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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Sven Tasnadi „Slow“ (Oh!Yeah! Music)

21. Juni 2013 / Kommentare (0)

Dass Sven Tasnadi sich schwer auf einen Sound festlegen lässt, ist nicht neu. Dass sein Debüt-Album nun aber Electronica einschlägt, ist doch eine große Überraschung.

„Slow“ heißt es. Nicht nur, weil die Stücke sich in fast kontemplativer Langsamkeit entfalten. Sven Tasnadi schätzt sich auch selbst als langsamen Menschen ein. Seinen DJ-Sets und den zahlreichen Club-EPs war dies jedoch bislang nicht unbedingt anzuhören. Auch die Experimentierfreude in Sven Tasnadi nicht. Bei „Slow“ tritt sie nun in geballter Form hervor.

Und auch wenn die unbedarfte Faszination für Electronica ihren Zenit schon viele Jahre hinter sich hat, so wirkt dieser Sound im Kontext von Sven Tasnadis voller Diskografie wie ein helles Leuchten. Intim, in stiller Einsamkeit neue Grenzen auslotend – hier liegt die Stärke von „Slow“. Natürlich in den Stücken an sich, die zwar nicht unbedingt Neuland für das Genre erobern, ihm aber einige wohl proportionierte Momente hinzufügen.

Zwischen wohligem Ambient und rougher Dissonanz tobt sich Sven Tasnadi aus. Und in einem dubbigen HipHop-Stück – „Where Eva“ ist das wahrscheinlich unwirklichste Stück des ganzen Albums. Die schwingenden und brüchig-dubbigen Tracks sind mir am liebsten. Tiefes Reingraben mit „Piece Of Hope“, „Entry Point“ und „Nautilus“. Was Sven Tasnadi selbst zum „Slow“ bewog, erzählt er am besten selbst.

Eine Electronica-Platte als Album-Debüt – wie kam es dazu?

Ich hatte eigentlich immer vor, ein Album zu machen, das in der Stilistik sehr breit aufgestellt ist. Nur habe ich aber festgestellt, dass es nahezu unmöglich ist, einen roten Faden hinzubekommen, ohne das es beim Anhören zu unharmonischen Sprüngen kommt. Es ist schwierig alle Einflüsse auf einem einzigen Album unterzubringen.

Was war der Ausweg?

Das ganze Stück für Stück anzugehen. Ich möchte noch sehr lange Musik machen und hoffe mir bleibt noch genug Zeit, um ein paar weitere Alben zu produzieren, auf denen ich mich auch anderen Themen widmen kann.

Das Electronica-Album entstand aus verschiedenen Gesichtspunkten: ich habe  in den letzten sehr Jahren ausschließlich dancefloor-orientierte EPs gemacht, die eher dem DJ in mir entsprechen. Ich fand es aber an der Zeit zu zeigen, was ich noch alles mache. In meiner Brust schlagen zwei Herzen – der DJ und der Künstler. Und „Slow“ ist dem Künstler gewidmet.

Hörst du selbst viel Electronica?

Von Zeit zu Zeit, ja. Kommt immer darauf an, wie ich mich gerade fühle. Das hat sich aber auch sehr verstärkt, seit ich mit Stefan – Juno6 – und Daniel Stefanik befreundet bin. Daneben hat mich aber auch Future Sound of London schon sehr früh beeinflusst, genauso wie Aphex Twin, Plaid oder Boards Of Canada.

In welcher Zeitspanne sind die Stücke entstanden?

Ich glaube, dass älteste Stück ist drei Jahre alt. Die Stücke sind immer dann entstanden, wenn ich neue Geräte oder Techniken ausprobiert habe. Da gehe ich am unbefangensten an Musik heran. Ohne irgendeine Richtung. Das mache ich meist auch, wenn ich den Kopf von den Dancefloor Produktionen frei haben möchte.

Wo kommen die Raps bei „Where Eva“ her – hattest du Besuch im Studio?

Nein. Die Vocals habe ich beim Vinyl-Stöbern in einem Second Hand-Plattenladen gefunden. Sie sind eigentlich ein Acappela. Leider gibt es keinerlei Möglichkeit, das Label oder den Artist ausfindig zu machen. Die Platte ist von 1997.

Vermutlich gibt es heute weder den Act noch das Label. Wir haben auf der CD-Version aber einen Hinweis gedruckt für den Fall das der Artist davon erfährt. Er kann dann mit uns Kontakt auf nehmen.

Die Track-Titel an sich wirken deutlich persönlicher, verbergen sich hinter den Stücken für dich konkrete Geschichten?

Ja schon. Eigentlich gibt es zu jedem Stück etwas zu erzählen. Bei „Daniel The Painter“ ist zum Beispiel der Noise-Rhythmus eine Aufnahme von Daniel beim Malern seiner Wohnung vor einigen Jahren.

„A Piece Of Hope“ entstand nachdem ich in der Distillery gespielt hatte. Ich war erst gegen Mittag zuhause und war zu wach zum Schlafen und zu müde, um etwas zu unternehmen. Da wollte ich diese Stimmung nutzen, um zu schauen, was dabei herauskommt.

„Thank You“ ist stark von Plaids letztem Album beeinflusst. Es ist in meinen Ohren ein sehr positives Stück und ich habe es meiner Familie gewidmet. Immerhin hatte ich das Glück einer sorglosen Kindheit. Und dafür wollte ich mich einfach mal bedanken.

Und noch was zu „Build 78“. Das ist ein Stück über mein Geburtsjahr, gewidmet den Synthie-Pionieren der Siebziger und inspiriert durch Sensual.

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