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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Various Various

14. Dezember 2011 / Kommentare (0)

Jaja, der Sound of … – wie gern wird Städten ein bestimmter Sound zugeschrieben. Auch wenn sich solche Pauschalisierungen meist nicht halten lassen, so sind die eng geschürten Fokusse doch reizvoll. Leipzig und Wien stehen bei zwei Veröffentlichungen im Mittelpunkt.

Am schönsten werden Stadt-EPs immer dann, wenn innerstädtische Verknüpfungen bei der Auswahl aufgezeigt werden. Im Falle der „Vienna EP“ zeigt Moon Harbour eine feine Hand. Andy Catana betreibt das Label Do Easy Records, auf dem Christopher Groove veröffentlicht. Mit im Do Easy-Boot ist auch Daniel Kovac. Alle drei sind auf der „Vienna EP“ vertreten. Mit eigenen Tracks oder Remixen. Klanglich bleiben die großen Überraschungen jedoch aus.

Nicht falsch verstehen: Es ist ja nicht so, dass Moon Harbour bei frohfroh ein Abo auf Verrisse gebucht hätten. Der Kontext des Labels ist auch völlig nachvollziehbar. Und doch fällt es mir immer schwerer, mich an vergangene EPs zu erinnern. Okay, die Italoboyz hängt in ihrer persönlichen Verärgerung noch nach.

Aber gerade bei der „Vienna EP“ grätscht der slicke House-Kurs der kuratorischen Leistung dazwischen. Hier verlieren die Geschichten hinter der EP leider an Bedeutung, weil anstatt von Wien auch irgendein anderer Stadtname stehen könnte. Da bleibt die originäre Note aus – wohl wissend, dass Andy Catana, Christopher Groove und Daniel Kovac selbst die Fäden so lenken mit ihren Tracks. Die Nummer 58 reiht sich daher nahtlos in den Katalog der letzten Jahre ein.

Und Leipzig? Da geht es auf Stadtrundfahrt mit Esoulate. Die um ein Netlabel erweiterte Booking-Agentur bringt mit der „Stadtrundfahrt EP“ die zweite Werkschau ihres Artist-Rosters heraus. Wieder kostenlos und digital. Wieder dabei: Klima. Und wieder schrägt sein Pegel in dunkle, brüchig-treibende Bereiche aus. Bei „Slight Screen“ auch leicht elegisch und Acid-aufgeladen. Wahrscheinlich ist das ein alter Hut, aber das Stück strahlt eine faszinierend verstörende Anmut aus.

Das lässt sich von „Kindness“, dem gemeinsamen Werk von Efka und Axel Thoma nicht so recht sagen. Mit „Rave“ ist das MP3 markiert, und das ist schon sehr ehrlich gewählt. Irgendwie will das Stück zu viel. Sakral-Pop mit den leidvollen Vocals auf der einen Seite, Peaktime mit wirklich erschreckend plumpen Rave-Chords auf der anderen Seite.

Das genaue Gegenteil nur drei Stücke weiter. Dort zelebrieren Metasound & Lucius14 ihren aktuellen, unaufgeregten Western-Leisure-Sound. Sanftmütig und dicht mit verschiedenen Ebenen verwoben. Diese schlingernden Momente da im Hintergrund sind aber toll. Zwischendrin remixt Paul Rewind noch „Organic Funk“, das Dsant-Stück der vergangenen Esoulate-Compilation.

Der transportiert den Detroit-Appeal des Originals in ein Dub-House-Gewand mit Rock-Attitüde. Da klingen die schwerfällig angeschlagenen Snares und HiHats wie aus dem Proberaum. Und der es gibt einen gezupft klingenden Knistersound dazu. Durchaus interessanter Ansatz. Eins zeigt die „Stadtrundfahrt EP“ aber eben ganz deutlich: Leipzig hat nicht den einen Sound.

Moon Harbour Recordings Website
Esoulate Music Website
Mehr zu Moon Harbour bei frohfroh
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