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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Abhängen mit Holger

24. Oktober 2013 / Kommentare (1)

Es gilt ein neues Label in die Liste aufzunehmen. Ein besonderes sogar. Wir dürfen vorstellen: Holger Records.

Wer genau hinhörte, konnte schon ein paar Dinge über Holger erhaschen. Ein neues Label, Steffen Bennemann dabei, auch Webermichelson. Im Elipamanoke und dem Hamburger Pudel fanden in diesem Jahr schon erste Holger-Abende statt. Da ging es um mehr als Rave. Und dies gilt auch für das Label, das mehr eine Familie darstellt als ein klassisch aufgezogenes Unternehmen zum Veröffentlichen von Platten.

Wer alles dahinter steht, erklärt Steffen Bennemann weiter unten selbst. An diesem Montag erschien nun die erste EP von Holger Records. Margot haben vier Stücke beigesteuert, die schnell aufzeigen, dass dieses Label zwischen Dancefloor und Experimentierfeld keine Widersprüche sieht – ähnlich wie Doumen also.

Auf der Nachtdigital-Platte von 2012 waren Margot bereits zu hören. Und auf zahlreichen weiteren EPs. Für „Trentaseitrenta“ tauchen die beiden Italiener noch tiefer in die Randbereiche eines melodisch ausschweifenden, kraut-inspirierten Sounds ein. Bis hin zum Pop: der Titel-Track trägt zweifellos ein nicht zu überhörendes Hit-Potential in sich, inklusive fern hallender Vocals.

Er schillert um so mehr gegenüber den offener gehaltenen weiteren Stücken. Gerade „Tristamente“ und „Primidue“ nehmen sich rhythmisch und klanglich eine Menge Freiheiten, die weit mehr Aufmerksamkeit verlangen. „Yes I Noise“ zelebriert hingegen Margots Hang zum abwegig-sperrigen Synth-Rave. Eine mutige Platte und vermutlich eben deshalb so einnehmend. Daran glaubt auch Kompakt, die den Vertrieb übernehmen. Mehr zum Label-Hintergrund erklärt Steffen Bennemann.Wer ist Holger?

„Zu Holger gehören aktuell Sven und Philipp von Webermichelson, Lianne (Visuals), Timoka (Musiker und Künstler), Reymund (Grafiker), Aggelos (Musiker), Pepe & Giaga (Margot) sowie mein Bruder Jan und ich. The real Holger ist unser Vater – also Jans und meiner. Von ihm haben wir den Namen geklaut, weil wir den toll finden und es einfach auch am besten gepasst hat mit unserer Familienidee dahinter.“

Wo wollt ihr vom Sound her hin?

„Tendenziell eher freie, offene Musik in denen Synthesizer eine sehr prominente Rolle spielen – beziehungsweise bei Webermichelson die Gitarre, die Philipp mit seinen ganzen Effekten jedoch fast synthie-like spielt. Die Bezeichnung „experimentell“ wird heute fast inflationär gebraucht, wenn mal jemand seine Tracks komisch abmischt oder keine gerade Bassdrum verwendet.

Bei uns haben sich jedoch Leute zusammengefunden, die in ihrer Musik und ihren Visuals und Grafiken tatsächlich recht frei agieren bzw. „experimentell“ als Kategorie gar nicht für sich selbst anlegen würden. Sie machen einfach, was sie halt so machen. Musikalisch gibt es zwar immer auch irgendwie einen Bezug zum Club, allerdings ist das eher ein sich zufällig einstellender Nebeneffekt und nicht die primäre Intention.

Uns interessiert auch sehr die Verbindung von Sound und Visuals – vom Artwork der Platten über Live-Auftritte bis zu Projekten bei denen von Anfang an Musik und Bilder zusammen gedacht werden. Klingt vielleicht alles ein bisschen abgehoben und so gewollt oberschlau – darum geht’s uns aber gar nicht. Man könnte auch einfach sagen: Wir haben Bock auf geilen Sound, abgefahrenen Konzept-Scheiß und möglichst viel gemeinsam abhängen.“Die Italiener Margot zum Start, danach ein Schweizer Musiker – ist die Ausrichtung internationaler oder wer ist aus Leipzig demnächst mit im Boot?

„Die Ausrichtung war nicht bewusst international. Das hat sich alles so ergeben. Margot und Aggelos haben wir über die Musik kennengelernt und da hat sich wieder mal bestätigt: Leute, deren Musik man sehr schätzt, mit denen ist man auch persönlich auf einer Wellenlänge.

Ich hatte schon einige Jahre eher lose Kontakt mit Margot und Aggelos. Hauptsächlich über das Internet. Als dann klar war, dass wir ein Label starten, haben sie uns sofort Musik geschickt, die einfach perfekt zu uns passt. Alles ohne Verträge und Aussicht auf großen Reichtum, was auch ein ungeheurer Vertrauensvorschuss für uns ist. Aber es war auch von Anfang an klar, dass wir es nur so machen können und wollen.

Die Wurzel des Ganzen liegt jedoch tatsächlich in Leipzig: Ich war von Anfang an Fan von Webermichelson. Schon als ich sie das erste Mal beim Frequenzcamp gehört hatte. Damals nannten sie sich noch „Rocket Science“. Und nachdem ich sie dann zum dritten Mal live erlebt hatte bin ich zu ihnen hin und habe gesagt: ‘Leute, wir müssen zusammen ein Label starten‘.

Über sie haben wir dann Benjamin (Timoka) und Lianne kennengelernt. Benjamin hat damals noch in Leipzig gewohnt und über ihn wiederum haben wir Reymund ins Boot geholt. Lianne ist gerade von Amsterdam nach Leipzig gezogen, also haben wir hier auch eine ganz gute lokale Keimzelle in der wir gemeinsam Sachen aushecken können.“

Holger Records Website
Mehr zu Holger Records bei frohfroh

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  • holger. « ambivalenz / 12. April 2014 / um 16:45
    […] http://www.frohfroh.de/10917/abhaengen-mit-holger […]

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