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Antoinette Blume
Sekt oder Selters, Ambient oder Techno, Leipzig oder Berlin, Lesen oder Schreiben - kein Entweder-oder, sondern alles, gleichzeitig und umgekehrt-nacheinander. Unter www.antoinetteblume.de erfahrt ihr an welchen Orten unsere Chefredakteurin liest, ausstellt oder was sie wo installiert.

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Martin Kohlstedt im Gewandhaus in Leipzig: Fusion von Klassik, Chorgesang und Elektro

01. März 2020 / Kommentare (0)

Antoinette Blume traf ihr Idol: Martin Kohlstedt. Der Pianist verbindet Klassik und Elektro und spielt dabei mit dem Rücken zum Publikum. Er versinkt in seiner Musik, die er im Zuge seiner aktuellen „Ströme“-Tour gemeinsam mit dem renommierten Gewandhaus-Chor Leipzig auf die Bühne bringt. Antoinette durfte ihm vor dem Konzert in Leipzig ein paar Fragen stellen.

Martin Kohlstedt. Ich weiß nicht warum, aber der Name klingt unfassbar nach Klassik, Hochkultur. Nach etwas Monumentalem, nicht „einfach“ nur nach Solokünstler. Vielleicht bin ich auch zu geprimet – das kann natürlich sein. Aber als mir meine Mutter schrieb, dass Martin Kohlstedt in Leipzig spielt und sie mir gerne Karten für sein Konzert mit dem Gewandhaus-Chor schenken wollen würde, hatte ich gleich so ein Gefühl, dass es mir gefallen könnte – da ich den Namen per se schon interessant fand. 

Und dann ging es Schlag auf Schlag. Eine kurze YouTube-Google-Instagram-Suche später war ich ziemlich, ach was sage ich, völligst in love und hatte meiner YT-Playlist so gut wie jeden Mittschnitt von Kohlstedt in der Elbphilharmonie in Hamburg hinzugefügt, schaute jedes auffindbare Interview-Video mit ihm (mehrmals!) und ging schließlich auf die Website des Künstlers. Wow, einfach alles wow. The highest level von allem, ohne staubig, starr oder zu klassisch – für meine Ohren – zu sein.

Martin Kohlstedt
Foto von Konrad Schmidt

Ich war schockverliebt in diese Musik, das ist der passendste Begriff. So ging es mir das letzte Mal bei Tinkahs LP Thoughts You Are Not Supposed To Speak Out In Public, die mich ebenfalls vom ersten Hören an berührt hat. Berührend, das ist die Musik von Martin Kohlstedt auch. Nicht im kitschigen Sinne von Tränen-in-den-Augen und Gänsehaut, aber eben doch genau das. Seine Musik ist wie ein Soundtrack, der die intensivsten Momente des bisherigen Lebens zusammenfasst. Sämtliche Gefühle, die man spürt, aber ad-hoc nicht beschreiben kann, ob schlimm oder schön, sind für mich in Martin Kohlstedts Musik enthalten; im Fluss, in der Spannung, in den dronigen Soundteppichen, die das Klavier nicht hergibt, aber ein Synthesizer eben schon. Die leichteste, schwerste, gleichermaßen loslassenste Krönung von allem bisher Dagewesenen – für mich. Ich gehe noch ein Schrittchen weiter, um euch ein Bild zu geben: Man könnte die Musik von Kohlstedt mit dem ersten und schönsten Rausch vergleichen. 

Martin Kohlstedt live in der Elbphilharmonie

Es dürften bis hierhin alle gemerkt haben, dass ich Fan bin. Aber auch Musikjournalistin. Waren meine Themen zwar bisher mehr kulturpolitisch angehaucht, bringt mich die naive, pure Begeisterung über die Musik Kohlstedts tatsächlich dazu, einen sogenannten Nachklapp, also Nachbericht, über das Konzert schreiben zu wollen. Erst ganz schlicht, denn ich gehe ja sowieso zum Konzert. Dann fragte ich – aus Jux! – beim Management des Pianisten an und bekam die Antwort, dass ich doch kurz vor dem Auftritt im Gewandhaus zum Künstler*inneneingang kommen solle und Martin Kohlstedt zum Interview treffen dürfte.

Kurz kaltschweißig, aber vor allem ziemlich aufgeregt trage ich mir das Interview in meinen Kalender ein. Hoch gepokert, tief gestapelt, jetzt kommt’s drauf an – also wie immer eigentlich.

18 Uhr am Hintereingang

Ich war schon öfter mal im Gewandhaus, um genau zu sein drei Mal. Zwei Mal zu Yann Thiersen (wunderschön) und einmal zur Audio-Invasion (ging so). Durch den Hintereingang bin ich noch nie gelaufen. First time. Martin Kohlstedt kommt auf die Minute genau mit etwas zerzausten Haaren um die Ecke gelaufen. Es geht am Empfang vorbei durch lange Flure, die an Schulkorridore erinnern, ins Innere des Gewandhauses und schließlich in eine der Künstler*innengarderoben – alles zack-zack, nebenbei begrüßen ihn schon einige Mitarbeitende. Ein wenig hektisch macht Martin Platz an einem kleinen Tisch.

Foto von Nikta Vahid-Moghtada

Die nächsten 30 Minuten unterhalten wir uns über seine Musik, das Gewandhaus und was es heißt, drei Jahre mit einem Chor ein musikalisches Dauer-Experiment in die größten Konzerthallen in Deutschland zu führen.

Das Interview mit Martin Kohlstedt und den Nachbericht lest ihr hier.

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