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Antoinette Blume
Sekt oder Selters, Ambient oder Techno, Leipzig oder Berlin, lieber Lesen oder Schreiben - kein Entweder-oder, sondern alles, gleichzeitig und umgekehrt-nacheinander. Unter www.antoinetteblume.de erfahrt ihr an welchen Orten unsere Autorin liest, ausstellt oder was sie wo installiert. Foto: Flory Gruendig

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FLTI* Ableton User Group – Wo, wann und warum?

05. April 2019 / Kommentare (0)

Produzent*innen (und die, die es werden wollen) aufgepasst! Seit Anfang letzten Jahres hat sich eine Arbeitsgruppe inmitten des Ableton User Group – Workshops, der im Institut fuer Zukunft stattfindet, formiert. Die Gruppe startet ab April mit einem Anfänger*innen-Programm und mischt bereits an mehreren Ecken in Leipzigs Musikszene mit. Grund genug, sich mit einem Teil der Organisator*innen zu verabreden.

 

Von Austausch bis Mentoring: FLTI* AUG

Wer noch nie etwas von Ableton oder den Treffen (User Groups) gehört hat, kann die wichtigsten Facts kurz und knapp im Infokasten nachlesen. Die Neuigkeit: Es gibt seit kurzem eine FLTI*-Group innerhalb des etablierten Workshops in Leipzig. 

Wir wollen genauer wissen, was sie vorhaben, für wen die Workshopreihe gedacht ist und welche strukturellen Probleme auch vor dem elektronischen Musikkosmos in Leipzig nicht Halt machen.

 

 


NOTE NOTE –

Ableton User Group Workshops finden international an vielen verschiedenen Orten statt. Sie sind dazu da, eine gemeinsame Plattform abseits von Foren (im real life!) zum Produzieren (vornehmlich mit Ableton Live, da von der Berliner Softwarefirma organisiert) von Musik zu schaffen. Hier finden Jams, Austausch, Vorträge und intensive Workshops statt. In Leipzig finden die Treffen im Institut fuer Zukunft statt.

FLTI* steht als Abkürzung für Frauen, Lesben, Trans*, Inter* und wird oft für (Schutz-)Räume verwendet, zu denen Cis-Männer keinen Zutritt haben. Der Asterisk* (das Sternchen „*“) am Ende der Abkürzung dient als Platzhalter zur Inklusion (Einbeziehung) von allen nicht-binären Geschlechtsidentitäten.

Das lateinische Präfix „cis-„ (auf dieser Seite, diesseits, binnen, innerhalb) bildet das Antonym also Gegenteil von trans- (über-, hinüber-, durch-, hindurch-). „Cis“ und Begriffe wie „cisgender“, wurden von der trans*-Bewegung eingeführt, um trans* nicht immer als die Abweichung von der Norm zu definieren.

Quelle FLTI*/Cis: Sauer, Arn (2018): LSBTIQ-Lexikon. Grundständig überarbeitete Lizenzausgabe des Glossars des Netzwerkes Trans*Inter*Sektionalität.

 

Finally, könnte man denken. Denn die Idee dazu schwelt schon ein Jahr. Mit einem Organisationsteam und den passenden Anträgen bei verschiedenen Förder*innen hat es nun geklappt und das Workshop-Programm für das Jahr 2019 steht: Regelmäßige Treffen zum Austausch, One-on-One-Mentoring und ein mehrmonatiges Angebot für Anfänger*innen.

Jeden zweiten Dienstag im Monat wird die FLTI* AUG also das Institut fuer Zukunft auf Trakt I belegen. Der bisherige Workshop wird weiterhin am letzten Dienstag des Monats stattfinden.

Dass sich die Termine nicht überkreuzen, war den Macher*innen des FLTI*-Workshops von Anfang an wichtig: „Wir sind keine Konkurrenz-Workshops. Natürlich sind wir stark verquickt, stellen aber ein wichtiges Zusatzangebot dar. Wir haben für uns den Begriff Arbeitsgruppe gewählt – denn am besten besuchen unsere Teilnehmenden auch den ‚großen‘ Workshop. Trotzdem ist es wichtig, dass wir einen intimen Rahmen für FLTI*-Personen schaffen und so einen zusätzlichen Raum einnehmen können“, erklären sie.

„Wir haben bisher das Feedback bekommen, dass es gerade für Einsteiger*innen angenehm ist, keinem so großen Publikum und damit nicht so vielen Ohren ausgesetzt zu sein. So kommt es dann auch viel leichter zum Austausch, was super ist.“

Die Teilnehmenden helfen sich damit selbstverständlich und ganz easy untereinander, was den vier Organizer*innen bei bisher 15-20 Personen nicht nur einiges an Arbeit abnimmt, sondern auch für die einzelnen Produzierenden einen Mehrwert darstellt. Dazu kommt das Mentoring-Angebot, bei dem ein intensives One-on-One-Training im Tandem-Style aufgezogen wird.

 

Kein Tropfen auf den heißen Stein

Die FLTI*-Group ist für die Organizer*innen nicht nur Fun (was es natürlich auch ist!), sondern auch ein Engagement im politischen Sinne. Ihr Angebot richtet sich bewusst an FLTI*-Personen, also an Frauen*Inter*Trans und non-binäre Menschen.

Warum? Ganz einfach: Das Problem struktureller Benachteiligung von FLTI* und mehrfach benachteiligter Menschen (People of Color oder Menschen mit Beeinträchtigung_en) zeigt sich in fehlenden Angeboten, weniger oder fehlender Sichtbarkeit im Vergleich zu (Cis-)Männern und nicht zuletzt in Diskriminierung, wenn es zum Booking oder der Auswahl für Releases kommt.

„Unser Empowerment und Support soll das Bild des (cis-)männlichen Produzierenden aufbrechen.

Wir wollen mit unseren Treffen kein Tropfen auf den heißen Stein sein. Es sollen spürbare Veränderungen angestoßen werden.“

Und dass sie mit ihrer Idee und ihrem Konzept einen Nerv in Leipzigs Subkultur treffen, zeigt sich (unter anderem) am Zulauf der Gruppe. Aus zwei-drei regelmäßigen Besucher*innen wurden schnell 15-20 Interessierte.

Während sich in der bisherigen Gruppe ein Fokus auf Techno ergeben hat, treffen in der FLTI*-Gruppe unterschiedlichste Genres zusammen: Hip Hop-, Trance- oder Deep House-Tracks wurden bisher bei den Treffen abgehört. Natürlich sind auch Techno-Produzierende vertreten.

Die gestellten Förderanträge wurden mittlerweile bewilligt – as I said, das Thema trifft einen Nerv. Mit diesem finanziellen Rückhalt kann es im April mit der ersten aufwändige(re)n Workshop-Reihe losgehen, die sich an Anfänger*innen richtet. Leiten wird die Einsteiger*innen-Workshops, die über fünf Monate angelegt sind, Ableton-Trainer*in SupaKC.

Übrigens: Die Workshops (beider Gruppen) sind kostenlos!

Wer jetzt Blut geleckt hat und auch mit dem Produzieren elektronischer Musik anfangen möchte oder auch schon den ein oder anderen Track auf der Festplatte rumschwirren hat und Feedback oder Tipps dazu einsammeln möchte – das Programm der FLTI*-AUG lest ihr en détail hier:

9. April 2019: FLTI* AUG – Anfänger*innen Workshop mit SupaKC (Teil I) 

Die Macher*innen erklären dazu: „In der ersten zweistündigen Session wird KC uns mit der Oberfläche vertraut machen, damit wir uns zurechtfinden: wie richte ich alles ein, damit ich mit dem Produzieren anfangen kann?  Was muss ich bei den Einstellungen beachten? Was gibt es überhaupt für unterschiedliche Elemente und Ansichten?  Falls nach dem Workshop noch Lust und Kapazität da ist, können wir unsere Tracks abhören und uns austauschen.“

Die FLTI* AUG wird gefördert von Ableton und der Strategie „Leipzig. Ort der Vielfalt“ (Stadt Leipzig). 

Artwork von Stefanie Wittrisch / Foto von SupaKC.

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