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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Brüder im Geiste

20. Dezember 2010 / Kommentare (0)

Kurz vor Ende des Jahres kommen noch einmal zwei Platten heraus, die sich klanglich und personell nahe stehen. Und die noch einmal viel roughe Melancholie hervor holen. Die Rede ist von Kassem Mosse und Mix Mup.

Als ob es abgesprochen war, dass die neuen EPs der beiden fast zeitgleich erscheinen. Denn wenn es nach ihrem Sound geht, dann sind Mix Mup und Kassem Mosse definitiv Brüder im Geiste. Bei der letzten Kann/Mikrodisko-Platte hatten beide denn auch zusammen einen Track produziert. Und das Avantgarde-Projekt Chilling The Do ist auch ein gemeinsames Projekt der beiden.

Für Kassem Mosse dürfte es ein aufregendes Jahr gewesen sein. Zwei neue EPs, Tracks bei Laid, dem Mikrodisko-Beitrag mit Mix Mup und nicht zuletzt eine gemeinsame Edit-Session mit Omar S in Berlin, der von Kassem Mosses 2008 veröffentlichten Track „578“ so begeistert war, dass er ihn noch einmal als in zwei neuen Edits herausbrachte.

Besonders in Großbritannien entsteht gerade ein kleiner Kassem Mosse-Hype, auch wenn seine Auftritte ihn mittlerweile an ganz verschiedene Ort von Europa bringen. Und dann auch noch Resident Advisor: Sowohl die Edits als auch die Laid-Platte tauchen in den Top 20 der fünfzig besten Tracks des Jahres auf. Auf seiner Facebook-Seite kündigt Kassem Mosse kürzlich noch zwei weitere Platten auf Nonplus und Workshop für das nächste Jahr an – dann soll es kleine Pause geben.

Schon erstaunlich, wie sehr Kassem Mosse gerade den Nerv zwischen House und Dubstep im weitesten Sinne trifft. Seine aktuelle EP auf dem italienischen Label Kinda Soul Recordings setzt auch da an, tief eingebettet in dem ihm so klar zurechenbaren Klang. „2D“ auf der A-Seite ist der geradere Track, langsam voranschwebend, mit angerauten, aber schwelgerischen Synthesizer-Sounds.

Das tolle an Kassem Mosses Stücken ist immer wieder das Unmittelbare, das Gefühl, dass seine Maschinen auch ein gewisses Eigenleben führen und er es versteht im richtigen Moment loszulassen. Da wird nicht alles glatt gebügelt.

Und immer wieder auch die gedrosselte Euphorie: gerade „Demo Drums Ripping Demos“ könnte eigentlich ein amtlicher Techno-Track sein. Aber bei Kassem Mosse wird ein stiller, introvertierter Koloss draus. Einer, dem es fernliegt, irgendeinen Club zur besten Zeit zu rocken. „Thalassocalyce“ ist dann noch eine Reminiszenz an Detroit und dessen Electro – gedrosselt und voller Melancholie versteht sich.

Mix-Mup-Spunky-TakeAuch für Spunky Monkey Records war 2010 ein gutes Jahr, zumindest wenn man auf die Release-Dichte schaut. Drei Platten kamen heraus, darunter die wunderbare Orange Dot-EP. Nun erweitert sich das Netzwerk auch um Mix Mup, der ebenso irgendwie bei Mikrodisko beheimatet ist.
Sein Sound ist ähnlich dem von Kassem Mosse, was das Roughe und die Unmittelbarkeit angeht. Allerdings ist Mix Mup noch etwas stärker einem spielerischen Appeal verbunden, quasi einem musikalischen Augenzwinkern.

Seine Spunky Monkey-EP lässt sich in erster Linie auf House ein. „Spunky Taste 1“ kokettiert mit einer glamourösen Lässigkeit, ohne dass es in den Klamauk abrutscht. Obwohl die Arrangements und Sounds teilweise sehr hölzern gesetzt sind.

„Alright“ ist da anfangs zurückhaltender und in sich verspulter. Später öffnet der Track dann förmlich einen Spalt zur Sonne. Eine helle Synthesizer-Harmonie bricht durch wie helles Licht – und verschwindet dann wieder. Der Beat rauscht unbeirrt die ganze Zeit durch. Nur kurz wird er gebrochen in der zweiten Hälfte.

Von beiden Stücken gibt es übrigens einminütige Bonus-Versionen, kurze Ambient-Ausflüge sind das. Insgesamt ist diese EP aber weitaus schlüssiger als die Mikrodisko-EP. Und Spunky Monkey beweist weiterhin ein offenes Herz, das sich nicht auf Genre-Grenzen einlassen mag.

Kassem Mosse Facebook
Mix Mup Website
Kinda Soul Recordings Myspace
Spunky Monkey Website
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