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Antoinette Blume
„Denn Zuhause ist, wo Techno dich verschwinden lässt und die Toilette ein Brettchen bietet – zum Festhalten.“ Antoinette Blume schreibt nicht nur bei frohfroh über Technoliebe, Liebe und Techno, sondern auch bei mimiundkathe.com über Erlebnispornographie, sexy Times und Beziehungen. Liebesbriefe, Lob und Einladungskarten an: afterhour@frohfroh.de. Bild: David Szubotics

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Afterhour #4 Liebe, Techno, Leipzig – Ronya

01. April 2017 / Kommentare (0)

Poetische Satzfetzen aus denen sich Gedichte formen, in Clubnächten eingefangen, schnell notiert. In der neuen „Afterhours“-Ausgabe übergibt Antoinette Blume der DLL-Studentin Ronya das Wort.

Literatur und Nacht
In dieser Ausgabe stellt sich die Gestalt der Nacht (heute wird’s richtig Kunst, ich sag’s euch) selbst vor. Ich weiß, dir ist das jetzt ein bisschen peinlich, liebe Ronya, aber ich liebe es dafür meinerseits ziemlich arg, dich mit ein wenig Tamtamtam vorzustellen – also, here we go. Die MDR-Literaturpreisträgerin Ronya Othmann (bekannt aus Instagram, Funk und Fernsehen; Google sagt das zumindest) schrieb den A4-Text über sich gleich höchstselbst.

Nach der Lektüre ihrer Zeilen empfinde ich manches anders. Zum Beispiel den Schwabendialekt meines Freundes (er kann nichts dafür …) und – where the magic happens – die Toiletten des Instituts für Zukunft. Hier schreibt Ronya Othmann. Spricht. Manchmal. Wo das ein oder andere Drogenscherzlein („Bitte nur 3 Teile in die Kabine mitnehmen“, love that) angepinselt ist, womöglich ganze Krisenstabsgespräche abgehalten werden (zu sechst ab in die Toilette „Wir haben was zu besprechen“ – klar, why not), da, ja, da findet zum Beispiel jenes Gedicht mit dem Titel mondprotokolle von Ronya seinen Anfang. Sagte ich schon Ehrfurcht?

Steckbrief
Lieblingsclub?Deutsches Literaturinstitut Leipzig
Credo?Mein Make-up ist wichtiger als Deutschland

Ronya

Ich liebe das Nachtleben. Mir die Nächte in Leipziger Bars, in Clubs, auf Open-Airs um die Ohren zu schlagen. Ich liebe das Nachtleben sogar so sehr, dass ich auch hin und wieder hinter der Bar stehe, und im Akkord Sterni verkaufe und mir das sogar Spaß macht. Ich mag alles, was mit dem Nachtleben zusammenhängt, selbst die leeren Tabakbeutel am nächsten Tag und die Katernachmittage mit meinen Mitbewohner*innen mit Tiefkühlpizza und Netflix kitschigsten Liebeskomödien. Aber das Nachtleben zu lieben und darüber zu schreiben sind zwei verschiedene Dinge, aber das fiel mir erst später auf. Was soll ich erzählen, habe ich mich gefragt. Soll ich von den krass schwäbelnden Cool-Kids im IfZ erzählen oder davon wie ich einmal auf einer Party betrunken meine Kurdistanflagge ausgepackt habe – fragt jetzt bitte nicht, warum ich die dabei hatte – und damit getanzt habe.

Ich schreibe im Nachtleben. Ich habe nie ein Notizbuch dabei. Ich würde mich niemals an einen Bartresen setzen und mir ein paar Sätze notieren, für alle sichtbar, und wenn mich dann jemand fragen würde, was ich da mache. Gedichte, ich würde im Boden versinken. Ich schreibe heimlich. In meinem Handy gibt es diese Notizfunktion. Es sieht von außen dann so aus, als würde ich jemandem auf Whats ‚app antworten. Meist gehe ich dafür sogar auf die Clubtoilette, aus Angst jemand könnte mitbekommen, was ich da eigentlich mache und höchstens meine engsten Freund*innen wissen
Bescheid, wenn ich mal wieder minutenlang verschwunden bin.

Ich nehme mir nie vor zu schreiben, wenn ich ins IfZ gehe. Aber mein Handy ist immer aufgeladen, für denn Fall dass. Ich könnte nicht einmal sagen, dass mir das Nachtleben Inspiration gibt. Ich schreibe niemals über das Nachtleben. Aber am nächsten Tag dann das Abtippen der Handynotizen in einem Worddokument. Das Sortieren von Brauchbarem und Unbrauchbaren, dort beginnt die Arbeit.

Wo der Text seinen Ursprung hat, wo er entstanden ist, nach stundenlangem Tanzen, leer gerauchten Tabakbeuteln, zwischen zwei Sterni, was tut das schon zur Sache. Ich schäme mich ein bisschen, wenn ich sage, ich schreibe Gedichte im IfZ.

Einleitung von Antoinette Blume
Text und Gedicht von Ronya Othmann, Studentin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig
Foto von Henry W. Laurisch
Artwork von Manuel Schmieder

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