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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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15. Januar 2016 / Kommentare (3)

Es gab einige interessante Porträts und Interviews zu Leipziger Akteuren in anderen Medien. Hier ein Überblick.

Gleich mehrmals fiel der Fokus auf das Institut für Zukunft, dem in der Außenperspektive nach wie vor ein besonderes Interesse entgegengebracht wird. Beim Vice-Ableger für elektronische Musik Thump gab es kürzlich ein Interview, in dem die Anfänge und die konzeptionellen Basics des Clubs beleuchtet wurden: „Es ist am Ende ein guter Mittelweg geworden. Was die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen angeht, haben wir jetzt eine klare Entscheidungsstruktur: Das macht das Büro, aber es wird den einzelnen AGs Entscheidungsgewalt gegeben.“

Zuvor besuchte der Autor Nic Tuohey des britischen Download-Shops Junodownload Leipzig und sprach mit einigen IfZ-Aktiven. Am Ende resümiert Tuohey „Leipzig and IfZ’s energy and determination to create something, a vision, is still evident, and left me feeling optimistic about the future, that’s for sure.“

Unter dem unnötig reißerischen Titel „Future Sound Of Leipzig: Inside Germany’s best club“ nimmt auch das Electronic Beats-Online-Magazin in den Blick – in einer fünfteiligen Serie. Aktuell sind zwei Teile veröffentlicht, zuletzt ein Beitrag über Solaris, Resident und Bookerin: „We try to have a balanced ratio of males and females on our lineups. When we started doing this, it seemed to be hard to find ‘enough’ female artists—especially in techno. But I was wrong; there’s a lot of good female acts, but sometimes they’re not promoted that well. It takes more effort to find them sometimes.“

Rose Mardit besuchte ebenfalls für Junodownload Mix Mup auf einen Nachmittag im August und veröffentlichte später im November ein langes Porträt über ihn. Darin zahlreiche Einblicke in seinen bisherigen künstlerischen Werdegang und auch ein paar Statements zur Kultur der elektronischen Musik: „There’s so much music out there – the availability is incredible – so when a DJ is playing and there’s a tune that is not really comfortable for people, or it’s not really their thing, they go off the dancefloor right away to have a drink. Nobody’s waiting and thinking, ‘OK, why is he doing this?’“

Im Januar führte die Taz ein Gespräch mit ihm: „Es gibt in Leipzig einen gewissen Luxus der Geschwindigkeit. Der Puls im Alltag geht langsamer, ich kann daher in Ruhe arbeiten. Das ist nichts, was sich erkennbar sofort in meinem Sound niederschlägt, aber es erlaubt mir eben, mir mehr Zeit zu lassen. Niemand verlangt etwas von mir, es klopft nicht ständig an meine Studiotür.“

Nebenbei wird der konzeptionelle Hintergrund zu seinem Molto-Album noch einmal deutlicher – es ist eine Hommage an Library Music. Noch stärker aber sein Schluss: „Meine Aufgabe ist es, weltoffene Musik zu machen. Der Rechtsradikalismus im Osten lähmt, davon werde ich mich aber nicht beeindrucken lassen. Leipzig und seine gegenkulturellen Orte stellen sicher, dass es kein zweites Dresden gibt.“

Und auch Mix Mups Bookerin Nadine Moser alias Resom wurde von Resident Advisor in sehr ausführlicher und persönlicher Weise in ihrer alten Heimat Leipzig porträtiert. Mit ihren musikalischen und subkulturellen Sozialisationen und Engagements sowie ihrem nun stärkeren Fokus auf das Auflegen: „It’s not about the quality—the quality of life in Leipzig is superb. But what I was missing was the quantity of things, the diversity. I missed speaking English, I missed meeting people from all around the world. I missed the cultural exchange.“

Was gab es noch? Es kann gern in den Kommentaren ergänzt werden.

CommentComment

  • Seffen / 18. Januar 2016 / um 11:52
    Ich ordne diese Aussagen dem Umfeld ein, in dem er sich bewegt und artikuliert. Die TAZ gibt ja den Gesamtkontext in welchem das gesagt wurde leider nicht her, legt ihm die Worte eher in den Mund. Deshalb finde ich den Artikel auch nicht besonders gelungen. Bzw. ist es halt mehr ein Künstlerporträt, dass den Künstler so darstellt wie ihn der Schreiber sieht. Ob das auch Mix Mup selbst von sich so sagen oder sehen würde weiß ich nicht. Bisher hab ich aber nicht gelesen dass er diesen Artikel scheiße findet.
    Also ordne ich das dort wiedergegeben ein und frage ich, warum man sich von Dresden so abgrenzen muss und damit ja quasi auch eine sehr intelligente und offene Musikkultur dieser Stadt ebenfalls abstempelt bzw. als nicht existent darstellt. Das ist aus meiner Sicht sogar nahezu arrogant und auch weltfremd. Also das ziemliche Gegenteil von weltoffen.
    Der Autor nimmt ja Bezug auf das Album und die Weltoffenheit die mit diesem release einhergehen sollen. Ich erkenne hier aber keine Weltoffenheit, auch nicht auf der musikalischen Ebene. Ich denke da verbinden andere Künstler Welten gewagter und auch konsequenter. Das ist ein schönes Label das man sich anstecken kann und welches man im Geiste sogar verfolgt, aber in dem ALbum spiegelt sich das mMn kaum bis gar icht wieder.

    Und was die AI angeht. Die nicht allzu geringe Gage haben sie trotzdem eingesackt, und der Booker ist allen sehr gut bekannt. Vor allem resom wusste sehr genau mit wem sie es zu tun hat und hätte ganz andere Möglichkeiten gehabt das zu thematisieren. Da stellt sich jemand hin und nutzt seinen Einfluss auf das Programm vor Ort, verschafft den lokalen DJs und Produzenten eine große lokale mit üppigen Gagen welche in Leipzig sonst nie gezahlt werden (können) und dann piss ich die Person auch noch öffentlich an. WO landen wir denn da bitte? Zumal das diesjährige Line Up nicht aus dem Druck des letzten jahres erfolgte ... Wer die Person hinter dem Booking kennt und vielleicht auch ein paar weitere Aspekte in betrachtet die ein Booking beeinflussen, wird schnell feststellen dass dieses Line Up ne logische Konsequenz war aus versch. Faktoren, aber ganz sicher nur sehr minimal,wenn überhaupt aus dem Druck des letzten Jahres (zumal die Art und Weise wohl auch eher ne gegenteilige Reaktion hervorrufen hätte können).
  • Jens / 18. Januar 2016 / um 10:49
    Hey Seffen,

    ich lese in dem Statement von Mix Mup nicht, dass er sich vom Rechtsradikalismus lähmen lässt, sondern vielmehr ein „davon werde ich mich nicht beeindrucken lassen."

    Und was die Audio Invasion-Geschichte angeht: Ganz unsinnig scheint die Aktion von MM/KM nicht gewesen zu sein. Denn in der 2015er-Ausgabe passten plötzlich mehrere Frauen in das musikalische Konzept – obwohl das laut Audio Invasion der Punkt war, warum die Jahre zuvor weniger Frauen gebucht wurden. Insofern sehe ich da durchaus einen erfolgreichen Impuls, der möglicherweise zu einer Sensibilisierung für das Thema geführt hat.
  • Seffen / 18. Januar 2016 / um 00:08
    Wie klein die Welt von jemanden zu sein scheint, der zwar großartige Musik macht, sich aber von Rechtsradikalismus lähmen lässt ... oh man ey. Die Audioinvasion-Episode war schon n Ding für sich. Aber dieser Satz treibt es echt auf die Spitze. Und wo Molto weltoffen sein soll, würde ich auch gerne unter einem theoretischen, soziokulturellen Kunstaspekt nochmal abgehandelt wissen.
    Sry for being a hater, aber auf dieses überzogene Geschwafel muss man auch mal kontra geben. Da seh ich ganz andere Musiker Welten und Menschen verbinden als irgendsoein Kunstprojekt ...

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