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Antoinette Blume
Sekt oder Selters, Ambient oder Techno, Leipzig oder Berlin, lieber Lesen oder Schreiben - kein Entweder-oder, sondern alles, gleichzeitig und umgekehrt-nacheinander. Unter www.antoinetteblume.de erfahrt ihr an welchen Orten unsere Autorin liest, ausstellt oder was sie wo installiert. Foto: Flory Gruendig

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Afterhour #11 Liebe, Techno, Leipzig – Katja

01. November 2017 / Kommentare (0)

Traurig aber wahr: Die Afterhour-Kolumne von Antoinette Blume neigt sich dem Ende zu. Hier kommt die vorletzte Ausgabe – mit Katja, die im So&So an der Bar und Garderobe arbeitet.

Fast Schluss
Die vorletzte Ausgabe, huiuiui. Zielgerade. So fast. Hach. Der gefühlte kleine erste Abschied, bis die nächste Ausgabe die letzte sein wird. Aber heute ist nicht aller Tage Abend, daher: Weg mit der Novemberdepression, her mit den roten Sonnenuntergängen.

Für die Nummer 11 habe ich Katja kennenlernen dürfen – mit der ich so das ein oder andere Fazit zum Thema Feiern in Leipzig gezogen habe. In meiner neuen Lieblingsstätte, dem Bricks (danke btw an Anja Kaiser für diesen Ultimativtipp für einsame und gesellige Abende in der Innenstadt), plauderten wir zu Wein und zuckrigen Cocktails über alles und nichts, über Musik und Kreuzworträtsellösen. Fast wie bei einer richtigen Afterhour.

Steckbrief
Clubnest?So&So
ZuhausemusikSubkutan, Garstique, Gyrl, Tsorn… Techno aus Leipzig eben.
Zeit zu gehen …?Nach der Afterhour

 

Auch mal 12 Stunden
„Man muss sich erstmal an Leipzig gewöhnen“, sagt Katja gleich zu Anfang. Auch mal zwölf Stunden arbeiten – oder 12 Stunden feiern. Die vorher gekannten „Großraumdissen“ in Kassel oder Göttingen mit ‚etwas anderen‘ Konzepten und Schließungszeiten weit vor zweistelligen Vor- und/oder Nachmittagszeiten gehören für sie schon seit sechs Jahren der Vergangenheit an.

Galeriehotel, Nachtleben, Solipartys, So&So. So liest sich in etwa die Leipzigvita von Katja, die im So&So an der Theke oder der Garderobe arbeitet und im Galeriehotel als Nachtportier* jobbt. Dazu ist sie eigentlich Fremdsprachenassistentin und spricht vier Sprachen. Ahh, und löst gerne Kreuzworträtsel, wenn ihr der Partytrubel zu viel wird. Interessante Mischung, kann man sagen.

„Verrückten den Raum geben, verrückt zu sein“
Das halbe Leben in die Nacht verlegt – warum? Sie mag die Ästhetik, die Stimmung, in der Nacht seien die Menschen, die ihr da so begegnen, ehrlicher.

Zum So&So kam sie durch Freunde, die zur Eröffnung des Clubs noch Unterstützung brauchten. Ihr Freund und Mitbewohner arbeitet im gleichen Club, ein richtiges Nachtschwärmerpärchen. Da sie sich nicht nur in den Wandschrank als Lieblingsfloor und in den Türsteher verliebt (und verlobt) hat, sondern auch der Arbeit hinter den Kulissen etwas abgewinnen kann, blieb sie dabei.

Schützen sollte man Feierstätten als Schutzraum an sich, findet Katja. Toleranz, Diversität und Verständnis im Feierkosmos zu propagieren und zu kreieren, das ist ihr wichtig.

„Verrückten den Raum geben, verrückt zu sein – sich fallen zu lassen, unbefangen und sozial etwas gelöster zu sein.“

Dafür ist sie dem Club als möglichem Schutzraum dankbar. Und sie weiß es zu schätzen, dass es in Leipzig neben den Drugscouts auch Awarenesspeople gibt, die eben jenes (mit)erhalten: einen Raum sozialer Produktivität.

Afterhour
Endlich nochmal jemand, der die Afterhour liebt! Also nicht diese hier, na ja vielleicht auch, hoffentlich, aber eben die richtige Afterhour nach einer langen Nacht, die noch nicht zu Ende ist, lange noch nicht zu Ende sein wird, ist gemeint. Gemeinsames Runterkommen, müde werden, Geschnacke und in Katjas Fall kommt es sogar zu gelegentlichen Schnitzeljagden während einer ausgiebigen Afterhour.

„Die besten Gespräche führt man auf einer Afterhour – ist einfach so. Auch wenn man sich ab und zu vier-fünf Stunden im Kreis dreht“, lacht sie. Für sie also mithin der schönste Abschluss des Abends. Zwangloses Miteinander und vor allem eine nette Beobachtungsstätte von und für Menschen, plus eine der günstigsten Gelegenheiten mit dem Auflegen zu starten. Und zum Kreuzworträtsel lösen …

Foto (as always) von Henry W. Laurisch und Artwork (natürlich) von Manuel Schmieder.

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