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Antoinette Blume
„Denn Zuhause ist, wo Techno dich verschwinden lässt und die Toilette ein Brettchen bietet – zum Festhalten.“ Antoinette Blume schreibt nicht nur bei frohfroh über Technoliebe, Liebe und Techno, sondern auch bei mimiundkathe.com über Erlebnispornographie, sexy Times und Beziehungen. Liebesbriefe, Lob und Einladungskarten an: afterhour@frohfroh.de. Bild: David Szubotics

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Afterhour #3 Liebe, Techno, Leipzig – JanJan Jaqueline

02. März 2017 / Kommentare (0)

Ein neuer Monat beginnt – es ist „Afterhour“-Zeit. Antoinette Blume erzählt dieses Mal von ihren Begegnungen mit JanJan Jaqueline.

Extravagant oder extra-extra-extravagant, so würde ich JanJan bzw. Jaqueline beschreiben. Wir kennen uns vom Feiern, woher auch sonst. Auf einem sehr kleinen, schon sehr kalten Open Air fragte er/sie mich, ob ich zu ihrem/seinem Geburtstag kommen wolle, ich sei eingeladen.

Äh, ja, ok? Gesagt, getan – seit dem kennen wir uns, tauschen gelegentlich Ausgehtipps, lassen den jeweils anderen nicht zu Wort kommen und erfreuen uns gemeinsam an Glitzer-Make-Up jeder Art.

Steckbrief
Lieblingsclubs?Westwerk, Blaue Perle, So&So, Elipamanoke, Kulthum, Institut fuer Zukunft
Musik oder Rausch?Musik mit Rausch
Zuhause-Musik?George Michael

Bunt + drei Ausrufezeichen

Der brasilianische transsexuelle Künstler ist in Leipzig als Performancekünstler, Sänger und regelmäßiger Partygast auf sämtlichen Partyfloors sämtlicher Locations in Leipzig (und seltener auch Berlin) bekannt. Zu erkennen an wechselnden, bunten Perücken und farbenfrohen Ensembles, wie man sie sonst nur von Youtubevideos der Loveparade kennt. Was durchaus schon ausreichend ist, um aufzufallen, wo es sich doch anschickt, allblack und pale (der Kurz-Vorm-Kollabieren-Look) zum Feiern auszugehen.

Höchstens ein weißer Sport-BH gepaart mit nichts außer Tennissocken blitzt da ab und zu durchs schwarze Meer – oder eben JanJan/Jaqueline in einem silbernen Paillettenkleid, wahlweise roter oder blonder Perücke und Sonnenbrille. Eine rauschhafte Erscheinung, die nicht bloß als bunte-transgender-Person missverstanden werden möchte. Darauf angesprochen sagt mir JanJan:

„Ich möchte keine Frau sein, ich möchte kein Mann sein – ich möchte ich selbst sein.“

Die Inszenierung, die wir da sehen, wird (leider) seltener im lauten Club thematisiert, viel eher nur begutachtet. Für ein bis zwei weitere Infos eignet sich (m)eine kleine Afterhour, befinden Jaqueline et moi.

80% Jaqueline Boom-Boom, 20% JanJan

Natürlich ist mir nicht erst seit seiner/ihrer Ausstellung mit dem Namen „Love Shines Always Brightly For All“ in der Galerie Potemka in Lindenau das Pseudonym Jaqueline Boom-Boom begegnet. Dort zeigte JanJan Jaqueline eine Soloausstellung seiner/ihrer Malerei, Zeichnungen und Skulpturen. Die Permanent-Selbstinszenierung mit Make-Up, Kleid und Boom-Boom-Attitude ist für sich genommen eine Zusatz-Performance – Performance in der Performance wird es dann, wenn Jaqueline als Sänger_in auftritt. Und trotzdem ist die Performance auch Alltag. Metaebene, puh.

Rio de Janeiro – San Francisco – New York – Berlin – Leipzig

Alltäglich ist auch die Feierei, so 5-6 x die Woche geht JanJan Jaqueline aus – das lässt eine lange Feierexpertise erahnen. Angefangen in Rio de Janeiro, über San Francisco und New York, schließlich der Liebe wegen (mittlerweile Ex-Liebe bzw. Ex-Mann) erst in Berlin, dann in Leipzig gelandet. JanJan ist sicher, in Leipzig, seinem magic place, die erfüllende Liebe trotz Weggangs des Partners längst im Nachtleben gefunden zu haben – und noch mehr Liebe zu finden. Liebe in der Kunst, Liebe beim Feiern und Liebe im Leben. Endlich, unendlich.

Schlusswort

„In the end – fuck it. Just fuck it. Life’s too short, love is too important.“ – JJJ

Foto von Henry W. Laurisch
Artwork von Manuel Schmieder

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