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Lucia
Genießt das süße Leben, gute Gesellschaft und natürlich - die Musik. Ob organisch oder elektronisch, drinnen oder draußen. Ansonsten viel lachen, hören und lesen, versuchen zu verstehen. Und nach einer langen Nacht auch einfach mal schlafen.

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Podium: Stirbt die Leipziger Clubkultur?

06. Mai 2019 / Kommentare (0)

Nach den Schließungen verschiedener Clubs, Kneipen und Spätis in den letzten Monaten, insbesondere des 4rooms und So&So, ist die Diskussion um den Erhalt und Schutz von Kulturräumen in Leipzig längst kein Nischenthema mehr.

Die Debatte findet zunehmend in der Öffentlichkeit statt. Im Endeffekt dreht sie sich um die Fragen: Was passiert in der Stadt und wie wird damit umgegangen? Wer verdrängt eigentlich wen und wem gehört die Stadt? Der Begriff der Gentrifizierung, mit dem von allen Seiten um sich geworfen wird, wird immer populärer.

Zurück auf Anfang. An diesem Abend im Peter K., einer Kneipe im Leipziger Osten, wird über die Vergangenheit, Gegenwart und vor allem Zukunft der Leipziger Clubkultur gesprochen. Die sieht nach der Einschätzung verschiedener Akteur*innen der Szene nicht allzu rosig aus, auch wenn es positive Tendenzen gibt. Das Peter K. ist selbst betroffen. Dem Inhaber Marcel Viola wurde Ende März gekündigt.

Leipzig galt lange als das Paradies, die Utopie einer Stadt voller Freiräume.

Die Musik- und Alltagskultur ist längst über die Ländergrenzen hinweg bekannt. Neben einem Kommerzialisierungsdruck oder Lärmbeschwerden gibt es aber verschiedene Gründe, die zur Verdrängung von Clubs beitragen. Es werden Stimmen laut, die stärkeren Schutz seitens der Politik fordern.

Der Kreisverband des Bündnis 90 / Die Grünen lud deshalb jetzt zu einer Podiumsdiskussion ein, um unter anderem darüber zu sprechen, wie die Politik mit den Entwicklungen der letzten Jahre umgehen kann oder will.

Es sprechen Politiker*innen von der Linken, Grünen und FDP, aber auch ein Wissenschaftler, der zur Stadtentwicklung forscht sowie Steffen Kache, einer der Mitgründer der Distillery. Letztlich kommt es dabei allerdings zu tiefgreifenderen Streitigkeiten darüber, welche Rolle Clubs, Kneipen und alternative Räume überhaupt in einer Gesellschaft spielen.

Man ist sich größtenteils zumindest darüber einig, dass die freie Szene in Leipzig eine tragende Rolle spielt, dass sie Leipzig zu einer lebendigen und lebenswerten Stadt macht. René Hobusch spricht in bester FDP-Manier jedoch von mehr Eigenverantwortung der Kulturräume und versteht diese in erster Linie als Wirtschaftsfaktor. Die Risiken, die damit einhergehen, müssten von den Betreiber*innen getragen werden.

Es verwundert wenig: Seine Fraktion hat im Stadtrat Senkungen der Ausgaben für Kultur um 10 Millionen Euro gefordert. Wo die Grenze zwischen schützenswerter und alleinstehender Kultureinrichtung verlaufen soll, wird jedoch nicht klar.

Die Linke und die Grünen sind hingegen der Meinung, dass Clubs deutlich wichtigere Funktionen haben. Sie sind sozio-kulturelle Treffpunkte, wo Herkunft, Aussehen und soziale Zugehörigkeit keine Rolle spielen. Die Musik verbindet.

Anders als die Hochkultur, haben alternative und subkulturelle Projekte viel häufiger eine integrierende Funktion, ermöglichen Teilhabe und Vielfalt.

Elisa Gerbsch von der Linken betont, dass diese Orte immer auch politisieren, sei es nun der düstere Technoclub oder die Kneipe in der Nachbarschaft. Und für die Geschäftsführer*innen steht in erster Linie die Leidenschaft im Vordergrund, nicht die Aussicht auf Profite. Da ist sich Steffen Kache sicher.

Wie so häufig bleiben viele Fragen offen – niemand weiß, ob die Stadt in Zukunft mit Investor*innen und Immobilienunternehmen wie der CG-Gruppe anders umgehen wird.

In der Vergangenheit zeigte sich jedoch bereits, dass in deren Pläne häufig kein Platz für junge Kultur oder lange Nächte ist.

Kache ist zumindest optimistisch, mehr zu erreichen, wenn man gemeinsam und solidarisch kämpft. Und am 26. Mai Unterstützer*innen in den Leipziger Stadtrat wählt.

Foto (1) von Lucia Baumann

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