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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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V.A. „Neue Meister – Live in Berlin“

28. März 2017 / Kommentare (0)

Im Neoclassical-Bereich gab es in den letzten Jahren einigen Austausch zwischen Klassik und Elektronik. Die „Neue Meister“-Reihe widmet sich ebenfalls diesem Spagat. Auf der ersten Werkschau ist mit Fabian Russ auch ein Leipziger Komponist dabei.

Vor zwei Jahren hatten wir Fabian Russ im großen Interview. Mit seinem Sampling greift er die DNA des klassischen Instrumentariums auf, um die mehr oder weniger elektronisch veränderten Texturen wieder mit der originalen Wirkungskraft eines Orchesters zu konfrontieren.

Beim Start der „Neue Meister“-Konzertreihe in Berlin führte er mit dem Deutschen Kammerorchester Berlin und der Sängerin Lydia Brotherton seine ebenso opulente wie filigrane Interpretation des britischen Volkslieds „Black Is The Colour“ auf. In knapp zehn Minuten windet sich das Stück in permanenter Spannung sowie in mehreren Schüben und Wendungen zu einer ganz eigenen Dramatik. Unberechenbar, durchaus pathetisch und überfrachtet, aber irgendwie auch sehr direkt.

Während sich Elektronik und Kammerorchester anfangs abwechseln, durchmischen sich beide Soundwelten zum Schluss hin, zusammengehalten von Brothertons Gesang.

„Black Is The Colour“ ist Anfang März auch auf der ersten Compilation erschienen, die alle Kompositionen der „Neue Meister“-Konzerte vereint. Fabian Russ reiht sich hier ein neben renommierte Musiker und Komponisten wie Henrik Schwarz, Matthew Herbert, Paul Frick von Brandt Brauer Frick sowie Francesco Tristano, die ebenfalls die Soundästhetik und Dramaturgie von elektronischer Musik in einen orchestralen Rahmen integrieren.

Russ scheint jedoch der einzige, der wirklich an einer klanglichen Vermischung interessiert ist. Viele der anderen Musiker übergeben dem Kammerorchester in erster Linie eine Komposition, die mit der Repetivität kokettiert und eine neue Offenheit andeutet. Doch in seiner klanglichen Durchdringung von Orchester und Elektronik und dem weniger auf Gefälligkeit zielenden Ansatz hebt sich „Black Is The Coleur“ erfreulich ab.

Nur Johannes Motschmanns flirrendes Ambient-Schweben und Techno-Aufbäumen kann da anschließen, getoppt von Matthew Herberts „Further“, einem immer beklemmender werdenden Statement zur Flüchtlingskrise. Dass für die „Neuen Meister“ jedoch ein Autohaus und nicht die Philharmonie als Konzertort gewählt wurde, weckt nicht unbedingt die Hoffnung, dass die Neuen Meister auch den großen Rahmen mitprägen könnten.

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