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Antoinette Blume
Sekt oder Selters, Ambient oder Techno, Leipzig oder Berlin, lieber Lesen oder Schreiben - kein Entweder-oder, sondern alles, gleichzeitig und umgekehrt-nacheinander. Unter www.antoinetteblume.de erfahrt ihr an welchen Orten unsere Autorin liest, ausstellt oder was sie wo installiert.

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S.48-53: Zeichnerin Lisa Merten: „Ich muss damit nicht berühmt werden“

15. November 2019 / Kommentare (0)

Lisa Merten zeichnet. Seit sie einen Stift halten kann. Kunstschule, Jobben, Clubben – und immer wieder das Einfangen von Momenten im Nachtleben, das macht sie aus.

Zeichnungen aus dem Nachtleben

Lisas Frau ist DJ, zusammen verbringen sie zwangsläufig und liebend gern viel Zeit im Nachtleben. Seit 1,5 Jahren leben sie in Leipzig und tauchen regelmäßig in die Nacht ein. Nicht ohne danach selbst aktiv zu werden – sei es als Producerin oder eben als Zeichnerin. 

Szene aus dem Nachtleben

Die beiden kommen zu mir ins Tapetenwerk zum Interview, Lisa zeigt mir ihre Kunstwerke. Ihre Zeichnungen zeigen Einblicke in Räume, in denen das Fotografieren verboten ist. Wie eine Gerichtszeichnerin hält sie die Stimmung, den Vibe und teilweise konkrete Situationen fest. „Im Club ist es meist zu dunkel, um gleich dort vor Ort zu zeichnen. Ich greife meine Ideen dann Zuhause auf, hole die Erinnerungen des Abends wieder hervor und lege los“, sagt sie.

Instamärchen

Einfach losgelegt hat sie auch, als sie Ellen Allien zeichnete und damit einen unverhofften Coup landete. Ihre Frau postete die Zeichnung des Idols der beiden bei Instagram. Besagte Frau Allien reagierte darauf. Und na ja, damit nicht genug – sie verpflichtete Lisa für alle Vinyl-Cover ihres neuen Labels UFO Inc. Klingt nach einem Instamärchen – ist es auch! Nur wahr. 

Ellen Allien

Für frohfroh zeichnete Lisa ihre Lieblingsorte des Nachtlebens in Leipzig. Die düstere Treppe im Institut fuer Zukunft, den Bratwurststand im Hof der Distillery („mit einer der besten Orte dort!“, lacht sie), eine Ecke des So&So (RIP). Die Bilder sind verändert – es sind keine abgezeichneten Fotos, das ginge ja auch gar nicht. Sie übertragen eine Stimmung und sind unfertig, wie sie erklärt: „Ich sitze zwischen 30 Minuten und sechs Stunden an einer Zeichnung. Immer ohne Unterbrechung. Das Bild ist dann fertig, wenn ich ein gutes Gefühl habe – genau deshalb sind sie oft unvollständig oder sehen unfertig aus.“

Zeichnungen für frohfroh

Institut fuer Zukunft – Trakt I

„Das Bild ist dann fertig, wenn ich ein gutes Gefühl habe.“

Distillery
So & So

Für die beiden, ob nun in der Musik oder beim Zeichnen, ist wichtig, dass Menschen von ihrer jeweiligen Kunst berührt werden. Dann hat Kunst eine Bedeutung. „Ich muss damit nicht berühmt werden. Gar nicht. Ich werde definitiv immer zeichnen, denn ich mache es in erster Linie für mich“, sagt Lisa.

Ein Blick hinter die Kulissen

Ihr Projekt ist also keinesfalls abgeschlossen, die beiden planen gerade ein Buchprojekt. Mit noch mehr Illustrationen, Kohle- und Fineliner-Zeichnungen, Geschichten aus dem Musikbusiness – ein Blick hinter die Kulissen des Nachtlebens als eigene Interpretation.

Vielleicht wird auch der ein oder andere Club, ein Open-Air oder ein Pop-Up-Club aus Leipzig Einzug in ihr Buch finden. Ein Porträt von Ellen Allien wird auch dort ganz sicher zu finden sein. Oder das nächste von Lisa gezeichnete Vinyl-Cover.

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