

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Neue 7″-Releases von Minor und Karl Marx Land

24. August 2017 / Kommentare (0)

Schallplatten mit sieben Zoll Durchmesser – ein schönes und handliches Format. Die beiden Labels Minor und Karl Marx Land sehen das ähnlich und haben neue Platten herausgebracht.

Flutwacht „13 Jahre Krach und Stahl“ (minoRobscuR / The Tourette Tapes)

Fangen wir mit Minor an: Wenn auf dem eigenen Sublabel minoRobscuR ein Release in Zusammenarbeit mit The Tourette Tapes herauskommt, die den Namen „13 Jahre Krach und Stahl“ trägt und von einem Projekt namens Flutwacht stammt – dann wird es sich wahrscheinlich nicht gerade um kuschelige Wohlfühlmusik handeln. Auch die Promo-Mail des Labels verspricht: „Don’t worry – there will be ‚friendly‘ electronic music on my labels again soon!“

Und ja, beim Durchhören der beiden Seiten der Single kann ich diesem Versprechen einiges abgewinnen. Für ungeübte und genre-fremde Ohren sind diese knappen zehn Minuten Noise durchaus eine Herausforderung, auch wenn beide Tracks repetitiv sind und eine eigene Rhythmik entfalten. Abenteuerlustige DJs können damit durchaus Spaß haben und das eine oder andere Publikum (wahlweise auch den Veranstalter) ein bisschen erschrecken. Für alle Freunde des gepflegten Krachs könnte die Platte hingegen interessant sein.

Vielleicht lässt sich der Sound auch eher über einen Kunst-Zugang erfassen, werden doch Hörgewohnheiten extrem in Frage gestellt. Irgendwie scheint das Cover auch darauf hin zu deuten: Ein leicht angerostetes Stahl-Muster ist hier beigelegt und gibt dem Release auch physisch zusätzliche Schwere. Nicht nur aus Gründen des Gewichts bin ich ehrlich gesagt ganz froh, dass ich an dieser Stelle nur eine 7″ von Flutwacht rezensiere – und nicht z.B. eine gesamte Doppel-LP.

Debmaster vs. Coco Lowres „Gang Of Siwa / Dönerboxen“ (Karl Marx Land)

Viel mehr meinen Hörgewohnheiten entspricht die neue Karl Marx Land, was nicht weiter überrascht, da ich eh Fan bin. Die fünfte Single teilt sich Coco Lowres mit Debmaster, der beispielsweise auf den Compilations von Moniker Eggplant vertreten ist, aber auch auf Labels wie Cock Rock Disco veröffentlicht hat.

Debmasters „Gang Of Siwa“ ist das bisher ravigste Stück der Karl Marx Land-Diskographie, dabei immer noch voll bunter Synthie-Melodien, die zum Ende hin völlig abdrehen. In den Live-Sets von Debmaster ist diese Stelle wohl ein Moment, der den Dancefloor gern auseinandernimmt. Inspiriert ist das Stück von der Berber-Stadt Siwa, in der Debmaster nach einem Auftritt in Kairo landete und deren Eindrücke ihn nachhaltig prägten.

Auf der zweiten Seite drosselt Coco Lowres das Tempo mit „Dönerboxing“ etwas und klingt für seine Verhältnisse fast ein wenig düster. Seine Inspiration für den Track ist geographisch deutlich näher verortet, zumindest wenn man dem in der Auslaufrille eingravierten „I ♥ Neukölln“ Glauben schenkt. Dementsprechend passt der Track auch ziemlich gut zum nicht nur dort üblichen Nightlifestyle: Ein angetäuscht-technoides Intro wird von einem arabisch anmutenden Thema abgelöst, quasi Dönerfrühstück auf dem Nachhauseweg aus der Disko. Dann kippt die Stimmung zum doch recht dunkel gefärbten Bass: Vielleicht haut sich wer aufs Maul, vielleicht fehlt dass passende Kleingeld fürs Essen. Wie die Geschichte auch ausgehen mag – sie hat einen sehr funkigen Soundtrack.

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