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Christoph
Christoph mag es, wenn es breakig und verspielt klingt. Nicht zu gerade. Als Kid Kozmoe legt er auch auf. Und heimlich produziert er eigene Tracks. Aber pssst.

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Neues aus der Wolke – LoFiTravellers

15. April 2018 / Kommentare (0)

Verträumter Sound aus kleinen, bunten Kisten: Die LoFiTravellers zeigen, dass Gameboys nicht im Schrank verstauben müssen.

Zunächst ein Rückblick: Ein kleines, dezentes Highlight des Bassmaessage-Jubiläums im letzten Herbst war für mich ein kleiner Floor in der Nähe der Toiletten, der von mehreren Live-Acts bespielt wurde. Entspannt-experimentelle Untermalung also auf dem Weg zur Notdurftverrichtung. Auch die LoFiTravellers haben dort ein Set gespielt und das war nicht nur musikalisch interessant: Allerlei kleine miteinander verkabelte Synthesizer, Gameboys, Effektgeräte und Drum-Machines gab es zu sehen, dazu wurden 7″-Platten auf einem kleinen Plattenspieler gescratcht. Das Ergebnis war ein sehr viel verträumterer und spacigerer Sound, als die Beschreibung der Instrumente vielleicht vermuten lässt. Aber überzeugt euch selbst – es existiert glücklicherweise ein Mitschnitt:

Hinter den LoFiTravellers stecken Shortee aus Leipzig und TRIAC aus Dresden, die mit ihren Solo-Projekten schon seit einiger Zeit im 8-Bit-Bereich aktiv sind und damit auch live in diversen Clubs und Festivals anzutreffen sind. Während die Musik von Shortee vor allem auf Soundcloud zu finden ist, gibt es das fünfte Album von TRIAC bereits seit Dezember auf Bandcamp zu hören. Was hinter ihrer Zusammenarbeit steckt, erzählen sie im Interview.

Ihr zwei seid mit euren eigenen Projekten schon seit geraumer Zeit im 8-Bit-Sound unterwegs. Wie kam es dazu, dass ihr vor allem mit dem Gameboy Musik produziert habt?

Shortee: Ich finde die Restriktion faszinierend. Man hat nur 4 Spuren mit jeweils sogar weiteren eingeschränkten Möglichkeiten. Da wird man kreativ und reduziert einen Track auf das Wesentliche. Außerdem kann man den Gameboy einfach überall hin mitnehmen und loslegen.

TRIAC: Nicht zuletzt ist für mich auch der nostalgische Sound ausschlaggebend. Ich saß schon als Kind zum Teil nächtelang im Bett und habe Gameboy gespielt. Und auch da schon hat mich der Sound und auch die Musik der Spiele fasziniert. Und als ich dann das erste Mal auf elektronische Tanzmusik aus dem Gameboy gestoßen bin, war ich hin und weg.

Wie kam es zur Zusammenarbeit als LoFiTravellers und was ist der wesentliche Unterschied zu den Solo-Projekten für euch?

Shortee: Wir haben letztes Jahr zusammen bzw. nacheinander auf einem Festival gespielt. Den Abend vorher haben wir uns einfach mit einer Box irgendwo aufs Gelände gesetzt, zusammen gejamt und ziemlich schnell gemerkt, dass wir das ausbauen sollten. Dann kam bald die Gelegenheit für den ersten Gig und die haben wir genutzt.

TRIAC: Für mich ist der große Unterschied zum einen, dass ich anders als beim TRIAC-Projekt sehr viel live mache, viel Improvisation und spontane Eingebungen. Zum anderen auch, dass ich nicht nur das mache, worauf ich gerade Bock hab, sondern eben auch den Input von Shortee mit aufnehmen kann.

Beim Nachhören eurer Live-Sets habe ich mich gefragt, ob ihr einzelne Songs als Grundlage verwendet oder die Musik komplett live improvisiert. Wie funktionieren eure Sets und wie bereitet ihr euch darauf vor?

Shortee: Es ist eine Mischung. Wir haben viele Patterns fertig und die Kombination ist größtenteils improvisiert. Dazu kommen dann Elemente, die wir live spielen.

TRIAC: Es gibt dabei so eine gewisse Aufgabenteilung – Shortee macht die Beats, Percussion und FX-Spielereien. Ich streue die Melodien, Basslines und ein paar Synthie-Sachen ein. Das ergänzt sich irgendwie ganz gut.

Gameboys, Mini-Plattenspieler, Mini-Effektgeräte – macht kleinformatige Technik beim Musikmachen mehr Spaß?

TRIAC: Naja, es macht vieles einfacher, z.B. den Transport. Ist schon lustig, mit dem Fahrrad und Rucksack sein komplettes Equipment transportieren zu können. Dazu kann quasi unser gesamtes Setup über Batterien laufen, was für Open-Airs eine feine Sache ist. Der Kostenfaktor spielt natürlich auch eine Rolle.

Shortee: Ich find es außerdem viel spannender als einen Laptop aufzuklappen, ’nen Midi-Controller anzuschließen und Play zu drücken. Es ist live ziemlich spaßig wenn man so viele kleine Elemente hat die man anfassen, timen und ändern muss. Am Ende hat alles zusammen dann auch einen sehr eigenen Sound.

Shortee, neben der Musik programmierst du Games und bist im Bereich Illustration aktiv. Gibt es dabei Überschneidungen für dich?

Shortee: Wo mich die Kreativität in meiner Freizeit eben so hintreibt. Seit fast 10 Jahren illustriere ich für unser Label Superfreunde, jedes Jahr allerdings ein bisschen weniger und die letzten 2-3 Jahre ist es nach langer Pause wieder mehr die Musik gewesen. Gamedesign ist spannend, aber da experimentiere ich nur ab und an herum. Das interessante dabei ist, dass man alle Disziplinen zusammenbringen kann.

TRIAC: Ich habe kürzlich auch an einem Game Jam teilgenommen, wo ich mit Freunden ein kleines Spiel entwickelt habe. Hier habe ich neben dem Sound auch ein paar Illustrationen gemacht. Ich bin eigentlich nicht so der Grafiker, war aber eine coole Erfahrung.

Was sind eure Pläne mit den LoFiTravellers ? Wird es Releases geben? Wo tretet ihr als nächstes auf?

Shortee: Wie der Name schon sagt glaube ich dass man uns demnächst öfter mal hier und da auf Reisen sehen wird.

TRIAC: Ein Release wäre auf jeden Fall auch eine Überlegung wert. Da müssen wir allerdings noch ein geeignetes Format finden, da wir ja bisher keine Tracks im klassischen Sinne anzubieten haben.

Shortee: Das einzige was wir im Moment mit Datum versehen können, ist ein Auftritt bei der langen Nacht der Computerspiele am 21. April, alles andere ist noch zu vage. Dort kann man uns allerdings direkt auf die Finger schauen, weil wir nicht in einem dunklen Club, sondern auf einem Flur in der HTWK stehen werden, das ist doch auch mal was.

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