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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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24/7 – Global Space Odyssey

28. Juli 2010 / Kommentare (0)

Am kommenden Samstag ist es wieder soweit: Die Global Space Odyssey ruft die hiesige Subkultur auf die Straße. Aus diesem Anlass gibt es bei frohfroh ein Interview mit Jan Stern, einem der Organisation der musikalischen Demonstration.

„24/7 – Kultu(h)r tickt anders“ heißt das Motto der diesjährigen Global Space Odyssey. Und es ist quasi zu einem Akronym für unsere Zeit geworden – 24 Stunden, 7 Tage die Woche erreichbar und einsatzfähig sein. Auf diese Beschleunigung und die damit verbundenen kulturellen und gesellschaftlichen Konsequenzen möchte die GSO mit einem Umzug durch Leipzig aufmerksam machen. Natürlich steht auch in diesem Jahr wieder die Gefährdung der subkulturellen Freiräume mit auf der Agenda. Mit Jan Stern, einem der GSO-Organisatoren sprach frohfroh über den Status Quo der lokalen Clubkultur und den Chancen für eine Zusammenarbeit zwischen freier Szene und der Stadt.

Im letzten Jahr gab es Probleme zwischen GSO und Stadt wegen der Abendveranstaltungen. War die Zusammenarbeit in diesem Jahr entspannter?

Da wir letztes Jahr relativ gute Erfahrungen mit dem Werk 2 gemacht haben und letztes Jahr noch nicht abzusehen war, ob z.B. Gieszerstr., DHF oder Superkronik zur Verfügung stehen werden, haben wir uns letztes Jahr schon für die sichere Variante Werk 2 entschieden. Wir hätten zwar gerne auf vier Floors gefeiert, dies war aber leider nicht möglich, dennoch haben wir durch die Halle D einen immensen Raumgewinn gemacht und können dieses Jahr nun zwei gleichwertig große Floors und einen kleinen Floor präsentieren.

Mit der Stadt gab es also diesbezüglich keine Reibungspunkte. Die einzigen Verhandlungen, die etwas länger gedauert haben, waren terminlicher Natur – geplant war eigtenlich der 24.7.. Und die Route musste lange ausgehandelt werden. Durch viele Baustellen und Veranstaltungen musste die Route immer wieder angepasst werden und so können wir dieses Jahr z.B. die Zwischenkundgebung nicht am Augustusplatz abhalten.

Generell habe ich aber das Gefühl, dass die Zusammenarbeit bisher sehr gut verläuft.

Wie schätzt du die aktuelle Lage ein: Ist es heute schwieriger eine alternative Clubkultur in Leipzig mit zu gestalten als vor fünf Jahren?

Die Frage ist für mich schwer zu beantworten, da ich erst seit 2005 in Leipzig wohne. Aber durch mein Umfeld würde ich sagen, dass es vor 10-15 Jahren noch wesentlich mehr Freiräume gab, in denen sich ausgetobt werden konnte. Das lag aber sicher nicht daran, dass die Stadt kulanter war, sondern, nach meiner persönlichen Einschätzung, dass die Stadtverwaltung mit anderen Brennpunkten beschäftigt war.

Heute ist es durch viele Auflagen schwer einen alternativen Clubbetrieb zu starten. Jeder braucht natürlich erstmal Kapital, das meistens nicht vom Himmel fällt. Mit einem kulturellen Angebot, das im besten Falle das eigene Überleben sichert, lassen sich nur schwer Kredite abbezahlen. Zu verständlichen Auflagen, wie Brandschutz oder Fluchtwege, kommen auch so unnütze Auflagen, wie die PKW-Stellplatzproblematik dazu.

Die ist in meinen Augen völlig veraltet und eher auf Großraumdiskotheken anwendbar, als auf kleine Clubs in der Innenstadt, die in der Regel mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können. Durch diese unnötige Regelung entstehen dem angehenden Betreiber Kosten – je nach Größe und Lage des Clubs – die mehrere tausend Euro betragen. Dieses Geld könnte man weitaus sinnvoller investieren und man hätte somit auch schneller seine Konzession und könnte damit eben auch wirtschaften.

Weiß die Stadt Leipzig auf offizieller Ebene ihre Clubkultur zu schätzen?

Da würde ich doch ohne Bedenken „Nein“ sagen, zumindest ist mir noch nichts in der Art aufgefallen. Ein Grund mehr am 31.07. auf die Straße zu gehen und zu zeigen, dass es hier eine lebendige Kultur gibt, die das ganze Jahr über das Leben in Leipzig bereichert.

Wir wollen sicher nicht als Tourismusmagnet ausgebeutet werden, aber bei einer gewissen Zielgruppe fände ich es durchaus sinnvoll mit dieser Kultur zu werben. Eine Akzeptanz würde uns aber wohl erstmal reichen.

Wie kann aus eurer Sicht ein Konsens zwischen kulturellen Freiräumen und städtischer Normierung erreicht werden?

Im Bezug auf Freiflächen haben wir bei der Stadt ein Konzept eingereicht. Darin werden konkrete Vorschläge für mögliche Flächen für Tages- aber auch für Nachtveranstaltungen gemacht. Verwaltet werden könnten diese Flächen durch einen eigens gegründeten Verein, der sich aus Mitgliedern der „Szene“ zusammensetzt, die mit ihren Crews auch gewillt sind, diese Flächen zu bespielen. Der Verein ist somit der Ansprechpartner der Stadt und er würde sich quasi selbst kontrollieren, denn wenn eine Crew sich nicht an Auflagen hält, wie z.B. Müllbeseitigung, fällt es auf den kompletten Verein zurück.

Das Konzept wurde bei der Stadt positiv aufgenommen, allerdings wurden alle vorgeschlagenen Flächen auf Grund mehrerer Paragraphen in Bezug auf Natur- und Anwohnerschutz abgelehnt. Die von der Stadt eingebrachten Vorschläge für Freiflächen mussten nach Prüfung ebenfalls verworfen werden. Derzeit ist man immer noch auf der Suche, was aber viel Zeit benötigt. Der Prozess ist also in Bewegung, ob es tatsächlich Ergebnisse gibt, werden wir sehen. Das Beispiel zeigt zumindest, dass eine Zusammenarbeit zwischen freier Kulturszene und Stadtverwaltung möglich ist.

Global Space Odyssey Website
GSO Facebook

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