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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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„Jugendclub für Erwachsene“

04. November 2010 / Kommentare (0)

Die Distillery ist volljährig. Und ab diesem November auch auf neuen Pfaden unterwegs. Zumindest was den Freitag angeht. Verantwortlich dafür ist Steffen Thieme. Er hat das Konzept zur neuen Reihe „Fenster zum Hof“ entwickelt. Einige Fragen haben wir an ihn gestellt.

Street Art, Tanz, Benefiz und Global Bass. Aber lest selbst.

Wie kam die Idee für eine neue Freitagsreihe in der Distillery?

Wie ja fast allen aufgefallen sein dürfte, lief der Freitag in der Tille die letzten zwei Jahre nicht mehr so rund wie es eigentlich sein sollte. Ich selbst hatte mich vor ca. zwei Jahren mal wieder aus meinem musikalischen Reggae/Dancehall-Kosmos gelöst und mich neuer Musik geöffnet.

Da stellte sich für mich auch die Frage nach einem neuen Party-Konzept, das nicht nur auf 10 Uhr-Türen-auf-und-Musik-an basiert. Ich wollte irgendwie mehr. Da ich mich seit geraumer Zeit für Street Art und auch für Tanz über Breakdance hinaus interessiere, wollte ich diese beiden Elemente bei einer Party mit einfließen lassen. Im Ergebnis entstand so „Mad Again!“.

Das war im Herbst 2009. Wie kam es dann zu „Fenster zum Hof“ ein Jahr später?

Aaron konnte nach dem Sommer aus beruflichen Gründen nicht mehr als Freitags-Booker in der Distillery fungieren. Und so kam es dann dazu, das ich da rein gerutscht bin. Nichts lag näher als die Ideen von „Mad Again!“ aufzugreifen und auszubauen. Denn alles in eine Party zu packen ist aber auch recht schwierig. Gerade um die vielen Neuerungen auch nach außen tragen zu können, musste ein neuer Name und ein neues Aussehen her. In dem Zuge hat sich dann das „Fenster zum Hof“-Konzept entwickelt.

Was konkret habt ihr vor?

Ziel war von vornherein, mehr Interaktion zwischen den Leuten zu schaffen. Ein Club trägt ja auch eine soziale Verantwortung. Die wollten wir aufgreifen und zudem Musik, Grafik und Tanz wieder näher zueinander führen. An der stelle möchte ich mal ein großes Dankeschön an Mario und Christoph sagen. Und viele andere die mich bei der Ideenfindung und den Prozessen in der Vorbereitung unterstützt haben.

Da ich selbst lange aufgelegt habe, habe ich mitbekommen wie der Plattenladen als Treffpunkt leider immer mehr weggefallen ist. Es bezieht sich heute fast alles auf das Internet. Das ist, denke ich, nicht der Weg, den wir einschlagen sollten und deshalb kann man das ganze eventuell auch als Stufe zum Jugendclub für Erwachsene begreifen.

Wie nehmt ihr die soziale Verantwortung eines Clubs noch wahr?

Ein wichtiger Bestandteil sind auf jeden Fall die sozialen Projekte, die wir unterstützen wollen. Für sie wird es auf verschiedene Art und Weise die Möglichkeit geben sich zu präsentieren. Wir werden zwei Benefiz-Partys im Jahr machen und dann mal schauen, was sich noch so spannendes daraus ergibt. Und allen die dabei Bedenken haben sei gesagt, dass ich mit allen Projekten seit zwei Jahren in Kontakt stehe und wir die auch deshalb supporten wollen.

Die Musik und Party werden wir natürlich nicht vergessen. Daran orientiert sich alles, wobei wir sicherlich keine neue Feierkultur entwickeln werden. Das Rahmenprogramm vor den Partys wird recht bunt und wir sind auch für alle Ideen offen. Was sich dann wie umsetzen lässt muss sich zeigen. Sofern es machbar ist, wird es verschiedene Tanz-Workshops geben, die im Übrigen kostenlos sind.

Des weiteren bemühen wir uns, Leute an den Start zu bekommen, die von ihren Reisen in andere Länder erzählen wollen und dabei auch Bezug auf die dortige Musik-, Grafik- oder Tanzkultur nehmen. Was die Jungs von Exlepäng mit dem Circuit Bending-Workshop am 26.11. machen werden steht exemplarisch für eine etwas andere art von Workshop. Da gibt es vieles was man machen kann.

„Mad Again!“ ist ja mit dem oberen Floor auch ein gutes Beispiel dafür was alles passieren kann wenn Erwachsene spielen. Und natürlich werden wir auch mal den einen oder anderen Film zeigen oder wie bei Funky Kingston die Domino-Steine auspacken. Zudem werden wir versuchen das Essensangebot ein wenig zu erweitern und an den Abend anzupassen. Es wird sich auch an der Bar ein wenig ändern.

Und schlussendlich soll www.fensterzumhof.org die Plattform werden bei der alles was Werbung angeht passiert. Mit viel Glück haben wir dann das Zeitalter der Flyerei spätestens nächstes Jahr im Frühling hinter uns und Mutter Natur freut sich.

Wo geht es musikalisch hin?

Der Freitag wird weiterhin urban bleiben, ohne aber außer Acht zu lassen, welch großen Einfluss elektronische Musik mittlerweile auch auf die urbane Musik ausübt – wobei urban natürlich auch alles und nichts ist. Ich habe noch den kleinen Traum, das irgendwann demnächst mal südafrikanischer House an einem Freitag laufen kann – nur mal als Beispiel was möglich ist. Ansonsten wird es viel altbewährtes geben und mit dem einen oder anderen Act wollen wir uns auch mal an gewisse Grenzen wagen. Außer Techno, House, Rock, Pop und die üblichen Verdächtigen wird alles irgendwie seinen Platz finden.

Warum eigentlich „Fenster zum Hof“?

Dem Konzept einen Namen war ehrlich gesagt das Schwierigste an der ganzen Sache. Und dann auch noch einen, der allem irgendwie gerecht wird. An dieser Frage bin ich gelegentlich auch verzweifelt. Ich selbst bin ein recht bildlicher Typ, dementsprechend kam es dann zu der Lösung. Die Stieber Twins mit den gleichnamigen Track haben da natürlich auch mit rein gespielt. „… durchs Fenster zum Hof, ja dort spielt die Musik …“ – das fand ich einfach toll und vor allem ehrlich.

Doch kurz: Egal wo wir auf dieser Welt sind, ein Hof ist immer eine Lebensader und die Elemente wie Musik, Grafik oder Tanz wird man da immer wieder Antreffen – egal ob man nun am Fenster sitzt und beobachtet oder selbst Akteur auf dem Hof ist. Und da wir eben auch über Leipzigs Grenzen hinaus schauen wollen, hatte sich das angeboten.

Distillery Website
Fenster zum Hof Website

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