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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Pentatones „Ouroboros“ (Lebensfreude Records)

01. März 2015 / Kommentare (1)

Letzten Freitag ist das neue Album „Ouroboros“ der Teil-Leipziger Pentatones erschienen. Allerdings interessiert sich gerade niemand dafür.

Grund ist ein Video bei Noisey, das Sängerin Delhia de France dabei zeigen soll, wie sie sich angeblich das Key Visual des Albums – ein schwarzer Kreis mitten im Gesicht – tätowieren lässt. Eine durchaus gelungene Idee, um im Internet viral steil zu gehen und es in all die Blogs und Medien zu schaffen, für die ein Thema wie die Pentatones sonst zu wenig Klick-Potential hätte.

Es ist aufgegangen: Einige reichweitenstarke Blogs sind darauf angesprungen, mittlerweile auch große Boulevard-Medien – hinzu kommen all die Kommentargeschwüre bei Facebook. Eine Präsenz, die sich wahrscheinlich jede noch nicht allzu bekannte Band wünscht. Allerdings ist kaum bis gar nicht von dem neuen Album die Rede. Wahrscheinlich reicht es aber, um den Pentatones in den letzten Nestern des Landes etwas Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Spannend ist auf jeden Fall, an einem relativ nahe stehenden Beispiel zu erleben, welche Kraft solch virales Marketing freisetzen kann. Wie sich die Trigger-Welle quer durch den Gossip-Sumpf lostreten lässt. Ob die Pentatones das bloßstellen wollten? Oder es einfach ausnutzen?

Durchaus nachvollziehbar klingt das Statement von Delhia de France im taz-Artikel, dass es „in Deutschland zu wenig Glamour in der Popmusik“ gäbe. Künstlerische Inszenierung über die Musik hinaus gehörte schon immer zu den Pentatones, die Aktion übersteigert sie nun nach den Maßstäben der viralen PR. Man kann das leicht schrecklich doof finden, andererseits grätscht es auch den Bodenständigkeitswahn aus der Spur, dem sich besonders prominente Künstler gern hingeben.

Eigentlich hätte „Ouroboros“ auch ohne dieses Bohei das Zeug für mehr Wahrnehmung gehabt. Denn es ist in seinen Brüchen zwischen Pop, Elektronik, Opulenz, Mystik und ganzheitlicher Inszenierung so überzeugend und selbstbewusst, dass man es nicht einfach links liegen kann.

Blieb das Vorgängeralbum „The Devil’s Hand“ in seiner Vielschichtigkeit stilistisch vage, wurden die Fäden bei „Ouroboros“ enger beisammen gehalten. Es herrscht durchweg eine in sich geschlossene, spannungsgeladene, düstere Atmosphäre, die sich mal mehr mal weniger ätherisch entwickelt. Mit erfreulich kleinteiligen Sounds und subtilen Arrangements. Das Bild der selbstverzehrenden Schlange aus der griechischen Mythologie hinter dem Albumtitel scheint da als konzeptioneller Rahmen nicht unpassend.

Pathos ist seit jeher ein wichtiges Element bei den Pentatones – wie sooft polarisiert es, wirkt gleichermaßen überfordernd und anziehend. So ist es auch bei „Ouroboros“, das an vielen richtigen Stellen berechenbare Momente umwirft und damit eigene Spannungsbögen aufbaut, dann aber ebenso an seiner spirituellen Ernsthaftigkeit schwer trägt.

An verschiedenen Orten seien die Songs in mehreren intensiven Sessions entstanden, heißt es. In Berliner, Amsterdamer und Leipziger Home-Studios, in einer Schwarzwälder Hütte, in den Utrechter Kyteman Studios und nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit dem wunderbaren Robot Koch.

Dessen Einfluss habe ich im Vorfeld auf jeden Fall überschätzt. Tatsächlich hatte ich angenommen, dass durch ihn als Produzent ein Tick mehr rhythmische Freshness reinkommt. Seine Qualitäten bei „Ouroboros“ liegen aber offensichtlich woanders, subtiler eingewoben. Wie auch immer: „Ouroboros“ ist ein gehöriger Sprung für die Pentatones – dramaturgisch, ästhetisch und ja, im Aufbau einer breiten Bekanntheit.

Pentatones Website
Mehr zu Pentatones bei frohfroh

CommentComment

  • besserwisser / 03. März 2015 / um 10:55
    Ist schon krass, dass man es nötig hat einen so großen PR-Quatsch zu machen um etwas mehr Aufmerksamkeit für die Musik zu bekommen. Die Frage ist, ob man nicht sein schon gewonnenen Fans dabei eher verschreckt und ob die Musik die promoted werden soll auch der großen Aufmerksamkeit gerecht wird. Also kann sie das überhaupt leisten. Denn bisher waren die Sachen eher so naja. Schön aber ...naja. Muss das jeder hören?

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