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Autor/-in

Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Zwischengedanke

10. Februar 2010 / Kommentare (4)

Über Musik zu schreiben ist wie zu Architektur zu tanzen. Ein gern vorgehaltener Vorwurf an alle Bemühungen Musik in Worten vorzustellen. Das passiert bei frohfroh bekanntlich auch, insofern ist es nicht uninteressant zu erfahren, dass die Musikkritik selbst immer mehr in die Kritik kommt.

Klar, die Frage ist nicht neu: Warum sollte man Musik mit Worten beschreiben, wenn man sie doch beim Hören eh besser erfahren kann? Warum aber auch nicht? Immerhin steht Musik neben ihrem Klang nicht nur für sich, sondern sie steht im Kontext des Künstlers, des Labels, des Genres, der Herkunft und vielen anderen Parametern. Sie bieten eine Menge Diskussionsstoff. Dennoch scheint die Musikrezension an Attraktivität zu verlieren. Die taz hat dazu am 2. Februar einen interessanten Artikel gebracht: „Das popjournalistische Quartett“.

Darin wird die neue Praxis des Pop-Briefings vorgestellt, wie es die Spex seit Anfang des Jahres praktiziert. Das Prinzip ist adaptiert vom literarischem Quartett, also mehrere Kritiker besprechen in gemeinsamer Runde ein Werk. Bei der Spex passiert das nicht vor laufender Kamera, sondern in einem Intranet. 60 Tage lang wird da eine Platte von mehreren Autoren und Redakteuren diskutiert, das Ergebnis wird dann veröffentlicht.

Das hört sich spannend an, heraus kommt allerdings auch nur eine Rezension – unterteilt in verschiedene Meinungscluster, teilweise aufeinander Bezug nehmend. Ist dieser Diskurs nun spannender als ein in sich geschlossener Text, bei dem mehr oder weniger deutlich die subjektive Sicht des Autors durchschimmert?

Macht das Worte über Musik relevanter? Was sollte eine Musikrezension also bieten: objektive Infos, die Autorenmeinung oder vielleicht nur gesammelte Adjektive, die einem in Verbindung mit der jeweiligen Musik in den Sinn kommen? Die Frage steht, und sie ist ernst gemeint.

Fotocredit: Cloggymaster

CommentComment

  • audite / 14. Februar 2010 / um 23:02
    tja, wirklich schwieriges thema. ich für meinen teil bin froh, dass ich bisher in den meisten fällen musik spielen konnte ohne über sie schreiben zu müssen. ich hätte wohl immer das gefühl nur das falsche zu schreiben.
    als aktiver dj kann ich nur so viel sagen, dass ich mir so gut wie nie rezensionen in musikzeitschriften durchlese. was schon allein daran liegt, dass sie (meine favorisierte musik) konsequent von den gängigen magazinen wie groove oder de:bug ignoriert wird ;) aber selbst wenn, die rezensionen interessieren mich nicht.
    dennoch, grade bei veranstaltungshinweisen bietet es sich schon an das ein oder andere adjektiv zu verwenden um die musik annähernd zu beschreiben. ich glaube man sollte auch nicht mit rezensionen aufhören, weil sie eben dennoch nicht unnütz sind für manche/viele.
    das wichtigste ist eben, dass sich sowohl schreiberling, leser und produzent einig sind, dass worte nur ansatzweise musik beschreiben können und sie niemals 100% erfasst werden kann. das gefühl der musik muss jeder hörer für sich ganz alleine heraus finden, der rezensent kann einem da aber evtl. auf die sprünge helfen.
  • andreas / 11. Februar 2010 / um 19:02
    klar bin ich durch myspace, soundcloud, etc. in der lage, mir jedwede musik - vom heimakrobaten bis zur super-pop-combo - ins wohnzimmer zu holen und mir gefallen zu lassen (oder eben auch nicht). somit sind die meisten von uns in der lage, festzustellen, ob der kauf einer platte/eines mp3-albums lohnenswert wäre.
    die herausforderung ist doch aber, erstmal auf gute sachen aufmerksam zu machen. die sog. "demokratisierung" der kulturproduktion durch digitale medien heißt ja zunächst erstmal überflutung durch inhalte. der rezensent ist dadurch als jemand der ahnung und leidenschaft hat gefragt, die musik "zu vermitteln".
  • fab / 11. Februar 2010 / um 09:29
    ein rezensent, der geschmack hat, dem man vertrauen kann, der zudem noch sprachlich auf der höhe ist und im genre verwurzelt ist, ist mir weiterhin verdammt wichtig, ist einfach wertvoll und mir tausendmal lieber als überintellektualisierte spex-soße.
  • don béne / 10. Februar 2010 / um 23:49
    also ich finde den spex-ansatz recht interessant. kommt natürlich ganz auf die diskutanten an, was am ende dabei herauskommt. aber definitiv zumindest mal ein ansatz zur bekämpfung der rezensionsrezession (lese ehrlich gesagt auch kaum noch welche).

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