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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Post aus Hamburg

04. Februar 2010 / Kommentare (0)

Lange erwartet und mit einiger Verspätung sind sie vor kurzem endlich eingetroffen – die letzten beiden Ahornfelder-Veröffentlichungen von David Grubbs & F.S. Blumm sowie Semiun.

Ist Ahornfelder für Leipzig und damit für frohfroh noch von Belang? Label-Betreiber Alexander Schubert, selbst als Sinebag dort vertreten, lebt seit einiger Zeit in Hamburg. Das Label hat er natürlich mitgenommen. In Leipzig ist das gleichnamige Festival für experimentelle elektro-akustische Musik aber geblieben. Und das wird es wohl auch vorerst tun, „weil das Publikum hier offen und interessiert ist, und weil es Spaß macht, dieses Festival an diesem Ort zu veranstalten“, so Schubert.

Während sich das Festival erstaunlich weit in die zeitgenössische musikalische Avantgarde wagt, geht das Label zaghafter mit der elektro-akustischen Schnittstelle um – mehr auf Eingängigkeit bedacht und mit einer Reihe auch über die Szene hinaus bekannter Musiker. Eine gemeinsame Platte von David Grubbs und F.S. Blumm ist beispielsweise durchaus ein Highlight. Sie entstand bei einer improvisierten Auftritt im Sommer 2008 – Grubbs an der elektrischen, und Blumm an der akustischen Gitarre, unterstützt von Schlagzeug, Bass und Bassklarinette. In seinem Berliner Studio ergänzte F.S. Blumm diese Aufnahmen mit eigenen Sounds, teilweise dekonstruierte er auch die Originalspuren.

Die vier Stücke stehen aber eigentlich nicht für sich allein – der Untertitel der Platte „Music For Drawings“ deutet es indirekt schon an. Sie sollen die Bildästhetik des Skizzenbuches vertonen, das 2006 auch von Ahornfelder veröffentlicht wurde. Nun also die abstrakten Töne zu jenen abstakten Skizzen. Eine schöne Idee, wenn auch die Verbindung zwischen beiden Medien recht lose erscheint.

Außerdem lag der Post aus Hamburg noch das neue Album von Semuin bei, einem Berliner Electronica-Musiker mit dem bürgerlichen Namen Jochen Briesen. Mit der Band Gaston war er auch zu Gast beim Ahornfelder-Festival.

Mit seinem Solo-Projekt erschien vor fünf Jahren ein Album auf dem US-Electronica-Label Audio Dregs. Das kenne ich jedoch nicht, aber laut Ahornfelder konzentrierte sich Semuin bei „Circles And Elephants“ stärker auf die Komposition. Weniger freies Spiel der Klänge, dafür mehr Dramaturgie.

Und tatsächlich hat es etwas Poppiges, natürlich nur in einem weitgefassten Sinne. Denn das Zusammenspiel aus digitalen und organischen Tönen, Field Recordings und Midi-Chören, aus Schönklang und Dissonanz ist weit vom klassischen Pop-Song entfernt.

An sich sind diese Brückenschlage für Electronica nicht neu, dennoch erscheint Semuin noch eine Spur mehr im Avantgarden verwurzelt. Zu reduziert und schroff sind teilweise die Brüche. Und doch macht es „Circles And Elephants“ eben deshalb auch hörbar. Und Zuhören muss man auf jeden Fall.

Ahornfelder Website
David Grubbs Myspace
F.S. Blumm Website
Semuin Website
Mehr zu Ahornfelder bei frohfroh

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