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Jens
Im Stadtmagazin kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Neuer Plattenladen: Inch By Inch

05. Juli 2018 / Kommentare (0)

Ende Juni hat er aufgemacht – Inch By Inch, ein neuer Plattenladen in Lindenau. Wir haben ihn und Betreiber Philipp Weißbach besucht.

Es ist laut an der Lützner Straße 60. Dutzende Autos quetschen sich vor zum Abzweig in die Merseburger Straße und raus nach Grünau, Straßenbahnen rattern im Minutentakt vorbei. Hier ist beileibe nicht die schönste Ecke von Lindenau – aber die, wo der Stadtteil ein wenig nach Großstadt wirkt. Und davon gibt es nicht so viele.

Seit Ende Juni gibt es in der schmalen Straßenflucht auch eine Anlaufstelle, um nach gebrauchten House- und Techno-Platten zu diggen. Und diggen passt perfekt zu Inch By Inch. In mehrere Regalen reihen sich tausende Platten aneinander. Teilweise nach Labels sortiert, teilweise nach Preisen – 1,50 € oder 3 € etwa. In einem Fach gibt es auch ein paar Trance- und Ambient-Platten.

Rechts vom Eingang führen ein paar Stufen hoch zu den Plattenspielern zum Vorhören und zu einem Sofa. „Good Vibes“ gibt die Fußmatte unten an der Treppe vor. Und die Vibes sind tatsächlich good im Inch By Inch.Der Laden wirkt angenehm aufgeräumt, oben mit dem Sofa und altem Eichenparkett fühlt man sich fast wie in einem Wohnzimmer. Von dort aus hat man auch einen guten Blick auf ein starkes, großformatiges Bild des Leipziger Künstlers Konstantin Rosenkranz.

Aufgemacht hat ihn Philipp Weißbach. Einige dürften den gebürtigen Leipziger unter seinem DJ-Alias kennen: Als Drunkenstein legt er House, Electro und Techno auf. Vor knapp zwei Jahren stellten wir ihn auch in unserer „Neues aus der Wolke“-Reihe vor – denn er produziert nebenbei auch eigene Tracks.

Seit 20 Jahren sammelt Philipp selbst Platten und arbeitete fünf Jahre in einem Leipziger Second Hand-Musikladen. Zusammen mit frohfroh-Autorin Rebecca organisiert er auch das Vinylbuffet, eine Plattenbörse im Schnellbuffet Süd. Klar, dass er sagt:

„Es war immer mein Traum, einen eigenen Plattenladen zu haben.“

Nachdem der Job in dem anderen Plattenladen weg war, kam er diesem Traum bei Discogs näher. Dort verkaufte er bereits vor der Inch By Inch-Eröffnung Vinyl, Tapes und CDs. Aktuell ist sein Online-Backstock mit über 2.000 Platten ebenso gut gefüllt wie der Laden.

Offline sind es sogar noch dreimal mehr. Philipp schaut nach Auflösungen von alten Sammlungen mit elektronischer Musik. Eine große fand er in Finsterwalde. Er holte sie nach Leipzig, hörte fast überall rein, reinigte jede Platte und sortierte sie. Viel Arbeit, die aber dafür sorgt, dass im Inch By Inch eine hohe Second-Hand-Qualität zu finden ist.„Ich hatte amerikanische Plattenläden als Vorbild: Schön voll und raus damit“, meint Philipp. Durch die günstigen Second-Hand-Preise dürfte es einen schnellen und ständigen Durchlauf geben.

Zu durchweg günstigen Preisen. Die EPs kosten maximal sechs Euro, Alben etwas mehr. Und wer selbst nicht mehr diggt, kann die eigenen eingestaubten Platten in verantwortungsvolle Hände geben: Als Second-Hand-Shop kauft das Inch By Inch selbstverständlich auch kleine und große Sammlungen an – wenn es inhaltlich und qualitativ stimmt.Nebenbei gibt es auch die Shirts und Sweater von 6step im Inch By Inch zu entdecken, einem Modelabel mit HipHop-Appeal, das Philipp vor einigen Jahren mit einem Freund gründete. Das Interieur besteht außerdem aus Leuchten und Kleinmöbeln des Leipzigers Frank Horn. Unter dem Label Neo Antik recyclet er Weggeworfenes zu neuen, schönen Gegenständen für die Wohnung.

Yes, das Inch By Inch sollte auf keiner Platten-Digger-Tour durch Leipzig fehlen.

Inch By Inch
Lützner Straße 60
04177 Leipzig

Di-Do 14-19 Uhr / Fr-Sa 11-19 Uhr
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Bilder: Misserabel

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