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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Werthe und Rituals

01. September 2020 / Kommentare (0)

Heute im Fokus: Zwei neue Releases von zwei Leipziger Labels, die uns die Welt abseits der geraden Bassdrums näherbringen. Und mit starken Werten und Ritualen – um den (etwas bemühten) Dreh zu den EP-Titeln zu bekommen.

Die Rede ist von Yuyay Records und Defrostatica Records. Beide haben kürzlich ihre ersten Releases für das neue Jahrzehnt gedroppt. Und beide könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Yuyay-Betreiber Robyrt Hecht unter seinem Alias Bernhard Y. Riemann ein Mini-Album mit sehr gelungenem Kraut-Ambient herausgebracht hat, erweitert Defrostatica seine internationalen Connections zu einem der wichtigsten europäischen Impulsgeber für Juke und Footwork – BSN Posse und deren Label Iberian Juke.

Ich kannte die beiden noch nicht, aber Defrostatica liefern eine Reihe spannender Informationen zu „Rituals“, der neuen BSS Posse-EP. Sp brachte das Duo mit Soundcloud-Playlists und ersten Releases den hektischen Juke-Sound aus Chicago erstmals nach Europa. Und es entwickelte den Sound weiter, mischte HipHop, Modern Jazz, Jungle und R&B bei.

„Rituals“ klingt wie ein punktgenau durchkomponiertes Best-of. Es beginnt erwartungsvoll und sich langsam steigernd, um dann bei „Burnin Shoes“ mit 160 bpm auf die House-Überholspur zu wechseln. Danach wird erstmal warm gebadet in deep und lang gezogenen Downbeat-Synths – ohne aber an Tempo verlieren. Nur sind BSN Posse hier schon wieder abgebogen und mitten in schönsten Classic-Jungle-Sphären. Am Schluss wird es wieder langsamer, der Halftempo-Track „Magic Portal“ schließt mit Chören und umarmender Bassline den Kreis zum Anfang. Super EP!

Auch Yuyay Records enttäuscht nicht. Robyrt Hecht ist auf „Werthe“ auf Forschungsfahrt zu entlegenen Sound-Gefilden. Ob die noch auf der Erde sind, ist nicht ganz klar. In seinen Tracks verschmelzen Cosmic, Kraut und Ambient. Alles mit analoger Patina und teilweise sogar etwas Pop-Appeal. Etwa bei „Random Walk“, „Constant“ und „Slight Change“, wenn wave-gefärbte Vocals einsetzen. Wow, ich mag den Mix sehr.

Und ich mag auch den versteckt harmonisch-optimistischen Vibe, der in den Tracks steckt. Auch wenn vieles experimentell ist, so klingt das Album durch seine vielen Melodien und die verspielten Sounds nie dystopisch oder anstrengend, sondern vielmehr sehr zugänglich – auf eine gute Weise.

Eine schöne Wiederentdeckung von Yuyay und Robyrt Hecht.

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