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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Überraschung und Scham

22. September 2010 / Kommentare (1)

Ich muss gestehen, dass ich Frankmans Label etwas aus den Augen verloren habe. Dabei hat sich die wackerste Deep House-Adresse von Leipzig noch einmal aufgerappelt und legte in diesem Sommer vier digitale EPs vor.

Es ist schon komisch, es wirkte in der Vergangenheit oft so als sei es um Frankman stiller geworden nach seiner Hochphase um das Album „Different Divides“. Der Blick auf seine Diskografie widerlegt dieses Gefühl jedoch unmissverständlich. Andreas Greiner Jr. ist nur niemand, der laut nach draußen posaunt.

In diesem scheint aber dennoch wieder mehr zu passieren: Allein drei EPs kamen in diesem Jahr schon von ihm heraus. Wobei „Selected Works Vol. 1“ eine dreiteilige Rückschau auf sein Schaffen ist. Drei Tracks aus der Zeit zwischen 2002 und 2007.

Mit „Sunset“ kommt ein neues Stück – ein Zwölf-Minuten-Epos, das ganz behutsam verschiedene Spannungsbögen aufbaut, sich insgesamt aber doch sehr homogen entfaltet. Das ist klassischer, deeper House-Stuff, der aber selbst in der derzeitigen House-Renaissance irgendwie etwas altbacken klingt. Im „Mwua Remixs“ – wahrscheinlich von Frankman selbst – gewinnt das Stück dann überraschend an Dynamik. Allein wie präsent und tight die Bassdrum ausbricht und selbstbewusst den leiernden Synthie-Flächen entgegen tritt. Das ist groß.

Wuttig-Reuter-MarbellaÜberraschend auch die EP „Marbella“ von Wuttig & Reuter. Dort hätte ich die beiden „Kommerzer“ aus dem Shooting Allstars-Umfeld, wie Jan Wuttig neulich sehr sympathisch Selbstironie bewies, nicht erwartet. Hier kommt aber ihre erste richtige eigene EP – bei Ostwind und Mancha Recordings teilten sich die beiden noch die EPs mit anderen.

Die FM-Verbindung ist übrigens schnell offenbart: „All tracks written and produced by Andreas Greiner Jr.“ steht in der Unterzeile. Wuttig & Reuter sind demnach eher die Kuratoren für ihre Tracks. Und da heißt es offensichtlich: Straightere Beats und etwas mehr Rave-Appeal. Eigentlich ziemlich spannend, wie in den zwei Tracks „Marbella“ und „Fuengirola“ zwei Herzen schlagen: Die bekannte Frankman-Deepness, und der Pre-Peaktime-Druck eines DJ-Duos zwischen Tresor, Nachtcafé und Charleston Nischwitz.

Das ist aber weitaus weniger aufgeladen und funktional aufgepimpt, wie man im ersten Moment vermuten würde. Dafür halten die beiden Gegenpole doch ganz gut die Balance. Für FM-Verhältnisse ist diese EP aber doch auch recht straight.

Marvin-Zeyss-HerzVor gut einem Monat erschien schließlich die letzte FM-EP – von dem Nürnberger Marvin Zeyss, der in diesem Jahr mit sechs digitalen EPs gestartet ist. Bei „Herz“ muss ich mich erstmals bei FM wirklich fremd schämen – der ganz leicht angeraute Tech-House-Mix ist okay, aber das Vocal zerrt diesen Track in die Afterhour des ZDF-Fernsehgartens.

Soulig-säuselnde Frauen-Vocals sind ja in House-Tracks ganz generell schwierig. Aber auch noch auf Deutsch? No way! Da hilft auch der Frankman-Remix nichts. Mit „Move On“ versucht es Marvin Zeyss dann noch einmal mit einem Männer-Vocal – auf Englisch. Aber wieder mit diesem unsäglichen Sex-Appeal, der House irgendwann vor zehn Jahren zu belangloser Lounge-Wohlfühlbeschallung hat werden lassen. Da fehlt jeder Crisp. Wuttig & Reuter sind Helden dagegen. Aber eigentlich fehlen mir die Worte, wenn ich an diese EP denke!

FM-Musik Website
Wuttig & Reuter Myspace
Marvin Zeyss Myspace
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CommentComment

  • fred / 22. September 2010 / um 17:22
    Die "herz" ist einfach nur schlecht. Sorry! Und Frankman ist und bleibt leider eine ewige Kopie von sich selbst. Echt schade, dass er sich nicht weiter entwickelt hat. Wir haben nun mal kein 2002 mehr, aber danach klingt das alles nun mal.

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