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Antoinette Blume
Sekt oder Selters, Ambient oder Techno, Leipzig oder Berlin, lieber Lesen oder Schreiben - kein Entweder-oder, sondern alles, gleichzeitig und umgekehrt-nacheinander. Unter www.antoinetteblume.de erfahrt ihr an welchen Orten unsere Autorin liest, ausstellt oder was sie wo installiert. Foto: Flory Gruendig

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Behind the nights – Cry Baby

25. September 2017 / Kommentare (0)

Kunst, Performance, Grafik und progressive Clubmusik – in der neuen Behind the nights-Ausgabe hat sich Antoinette Blume mit der Cry Baby-Crew getroffen.

Eines der interessantesten (wäre dieses Wort doch nur nicht so ausgenudelt …) Kollektive mit den meiner Meinung nach nachweislich besten Plakaten in Leipzig: Die Cry Baby-Crew. Sie wollen mit einer anspruchsvollen Konzeption zwischen Kunst, Performance, Grafik, progressiver Clubmusik und einer eigenen Ästhetik eine neue Generation an Künstler_innen und Producer_innen stärken. Aber von vorn.

1+1=3
Die Kuratoren der Cry Baby-Veranstaltungen heißen Kyle und Anja. Kyle hat die Veranstaltungsreihe 2014 ins Leben gerufen und erst so ziemlich alles in Eigenregie gemacht – „way too much stress“, wie er mir versichert, gleichzeitig-trotzdem vermisst er das Auflegen auf seinen eigenen Veranstaltungen ein bisschen. Seine Wurzeln kommen aus der DIY-Musik-Szene der USA, passend.

Anja kam ein Jahr später erst als Grafikerin für die Veranstaltungsplakate, später auch als Bookerin dazu. Sidenote: Die Plakatdesigns von ihr sind selbst unter denjenigen bekannt, die die Partyreihe noch nie besucht haben. Sie arbeitet im „normalen Leben“ als künstlerische Mitarbeiterin an der Burg Giebichenstein, der Kunsthochschule in Halle, und verortet sich mit ihrer künstlerischen Auseinandersetzung im Bereich Design & Research.

On top: Während ich das schreibe, en ce moment, sehe ich beim sleek mag die Headline „How Leipzig’s Emancipatory Nightlife is Shaping the Young Art Scene. Feminist graphic artist Anja Kaiser explains what drew her to Leipzig“ – das wirft schonmal einige richtige Begriffe zusammen, die Anja Kaiser beschreiben.

Und dann haben wir noch Dorothy Parker, die als einzige Resident DJ natürlich eine besondere Rolle bei den Veranstaltungen einnimmt. Dorothy Parker ist freischaffende Medienkünstlerin, arbeitet am Schauspiel Leipzig in der Videoproduktion und ist darüber hinaus DJ. Und sie ist bei jeder Cry Baby Party dabei, of course.E3 = Eigenwillig, eklektisch und experimentell
Die drei beschreiben ihr Projekt als „Plattform für progressive Clubmusik“ und bewegen sich dabei zwischen Live-Acts, „fun music“ und den zur Zeit aufstrebendsten Musikproduzent_innen aus Leipzig, Berlin und internationalen Gefilden. Aber die Veranstaltungen halten noch mehr bereit, als nur ein progressives Line-Up. Nämlich Raum zur Reflektion. Ahja?

Politisch-philosophische Ansätze inmitten einer Partyveranstaltung – gar nicht mal so befremdlich, wenn man sich die vorausgegangenen Veranstaltungen des Kollektivs anschaut. Die Februar-Ausgabe der Veranstaltungsreihe in Kooperation mit Dgtlfmnsm, bei der es ein Filmscreening des Films Lumapit Sa Akin, Paraiso (Come to me, Paradise) von Stephanie Comilang gab, wäre da so ein Beispiel.

Die kanadisch-philippinische Filmemacherin Comilang kam zusammen mit den Filmmusikkomponisten Why Be und Sky H1 nicht nur zum Artist Talk ins IfZ. Die beiden blieben danach noch, Why Be als DJ und Sky H1 spielte ein Live-Set bei dem Anja Kaiser die Visuals live dazu einspielte. Alles miteinander verbunden, vernetzt und in Zusammenhang – auch mit der Identität der kollaborierenden Künstler_innen. Theorie, Kunst und Party. Diversität (auf Seiten der Veranstalter_innen, Musiker_innen, Künstler_innen sowie auf Seiten des Publikums), (female) Empowerment und die LGBTQ-Szene kommen außerdem als Komponenten seit Beginn bei Cry Baby zusammen.√Clubraum
Ist das dann noch Party? Das lässt sich nicht wirklich beantworten. Das Kollektiv geht mit seinen Veranstaltungen viel eher den Fragen, „was kann ein Club als kultureller Schutzraum leisten?“, „wer begegnet sich zu solchen Veranstaltungen, wen bringen wir zusammen und was entsteht daraus?“ auf den Grund.

Sie stellen eine Institutionsfreiheit inmitten des Projekts heraus, die hiermit wiederum Politik und Reflektion integriert. In diese Richtung soll es bei Cry Baby weitergehen. Kyle und Anja wollen bestehende Netzwerke mit Kollektiven wie No Shade oder Dgtlfmnsm vertiefen, sich mit ähnlichen Projekten vernetzen und mit aufstrebenden Künstler_innen zusammenarbeiten.

Bei all dem Input-Output und Anspruch gibt es aber doch noch das Partyerleben. Cry Baby besteht nicht nur aus Atmosphäre, sondern (natürlich) auch aus Musik und Feiern: „In the end, we want to have an amazing time. Cry Baby is the most fun we have in Leipzig, period. But why not experiment a bit along the way?“. Das kann man als Schlusswort so stehen lassen.

Ich darf euch meinerseits sagen, wenn ihr euch für neue, progressive elektronische Musik interessiert, wenn nicht begeistert und auch politisch-feministischen Veranstaltungen nicht abgeneigt seid: Cry Baby wäre was für euch, go for it.

Am 29. September 2017 findet im Institut fuer Zukunft die nächste Cry Baby statt. Die Party zieht mit RUI HO, Ace of Diamonds und Dorothy Parker dieses Mal auf Trakt III, den „Miniclub im Club“, um.

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