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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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70 x schlechtes Gewissen – Insectorama

16. März 2015 / Kommentare (2)

Es bleibt ein Dilemma mit den Netlabels – sie kommen aus ihrem Schattendasein nicht heraus. Nichtsdestotrotz kann Insectorama nun auf 70 Veröffentlichungen zurückschauen.

Die Erkenntnis ist nicht neu. Bereits vor fünf Jahren gab es einen ähnlichen Satz bei frohfroh zu lesen. Ein Jahr später erklärte Label-Betreiber Markus Masuhr, warum er an dem Konzept festhält, Musik kostenlos über das Internet zur Verfügung zu stellen.

Doch obwohl Insectorama seit fast zehn Jahren zu einem der produktivsten Leipziger Labels gehört, fällt es selbst in solch einem Nischenblog wie diesem hier meist unter dem Radar durch. Besonders absurd: Masuhrs Vinyl- und Tape-Label Pragmat findet mit jeder neuen Veröffentlichung bei frohfroh Erwähnung. Und es zeigt, was für eine vielfach gesteigerte Aufmerksamkeit ein physischer Tonträger nach wie vor genießt, wenn es um das Aussortieren von Themen geht.

Trotzdem komme ich bei Insectorama einfach nicht mit. Dass dort im vergangenen Jahr eine mehrteilige Compilation-Reihe mit Leipziger Beteiligung herauskam – darunter mit Dsant, Simon Sunset und Dwntmpo –, ging spurlos an mir vorbei.

Sicherlich liegt das mangelnde Interesse auch an meiner nachlassenden Faszination für Dub Techno, dem Genre für das Insectorama seit nunmehr 70 Veröffentlichungen steht. Und vielleicht auch daran, dass Markus Masuhr durchaus Pressearbeit für Pragmat betreibt, für Insectorama jedoch offensichtlich nicht. Als Entschuldigungen kann beides nicht herhalten. Nur als Nebenargumente in einer schwammigen Wahrnehmung für alles, was mit Netlabels zu tun hat.

Die Katalognummer 70 ist ebenfalls eine Compilation – „The Dub Moon Man“ heißt sie. Mit sehr verschiedenen Interpretationen des Dub Techno-Sounds. „Manthe Hunthen“ von Markus Masuhr und „Anna“ von Iiney sind mir mit ihrer langsamen Ambient-Tiefe besonders in Erinnerung geblieben.

Auch, weil sie dem klassischen, teils sehr glatten Dub Techno von 7mirror und Mar’yan Kitsenko etwas sperriges entgegensetzen. Auch Simon Sunset ist mit dabei. Klassisch und treibend, poetisch mit Piano-Chords nach hinten heraus.

Diese und alle 69 weiteren EPs und Compilations gibt es zum freien Download auf der Label-Website.

Insectorama Website
Mehr zu Insectorama bei frohfroh

CommentComment

  • Jens / 16. März 2015 / um 21:48
    Hey Parmon,

    hab vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag dazu. "Geld nervt" ist durchaus ein schlüssiges Argument, an der Netlabel-Idee festzuhalten.

    Und ja, es ist sehr viel Musik da draußen. Mittlerweile rase ich mehr über Mixe, Alben und EPs hinweg als dass ich tief eintauche.
  • parmon / 16. März 2015 / um 19:12
    Ach naja, ich würde das gar nicht sooo sehr auf das Netlabel-Phänomen festnageln. Ich empfinde eine immens gesteigerte Auswahl an Musik im Netz generell in den letzten Jahren. Dabei gehen genau so viele Digital-Releases in Shops oder Bandcamp-Releases unter. Die Netlabel-Szene hat nach den Jahren der Selbstdefinierung und der anfänglichen Monopolstellung sehr viel Aufmerksamkeit verloren, weil sie zum einen nichts weiter neu als Phänomen sagen konnte, zum anderen mit den Hypes um Soundcloud und Bandcamp und Mp3-Shops große Alternativen erleben musste und desweiteren in der Vergänglichkeit erleben musste, wie die bekannten Netlabels zum größten Teil verschwunden sind.
    Aber die Netlabel-Szene (wenn man noch von Szene sprechen kann) ist immens vielfältig geworden, allerdings viel viel versteckter und auch weniger vernetzt. Zudem ist der Übergang zu anderen Vertriebsformen oft fließend und damit einhergehend ein Definitionsproblem oder vielleicht sogar eine Definitions-Transformation. Warum nicht mal ein paar Releases verkaufen oder mal ne Platte machen?
    Mit den gesteigerten Möglichkeiten (Mp3-Shops+Aggregatoren z.B.) ist die Auswahlmöglichkeit für Distributionswege auch vergrößert worden. Warum etwas frei anbieten, wenn man auch vier Dollar verlangen kann, es die Leute aber auch frei streamen können? Labels sind dabei nicht mehr sooo wichtig geworden. Die Wahl liegt zuerst bei den Musikern.
    Und Netlabels können, im Gegensatz zu mehr oder weniger (halb-)beruflich betriebenen Indies, auch nicht unbedingt allzu viel Zeit reinstecken. Wer eine Platte macht, der steckt viel Zeit und Geld hinein, der steckt auch schon ziemlich im Hantieren mit Geld drin, das ist schon weiter. Als Netlabel (im originalen Sinn: completely free music) will oder kann man mit Geld eigentlich nicht viel zu tun haben.
    Geld nervt... Steuern, Abrechnungen, Paypal, Gebühren, trallala.

    Also congratulations an Insectorama. War zwar auch lange nicht mehr da, aber werde das gleich mal nachholen. Schön, dass ihr das hier aber immer noch im Auge habt.

    parmon / www.phonocake.org

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