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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Feines aus der Laube – Laubenpiepers Finest

22. August 2016 / Kommentare (0)

House-Deepness auf schwerem Vinyl, mit Siebdruck-Cover und persönlich vorbei gebrachten Promos – das Label Laubenpiepers Finest ist neu in der Stadt.

Leipzig ist ja die Stadt der Schrebergärten, die Kleingartenkultur entstand hier vor rund 200 Jahren – ein eigenes Museum dokumentiert die Geschichte – und noch heute hat die Stadt eine der höchsten Kleingartendichten Deutschlands. Nun ist mein Verhältnis dazu nicht ungetrübt: Auch ich verbrachte meine Kindheit viel in einem Schrebergarten, irgendwann wurde es aber schrecklich langweilig und piefig. Mir ist kein grüner Daumen gewachsen, dafür ein gewaltiges Vorurteil gegenüber Kleingartensiedlungen als Hort von hässlichen Zwergen und konservativen, sonnengegerbten Gärtnern.

Laubenpiepers Finest triggert dies auf ironische Weise an, pflegt mit einer strikten Vinyl Only-Policy auf seine Art auch einen gewissen Konservatismus. Ende 2014 gründete Oliver Bernstein das Label in Dessau. Dort ist er aufgewachsen, seit Mitte der 2000er legt auf und organisierte in der Bauhaus-Stadt kleinere und größere Partys in einer Eckkneipe und am Elbstrand. Mit einigen Partys in der Blauen Perle tauchte der Name Laubenpiepers Finest in den vergangenen Monaten auch in Leipzig immer öfter auf. Ende 2015 zog Oliver hier her und fing an, bei R.A.N.D. Muzik als Schallplattenpresser zu arbeiten.Musikalisch hat er dann aber einen eher unkonventionellen House-Begriff: „House, HipHop, Funk, Downbeat, Genres sind mir egal, irgendwie ist für mich alles House“, meint Oliver.

Und ebenso wie er sich als DJ nicht auf ein Genre beschränken möchte, klingen auch die fünf bisher veröffentlichten Platten von Berliner, Hannoveraner und Dessauer Acts wie Siggatunez, Arsy oder Baumfreund: Da gibt es ruhige Downbeat-Stücke neben klassischem House, Dub-Techno neben HipHop-Skits und – wie im Fall der Arsy-EP auch mal experimentellere und vertracktere Tracks. Eine poetische Deepness und eine omnipräsente Unaufgeregtheit halten alles zusammen, egal wie weit es voneinander entfernt ist.Die Liebhaberei wird auch bei der Cover-Gestaltung deutlich. Von Beatmaker-Held Duktus stammen die Illustrationen, auch er ist ein Ex-Dessauer, den es nach Leipzig verschlagen hat. Und so schließt sich nicht nur lokal der Kreis, auch bei Duktus & Co sind die Genre-Grenzen weniger eng gesetzt. Auf jeden Fall ein guter Neuzugang für die Leipziger Elektronik-Szene, dieser Laubenpieper. Einer, der sogar selbst vorbeikommt und die Platte mit einem Lächeln vorbeibringt.

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