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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Ungeschliffen und ehrlich

15. Juli 2009 / Kommentare (0)

Kassem Mosse ist ein toller Name. Er klingt so ungewöhnlich und vertraut zugleich. Wie seine Tracks, die durch und durch vom Charme analoger Klangerzeuger geprägt sind – egal ob Techno oder Ambient, live oder auf Vinyl.

Der Name taucht schon seit einigen Jahren in Leipzig auf: Kassem Mosse. Als Live-Act und DJ war er des Öfteren zu erleben. Doch so richtig einzuprägen scheint er sich erst jetzt. Denn 2007 war ein Kassem Mosse-Jahr, keine Frage. Wahrscheinlich möchte Gunnar Wendel, der Kopf dahinter, solch einen Satz aber gar nicht hören. Zu bescheiden geht er auf Fragen zu seiner eigenen Musik ein.

Dennoch: im letzten Jahr veröffentlichte er seine zwei ersten Vinyl-EPs, die beide von diversen Szene-Medien sehr wohlwollend aufgenommen wurden – zuletzt belegte Kassem Mosse den ersten Platz der Redaktions-Charts des Berliner Magazins De:Bug. Und das völlig zurecht. Gunnar Wendel bremst die Euphorie: „Das ist immer noch eine Nische.“

Nichtsdestotrotz bringt er als Kassem Mosse einen Techno-Sound hervor, der sich gekonnt aus allen aktuellen Clubfunktionalitäten heraushält, ohne sich deren Grundprinzipien komplett zu verweigern. Etwas Oldschool und ungeschliffen, aber überaus ehrlich wirken die Tracks seiner beiden EPs. In ihrer schwelgerischen, leicht Welt entrückten und futuristischen Art erinnern die Kassem Mosse-Platten an das Techno-Verständnis von Producern aus dem Umfeld des Labelverbundes R.A.N.D. Muzik.

Die klangliche Verbindung kommt nicht von ungefähr. Seit 1996 produziert Gunnar Wendel eigene Techno- und Ambient-Tracks, die R.A.N.D.-Crew kennt er seit 2000. Seine zweite EP erschien schließlich Ende September 2007 auf dem Label Workshop, das Jens Kuhn alias Lowtec als Nachfolger der ehemals vier R.A.N.D.-Labels vom thüringischen Schmalkalden aus betreibt. Nicht weniger prägend für den Stil von Kassem Mosse dürfte auch dessen Equipment sein. Größtenteils entstehen seine Tracks mit Drum Machines, Synthesizern und anderen Klangerzeugern, „Hauptsache alt und idealerweise billig“, betont Wendel.

Der 30-Jährige Freiberufler war lange Zeit bei der Homo Elektrik-Crew aktiv und gründete neben anderen Mitstreitern das daraus hervorgegangene Label Mikrodisko. Sich als Musiker ins Rampenlicht zu drängeln, liegt ihm fern – nicht einmal klassische Pressebilder von ihm gibt es. Plattenveröffentlichungen und Auftritte ergeben sich, oder sie ergeben sich eben nicht.
„Wenn es Anfragen gibt, lehne ich die nicht ab. Aber ich bemühe mich auch nicht darum. Es ist für mich generell angenehmer nicht von Musik leben zu müssen“, beschreibt Wendel sein Leben als Kassem Mosse.

Musikmachen als nur eine vielen Tätigkeiten in der Hobby-Liste? Keineswegs: „Es ist Teil meines Lebens. Es gehört einfach dazu, ich mache Musik und Tapes seit meiner Kindheit“, meint Wendel dazu. In gewisser Art lebt in dieser Herangehensweise die Underground-Attitüde wieder auf. Musik steht groß im Fokus, doch einen Karriere-Plan gibt es nicht. Möglicherweise sind gerade solche Stücke anziehender, weil sie ohne den Druck des Musikmarktes entstehen und dementsprechend unbeschwerter und unverkrampfter ausfallen.

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