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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Apollo Static x Flowers Of Despair x Video

08. August 2016 / Kommentare (0)

Im nächsten Januar kommt mit „Flowers Of Despair“ das erste Apollo Static-Album heraus. Für das Vorab-Video ging es ins Seniorenheim.

Aber vorher geht’s ins Tapetenwerk. Dort sitzt mir Julian nämlich ab und zu gegenüber. Julian ist Apollo Static und zugleich maßgebender Kopf des Ketzerpop Kollektivs. Er sprach schon länger von einem Video, das mit Benjamin vom Relativ Kollektiv in einem Connewitzer Seniorenheim gedreht werden sollte. In der Hauptrolle: der ehemalige Theater- und Tatort-Schauspieler Dieter Jaßlauk.

Nun ist es fertig und eine überaus gelungene Visualisierung von Apollo Statics wehmütig-augenzwinkerndem Wave-Elektronik-Funk. Denn sowohl die Texte als auch die Musik, seien immer gleichermaßen von einer Dualität geprägt, meint Julian.

Die großen Ambivalenzen des Lebens scheinen ihn immer wieder besonders anzuziehen.

Bei „Flowers Of Despair“ – übrigens auch der Titel des Albums – sucht er nach den hellen Momenten, die ebenso in Gefühlen wie Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder totaler Angst innewohnen können. Denn: „Der point of no return, der dunkelste Punkt, ermöglicht einen neuen Aufbruch. Hier ist das Leben auf das Absolute reduziert, die Hoffnung – dieses völlig sinnlose, irrationale Produkt des tierischen Überlebensinstinkts – entfaltet seine ganze Kraft, weil es sich als das vollständig Gleiche wie die Hoffnungslosigkeit herausstellt. Es ist die Dialektik der Verzweiflung, oder viel platter: jedem Ende wohnt ein Anfang inne.“

Und so entschied sich Julian für ein Seniorenheim als Ort für das „Flowers Of Despair“-Video-Setting. Ziemlich passend, sind das Altern an sich und Seniorenheime im Speziellen oft mit Tristesse, Vereinsamung und Resignation konnotiert. Die ersten Sequenzen des Videos greifen genau jene Klischees in überzeichneter Weise auf: Nach dem Zähneputzen und Anziehen läuft Dieter Jaßlauk allein durch einen tristen Gang zum Speisesaal mit mehreren Einzeltischen. Niemand sitzt hier zusammen beim Essen des wenig ansprechenden Heimfrühstücks. Später spaziert er allein durch den Park und muss beim Friseur  resigniert feststellen, dass das eigene Haarvolumen keine vermeintlichen Haartrends mehr mitmacht. Dass Dieter Jaßlauk zum Schluss im Bewegungsraum mit einer analogen Orgel den „Flowers Of Despair“-Refrain übernimmt und damit eine Seniorentanzrunde animiert, dreht die Tristesse-Medaille dann mit einem simplen Move.

Trostlose Umgebung lebt plötzlich und weird auf – neu ist das nicht, aber in diesem Fall passen Song- und Video-Atmosphäre einfach sehr treffend zusammen. Im Herbst soll es ein weiteres Video geben, Ende Januar 2017 dann das Album.

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