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Amy
Hauptsache gute Laune - von Disco bis Tekno kommt für Amy aka ttyfal auf dem Dancefloor und USB Stick alles in Frage. Szene über Mainstream, Open Air über Club, Sekt über alles.

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Spot on #3 – DJ Team Kevin Kuranyi (DJ Uludag & Fruity Saase)

24. März 2020 / Kommentare (0)

„Manamana für Billos“ – die beiden Jungs aus dem Hause Waldbrand mischen seit geraumer Zeit die Dancefloors Leipzigs auf. Wir stellen sie im dritten Künstler*innenporträt vor.

Sonne im Gesicht, House Beats, Festival Vibes. Strahlende Gesichter, treibende Rhythmen und das Gefühl, dass alles für den Moment in Ordnung ist. So cheesy es auch klingt – diese Stimmung bringt ein Set von Fruity Saase und DJ Uludag alias DJ Team Kevin Kuranyi – für mich zumindest – mit. Und so wie man es stetig in der Crowd beobachten kann, bin ich mit diesem Feeling nicht alleine.

Als ich in der Redaktion erfuhr, dass wir im neuen Jahr Künstler*innenporträts durchführen würden, war klar, für wen ich mich entscheiden wollte. Bernhard alias Berni alias DJ Uludag und Paul alias Fruity Saase sind gute Freunde von mir; als ich mit auflegen anfing, war ich immer von ihrem Sound fasziniert.

Deep House, Breaks, Oldschool Tech-House. Geheimrezept.

Es ist ein lauer, sonniger Samstag, als wir verabredet sind – einer, den es so seit langer Zeit nicht mehr gegeben hat. Familien und Radfahrer*innen trauen sich unter Sonnenstrahlen wieder auf die Bürgersteige im Leipziger Westen; Eisläden und Spielplätze kommen wieder in den Genuss von Besucher*innen. Bernhard und Paul sitzen einander unterdes am hintersten Tisch beim Vietnamesen gegenüber. Ich geselle mich dazu; wir essen, quatschen, lachen. Und unterhalten uns anschließend bei einer Tasse Kaffee über ihre bisherige, musikalische Karriere – wenn das überhaupt die richtige Bezeichnung ist.

„Wir müssen über Tech-House reden“

Mich interessiert zu Beginn, wie die beiden auf ihre musikalischen Präferenzen gestoßen sind. Bernhard zeigt auf Paul und antwortet trocken: „Na du über mich“. „Jo“. 

Im Endeffekt, aber, ist es für die beiden ungefähr gleich abgelaufen: Sie haben sich im und vom Freundeskreis – insbesondere von Crew-Kollege Mbius (shoutout) – inspirieren lassen und haben dann daraus ihren eigenen Sound entwickelt. Mittlerweile grenzen sie sich nicht nur von ihren Freunden ab, was die Plattentaschen angeht, sondern auch voneinander: „Soundtechnisch haben wir zwar mega viel, das wir gemeinsam gut spielen. Aber genauso wie [Paul] Zeug hat, bei dem ich nicht mithalten kann, hab‘ ich auch einige UK-, funky, Breakbeat- und auch Trance-Geschichten, bei der er sich vielleicht schämen würde, neben mir zu spielen,“ sagt Berni und zeigt erneut auf Paul.

Und: der in Verruf geratene Tech-House ist dabei ein Thema, das die beiden besonders zwickt. „Klar, der moderne, Ibiza-Sound ist Dreck. Aber Tech-House früher? Das war der shit.“ 

Foto von Kim Camille

Started from the bottom

Unter den Gigs, die die beiden gemeinsam in den letzten Monaten verbuchen konnten, zählen der Electric Weekender im Conne Island, Silvester im Institut fuer Zukunft oder das zeitraum und Feel Festival. Solche ausgelassenen Veranstaltungen sind zwar vor allem diejenigen, die ihnen Spaß machen, aber so hätten sie es sich niemals vorgestellt, als sie mit auflegen angefangen haben. 

Bernhard zählt zu den Gründungsmitgliedern von Waldbrand (die Crew hat in unserem Magazin eine Fotostrecke – Seite 99), Paul stieß später dazu.

„Früher mussten wir selber Partys machen, weil uns sonst keiner gebucht hätte.“

Die beiden hatten ihre ersten Gigs auf ihren eigenen Veranstaltungen und in Locations, die nicht ganz legal waren – Birkenwäldchen, Palmengarten, Lindenauer Hafen. Alte Videoaufnahmen verraten, dass die beständigen Besucherzahlen trotz dessen nie ausgeblieben sind.

Die Waldbrand-Crew legt seit Anbeginn ihrer Veranstaltungen Wert auf ein sorgfältig ausgewähltes Line-Up, unterstützt von spannenden Grafiken. Die erste Chance für eine Indoor-Party gab ihnen das Westwerk, das IfZ legte 2018 in sie Vertrauen. „Wir sind keine Crew, bei der es nur eine Musikrichtung gibt, und das macht es für mich auch so spannend. […] Daraus hat sich, glaube ich, auch unser Style entwickelt, der auch mal diverser sein kann,“ sagt Paul. Dieser eigene, diverse Style überträgt sich auf ihre Bookings, und das merkt man – siehe beispielsweise 24h Wohnzimmer in der Distillery im letzten Oktober. 

Paul alias Fruity Saase (links) und Bernhard alias DJ Uludag (rechts) / Foto von Kim Camille

Das erste Mal spielten die beiden Ende 2017 auf einer CHANNEL-Veranstaltung zusammen, Bernhard sollte ursprünglich Paul beim Mixen „babysitten“. „Von da an war es Liebe auf den ersten verkackten Mix,“ lacht Paul. 

Wenn es darum geht, welche Veranstaltungen den beiden besonders im Kopf geblieben sind, einigen sie sich eindeutig auf Festivals; hauptsache die Stimmung und die Location haben gepasst. Das sechsstündige, mit Pfeffi gefüllte Sojungnimmermehr-Closing 2018 („‚war es überhaupt das Closing?‘ ‚Für uns auf jeden Fall'“) beispielsweise, und – immer wieder – die Steele-Stage beim Feel und Artlake Festival. Zu ihren Leipziger Lieblingsläden zählen vor allem die Kulturlounge und das IfZ. Motto: fun, fun, fun hinter den Decks.

Der Charme des b2bs

Jede*r, der seinen oder ihren perfekten b2b-Partner gefunden hat, weiß, wie viel das wert ist: „Es ist einfach lockerer; du hast mehr Zeit zum chillen, hast jemanden der deine Tracks mit dir abfeiert. Beim b2b kannst du auf alles scheißen – und das macht es so geil“ bestätigt auch Berni. 

DJ Team Kevin Kuranyi heißt Spaß hinterm Pult – was der Name unschwer erahnen lässt. „Es liegt vielleicht auf der Hand, dass wir uns nicht ganz so ernst nehmen. Und Kevin Kuranyi ist immer schon der beste Knipser gewesen.“

Teamwork makes the dream work: gemeinsam in Richtung Tor.

Obwohl Paul und Bernhards Kommunikation miteinander immer wieder in Richtung shit-talking abdriftet, merkt man, was für ein eingespieltes Team die beiden sind. Das letzte Mal haben sie zusammen im Waldbrand-Livestream gespielt, als nächstes werden sie auf wolkigmusic bei Radio Blau am 05.04. (20-22 Uhr) zu hören sein.

Im Team werden die zwei wohl trotzdem noch eine Weile zusammen spielen. Und warum? Paul erinnert sich an Bernhards Worte zur Silvester-IfZ Party: „Ey – jetzt weiß ich wieder warum wir so oft zusammen auflegen. Macht ja eigentlich doch schon Spaß“.


DJ Team Kevin Kuranyi in the mix

Für frohfroh haben DJ Uludag und Fruity Saase einen Mix aufgenommen:

„Dieser Mix ist ein Livecut von einem Set, welches wir im XXS vor kurzem zusammen gespielt haben. Berni kam 15min zu spät, weil er noch arbeiten musste – also hab‘ ich (Paul) mich um das Opening gekümmert. Danach ging es in klassischer b2b-Manier weiter bis zum Ende. Zum besten geben wir unseren aktuellen Clubsound geprägt von prog/tech/minimal/tribal/happy-House. Mastering wurde von den Smallroom-Studios übernommen. s/o möbius. Cheers!

Alle Fotos sind von Kim Camille. Dankeschön!

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