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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Neu entdeckt: The Road Up North

05. März 2016 / Kommentare (2)

Vom Gewandhausorchester zur breakig-flirrenden Electronica – The Road Up North wechselt die Seiten.

Leipzig hat eine durchaus renommierte Musikhochschule. In die elektronische Musikszene der Stadt strahlt davon jedoch nur wenig ab – mit Ausnahme von Niklas Kraft alias Talski und Friederike Bernhardt, die beide dort studierten. Mit Joshua Lutz alias The Road Up North gibt es nun aber einen weiteren Musiker, der noch einmal an einem anderen Sound arbeitet.

Klassisches Schlagwerk studiert der 22-jährige gebürtige Stuttgarter derzeit in Leipzig. Er spielte bereits ein Jahr im Gewandhausorchester, um schließlich die elektronische Musik für sich zu entdecken. Und hier wirkt sich die musikalische Bildung in einer besonderen Weise aus.

Denn für die The Road Up North-Tracks greift er soviel wie möglich auf eigene Einspielungen und Field Recordings zurück – ohne Pre-Set-Librarys. Und er hat keine Lust auf allzu statische Loops: „Meine Musik soll im ständigen Fluss sein. Viele Tracks sind durchkomponiert – da macht sich wahrscheinlich meine Herkunft aus der Klassischen Musik bemerkbar“, erklärt Joshua Lutz.

Zwar gibt es trotzdem repetitive Momente, doch ebenso viele Wendungen, Brechungen und Verformungen. Jeder Track seiner ersten EP „Flora“ ist voller Sound-Details, filigran zusammengesetzt zu drei- bis vierminütigen Power-Tracks. Rhythmisch geerdet zwischen  HipHop, Drum & Bass, Dubstep und Broken Beat. Auf einer Reise durch Südafrika entstanden viele Aufnahmen für die EP, demnächst soll ein Album namens „Higher“ erscheinen, das in Zusammenarbeit für einen Film entstand.

Was wirklich flasht: Die Fülle an Ideen auf kleinem Raum sowie die entwaffnende Offenheit und Herzlichkeit der umher fliegenden Sounds. Dass dies nicht überladen und überhymnisch klingt, macht die ersten The Road Up North-Lebenszeichen noch anziehender. Da wurde bestimmt auch viel aus dem Brainfeeder-Umfeld gehört in den vergangenen Jahren.Die überbordende kreative Energie der „Flora“-EP scheint auch in Joshua Lutz‘ Kopf einiges zu bewirken, liest man sich durch seine Beschreibungen der vier Tracks:

„Mir hat sich während der Produktion zu jedem Track und zum Schluss auch beim Gesamtwerk eine Geschichte eröffnet. In „Baby Flower Learns To Grow“ kann man einem kurzen Dialog zwischen Baby- und Mutter-Blume zuhören. Beinahe schon cineastisch wollte ich darstellen, wie die kleine Blume zu etwas sehr schönem heranwächst – und mit ihr ein ganzer Dschungel, durch welchen wir im zweiten Track flitzen: „Jungle Skating“.

Der Dschungel präsentiert sich hier als wild, groß und groovy. Die Drum & Bass-Einflüsse sind quasi selbstverständlich, da dieser elektronische Stil dem, in Jamaika entstandenen Genre „Jungle“, entstammt. Im tiefsten Teil des Dschungels angekommen, entdeckt der Reisende die „Dreammachine“.

Die geht ab und schickt uns in zwei verschiedene Träume. Der erste ist „Drive Alone“: Ein einzelner Gefangener in einer Drohne, der über unsere Gesellschaft triftet und zusieht wie diese von der Drohne mit Blumen bombardiert wird. Absurd, aber so sind Träume nun mal.

Im zweiten Traum, laufe ich durch einen dunklen Wald, vorbei an Fabelwesen und seltsamen Szenerien. Ich bin mir aber nicht so sicher – wie Alan Watts im Intro einleitet – ob ich und all das um mich herum tatsächlich existiert. Zugleich fühle mich in der ‚Blackness‘ aber trotzdem wohl.“

Auch wenn sich hier konzeptionell doch noch eine überladene Ebene auftut: The Road Up North ist eine unglaubliche Erfrischung und Bereicherung in diesem noch recht jungen Leipziger Elektronikjahr. Bei Bandcamp gibt es auch noch ein paar ältere Tracks zu entdecken.

The Road Up North Facebook / SoundcloudBandcamp

CommentComment

  • Jens / 08. März 2016 / um 09:22
    Cool, wir sind gespannt.
  • Sarah / 07. März 2016 / um 21:07
    Richtig guter Künstler! Wir haben ihn erst vor Kurzem kennengelernt und sind begeistert. Auf unserem Blog gibt's bald ein Interview von ihm zu lesen. :)

    Viele Grüße
    Sarah von Kiss&Tell

    www.kiss-and-tell.de

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