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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Mit luziden Träumen spielen – DŌMU im Interview

08. März 2018 / Kommentare (0)

Diffus-schimmernde Ambient-Sounds, infernalisch-trippiges Drumming, dazu Live-Visuals – DŌMU haben in den letzten Monaten mit ihrer einnehmenden Performance für offene Münder gesorgt. Heute erscheint ihr Debütalbum – wir haben sie im Interview.

DŌMU, das sind Stefkovic van Interesse, Zar Monta Cola – der Drummer von Warm Graves – und der Visual-Künstler GenPi. Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass die drei sich zu einer eigenständigen Band formierten. Mit „Lucid Themes“ erscheint heute das erste Album, das wir hier vorstellen.

Hier erzählt uns Stefkovic van Interesse mehr zur Entstehung und dem Wirken der Band, die ihre Musik „Black World Music“ nennt.

Du hast bisher solo Musik gemacht, Zar bei Warm Graves – wie ist DŌMU entstanden?

Ich war vor ca. zwei Jahren als Support mit Warm Graves auf Tour. In Hamburg hat Zar von den Warm Graves dann bei meinem finalen Lied einfach mal dazu getrommelt. Aus der Idee, ein paar perkussive Elemente in mein Set einzubauen, sind dann neue Tracks entstanden. Oder wir haben alte umgeschrieben. GenPi hat uns später das erste mal bei der Veranstaltung Bells Echo I visuell unterstützt. Das ist alles immer mehr zusammengewachsen und hat auch eine andere Klangfarbe und Dynamik erhalten – deshalb war es mir wichtig, das ganze Projekt von meinen Soloprojekt abzunabeln. Den Urknall haben wir dann bei Bells Echo II gefeiert.

Wie entstehen die Tracks – aus der Improvisation heraus?

An sich ja. Wie gesagt erst war das Schlagzeug mehr eine Unterstützung. Mittlerweile habe ich spontane Ideen mit ein paar Samples und Zar noch ein großes Repertoire an verschiedenen indischen und afrikanischen Rhythmen. Die probiert er gern dazu aus. Meist greift dies sehr schnell ineinander, da wir eine ähnliche Art von Energie haben. Was meist verkopft klingt, ist oft spontan entstanden. Gern werkeln wir dann live an Nuancen oder merken, woran wir noch arbeiten müssen.

Gibt es ein inhaltliches bzw. ästhetisches Konzept, das ihr mit DŌMU verfolgt oder das latent für euch mitschwingt?

Oft werden Visuals gern als „Versteck“ für die Musiker genutzt, um nicht direkt im Rampenlicht zu stehen. Für uns dienen die Bilder mehr als Schlüssel zur Wahrnehmung der Klänge. Es ist eher ein Film, der da abläuft. Bewusst haben wir als Thema der ersten Platte das luzide Träumen gewählt, da dies eben genau mitschwingt. Träumen macht es uns einfacher, abstrakte Wege zu gehen bzw. auszuprobieren. Nach Konzerten werden uns oft Interpretationen geschildert wie „Das war wie als würde man …“.

Was sind die Quellen für die Visuals – Samples oder eigene Aufnahmen?

GenPi generiert seine Visuals teilweise digital. Er nutzt aber auch organisches Material und Schablonen, die er auf eine Lichtquelle oder auf eine Drehplatte legt und abfilmt und dieses dann digital verfremdet. Dadurch kommt es live an jedem Abend zu anderen Bildern, die sich oft abhängig von der Raumstimmung verändern. Dafür braucht er natürlich ein großes Set, was oft der „Hingucker“ vor und nach unseren Auftritten ist.„Lucid Themes“ klingt stellenweise sehr trippy und wäre auch in einem experimentellen Techno-Kontext denkbar – welche Rolle spielt für euch Clubmusik?

Ich sehe in Techno-Clubs immer eine Art Parallelwelt. Oft lassen sich Besucher dort mehr fallen, als bei einem normalen Konzertszenario das nach drei Stunden wieder vorbei ist. Wir haben schon ein paar Performance-Erfahrungen in Clubs gesammelt wie dem IfZ oder dem objekt klein a in Dresden. Aber an sich berufen wir uns nicht auf einen direkten Einfluss in unsere Musik.

E.M.S. zieht sich in mehreren kurzen Teilen durch das Album – es ist also mehr als eine Reihe an Interludes?

E.M.S. steht im Zusammenhang mit luziden Träumen und ist die Abkürzung für Eye Movement Signals – also Werte, die man aus den Augenbewegungen im Schlaf messen kann. Auf dem Album sind es tatsächlich die Interludes zwischen den Songs.

Greifst du für DŌMU noch einmal auf andere Sounds und Field Recordings als bei deinen Solo-Tracks?

Also an sich ist es die gleiche Datenbank, aber mittlerweile suche ich auch nach anderen Geräuschen extra für DŌMU und setze diese auch anders ein als solo. Oft klingen sie beinahe schon nach synthetischen Sounds, obwohl es Field Recordings sind. Aber das macht für mich auch den Reiz aus, da es trotzdem das gewisse Etwas hat.

Was ist live geplant?

Wir arbeiten neuerdings mit Räucherwerk, um den Raum noch mehr einzunehmen. Das spannende für uns sind alternative und sporadische Locations wie eben Kirchen oder jetzt auf unserer Tour eine alte Wartehalle der Bahn in der Nähe von Bremen. DŌMU findet nicht nur im Konzertsaal statt – das wollen wir ausweiten.

Foto-Credits: Möwentaucher, Pulpolux

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