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Antoinette Blume
Sekt oder Selters, Ambient oder Techno, Leipzig oder Berlin, Lesen oder Schreiben - kein Entweder-oder, sondern alles, gleichzeitig und umgekehrt-nacheinander. Unter www.antoinetteblume.de erfahrt ihr an welchen Orten unsere Chefredakteurin liest, ausstellt oder was sie wo installiert.

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Series Be: Black Queer Pride am 4. Juli

02. Juli 2020 / Kommentare (3)

Anfang Juni tauchte ein neuer Name – im Zuge der Ankündigung des Protest-Wochenendes gegen Rassismus und Polizeigewalt in Leipzig – bei uns auf: Series Be. Und mit diesem Namen ist eine Person verknüpft, nämlich „the face“ of Series Be, Luke Oliver Francis. Wir haben mit Luke über das Projekt an sich, anstehende Demos und Rassismus in Leipzig gesprochen.

Luke ist einigen von euch sicher schon aus dem Nachtleben (und von Instagram) bekannt. Als Tänzer*in, Aktivist*in und von Veranstaltungen, zum Beispiel im Institut fuer Zukunft oder dem Balance-Festival, wo Luke erst kürzlich bei der Eröffnungs-Performance Peeling Fruit In Front Of Strangers auftrat. Manchen ist Luke vielleicht auch durch das Leipziger Opernhaus und dem dort ansässigen Ballett bekannt, denn dort arbeitet Luke normalerweise als Solotänzer*in.

Series Be:

Die „Stand Up, Speak Up, Show Up“-Demonstration Anfang Juni wurde von Luke organisiert – als Initiator*in der Demo per se, Schwarze und Queere Aktivist*in und als Redner*in.

Stand Up, Speak Up, Show Up (6-6-20) _ Video

Series Be: Stand Up, Speak Up, Show Up

Am 4. Juli steht die nächste Veranstaltung, vielmehr Demonstration, von Luke und Series Be an. Was es mit dem Projekt auf sich hat, welche Unterstützungsarbeit von uns allen dabei geleistet werden kann, Series Be inner- und außerhalb der Club-und Instabubble bekannt(er) zu machen und alle Infos zur Black Queer Pride-Kundgebung, erfahrt ihr im Interview.

Interview_Luke Oliver Francis

— Das Interview wurde übersetzt, gekürzt und ist (in Gänze) auch auf Englisch zu lesen – einfach runterscrollen! —

ff: Du bist in der Clubkultur-Szene von Auftritten beim Balance Festival oder durch verschiedene Veranstaltungen bekannt. Und durch Instagram! Aber wie kamst du nach Leipzig und wann? Was hat dich an Leipzig angezogen?

Luke: Ich kam Ende September 2017 nach Leipzig, da ich ein Jobangebot an der Oper Leipzig bekam und es annahm.

Was sind deine persönlichen Erfahrungen mit Rassismus in Leipzig?

Meine Rassismuserfahrungen in Leipzig sind sehr nuanciert, oft in Form von Mikroaggressionen, also angestarrt werden oder dass mir aus dem Weg gegangen wird, in der Tram zum Beispiel. Oder dass ich in einem Laden von der Security verfolgt werde. Aber es gibt auch andere Beispiele, wie zum Beispiel, dass ich keinen Zutritt zu Orten bekomme, besonders in Clubs. Und wenn ich Zutritt habe, werde ich nicht ernst genommen, wenn ich über einen Zwischenfall spreche, der sich dort abgespielt hat. Dann gibt es noch rassistische „Witze“, die keine Witze sind. Es gibt keine solchen Witze, sondern nur Rassisten.

 
NOTE NOTE –


Series Be: ist eine von queeren People of Color gegründete Organisation, die mit der Hilfe und Arbeit von Freiwilligen Veranstaltungen und Demonstrationen organisiert und safe spaces in Leipzig kreiert.

Wann und warum hast du Series Be gegründet? Aus diesen Erfahrungen heraus?

Ich habe Series Be im November 2018 gegründet. Und zwar aus der Notwendigkeit heraus, einen Queer BIPoC safe space im Nachtleben zu haben. Ich persönlich fühlte mich unterrepräsentiert in Leipzigs Clubkultur, ich war die einzige Person die so wie ich war.

Ich lebe nach dem Motto: „Wenn du die Dinge, die du brauchst, nicht hast, mach sie selbst!“

– also machte ich das, bezogen auf Kultur- und Freiräume und Partys.

Worum geht es dir bei dem Projekt?

Series Be feiert auf inklusive und visuell-immersive Art und Weise queeres Leben innerhalb Leipzigs. Ziel ist es, künstlerische Talente aus Leipzig beziehungsweise aus Deutschland aus der LGBTQI+-Community vorzustellen und allgemein eine Plattform für Selbstdarstellung innerhalb einer safen und unterstützenden Umgebung zu schaffen.

Die Umgebung ist so gestaltet, dass sie People of Color, braune und schwarze Menschen, innerhalb der queeren Community feiert, mit einem starken Fokus, eben genau das korrekt in dieser Stadt zu tun. Und jetzt geht es für uns noch weiter, da wir uns über die clubkulturellen Räume hinaus bewegen, und politische Arbeit in das Projekt miteinbeziehen.

Wie viele Leute sind bei Series Be beteiligt und wie können Weiße euer Projekt unterstützen, auch finanziell?

Gerade sind in der Organisationsgruppe 15 Menschen beteiligt, aber für jedes Einzelprojekt kann diese Zahl variieren. Wir arbeiten dazu mit Freiwilligen zusammen, die uns zusätzlich unterstützen. In dem man uns (zum Beispiel bei Instagram und Facebook) folgt, zu unseren Events kommt, Geld spendet und uns als Freiwillige*r bei etwas hilft, was wir gerade benötigen, kann man Series Be supporten.

Wer Geld spenden möchte, für Acts und andere Ausgaben, die eine Demo mit sich bringt, kann sich bei Luke via Instagram melden. (Anm. d. Red.)

Solidarität

Eine politische Veranstaltung von euch war die Demo am 6.6. An diesem Tag liefen 700-1000 Menschen durch Leipzig, um die Black Lives Matter-Bewegung zu unterstützen, gegen Polizeigewalt zu demonstrieren und Reden zu hören. Du hast die Demo, die für viele den Auftakt des Protest-Wochenendes markiert hat, organisiert. Wie hast du dich an diesem Tag gefühlt, was hat das in dir ausgelöst?

Es war unglaublich überwältigend, ein Mix aus vielen Emotionen.

Aber letztlich hat es mir die Stärke dieser Stadt gezeigt, die Solidarität. Das hat mir Hoffnung für eine echte Wendung und Veränderung gegeben.

Ich kann die Veränderung spüren, sie kommt und wird wunderschön sein!

Lukes Aktivismus und Empowerment sind inspirierend. Auch wenn das Wort (etwas zu) häufig gebraucht wird, aber es gibt kein passenderes. Dass mit den Veranstaltungen und Demonstrationen von Series Be auch Lücken und Rassismus innerhalb der (queeren) clubkulturellen Szene auffallen und benannt werden, ist längst überfällig. Wir als weiße Menschen sollten und müssen konstant daran arbeiten, wie wir Projekte wie Series Be als Allys supporten können.

Black Queer Pride _ 4. Juli 2020

Also, here we go: Die nächste Veranstaltung von Luke und Series Be findet wieder auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz statt, genau dort also, wo die letzte Demonstration endete. Denn es ist Pride, yes! Series Be setzt dabei den Fokus auf Schwarze Queers und nennt die Veranstaltung auch gleich so: Black Queer Pride.

Black Trans Lives und Black Queer Lives

Black Queer Pride steht für die Verbindung zwischen der Black Lives Matter-Bewegung und dem Christoper Street Day, und um die Rolle der Queer-BIPoC-Gemeinschaft hervorzuheben:

„Der CSD wurde in der Vergangenheit von Weißen für sich alleine beansprucht, wir aber wollen die Stärke, Schönheit und Kraft der Queer-BiPOC-Gemeinschaft zeigen“, schreiben die Macher*innen von Series Be.

Hier habt ihr, haben wir die Gelegenheit unsere Solidarität zu zeigen. Also: Stand up, Speak up, Show up! Am 4. Juli ab 15 Uhr auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz. Das gesamte Programm wird auf diesem Platz stattfinden.

@kingcabumir

Ein langes Interview von Luke mit der Leipziger Internetzeitung lest ihr hier. Listen!

Series Be: _ Luke Oliver Francis (English Version)

Luke Oliver Francis, 25, is a non-binary artist and Queer PoC (People of Color) activist from Great Britain. Alongside their current engagement as a soloist  at the Leipziger Ballett, they also engage in various projects and collaborations, including creating the party/events series Series Be: at Institut für Zukunft and other locations in Leipzig, which aims to give the queer club scene a home, as well as workshops, social safe spaces and political demonstrations.

We talked with Luke about what’s behind the project, racism (in Leipzig) and why we as white people need to stand up, speak up and show up constantly to protest against racism against black people.

Interview

ff: Luke, you are quite known in Leipzig as a (ballet-)dancer, activist and (yes, you are!) from Instagram. How long are you living in Leipzig and what brought you to the city?

Luke: I moved to Leipzig at the end of September 2017, I had received my current job offer at Oper Leipzig and decided to take it.

What are your experiences with racism (in Leipzig)?

My experiences of racism in Leipzig is incredibly nuanced, mostly in the form of micro-aggressions meaning staring, moving when I am close to someone on the tram for example, being followed around a store by security, as well as more obvious examples such as not being allowed into spaces, mostly nightclubs – or if so, not being taken seriously when I express concern for an incident that may have happened there and then there is the Racist “Jokes„ FYI there is no “joke„, just a racist.

 
NOTE NOTE –


Series Be: is a queer PoC run organisation, with the help & work of local volunteers to create events, demos and safe spaces in Leipzig.

You are the founder and the face of Series Be. When and why did you found the project?

I founded Series Be: in November 2018, out a need for Queer BIPoC safe spaces in the nightlife scene. I personally felt under represented in the city’s club culture, I was the only person like me in the space, and that’s not good enough.

I live by my motto „If you don’t have the things you need, make it yourself“

this in terms of spaces and parties for me and people like me weren’t there, so I made it.

What is the project all about, in terms of queer life and BIPoC?

An inclusive, visually immersive celebration of queer life within Leipzig. Aiming to showcase artistic talent within Leipzig & Germany and its LGBTQI+ community, and offering a platform for self expression within a safe and supportive environment.

The environment is tailored to support, accommodate and celebrate PoC (People of Colour), black and brown bodies, within the queer community with a strong focus on celebrating blackness correctly in this city. And now we spread further than just clubs/spaces and include political works.

What does the name mean? Is there a constant motto that comes with it?

Series Be: is named in a way that means simply „be“ be yourself, be your fantasy, be your dream, be whatever you want to be in a safe and caring environment.

We also use it to set a theme for the party series, some of our previous parties have been „Series Be: KUNTY & Series Be: ROYALTY“ It’s an easy name to play around with.

We don’t have a constant motto, as such. Although our recent political demonstrations have adopted the Stand Up, Speak Up, Show Up motto, which works very well and I guess will stick to the political side of our work.

And how is Series Be connected to Black Lives Matter – is it connected at all?

We are not officially connected, however we at Series Be: stand in absolute solidarity with the BLM movement, and use our platform to help support the movement.

How many people are involved in Series Be and how can people support and participate in your project? What can white people do to support Series Be (for example financially)?

Currently in our organising group are 15 people, for each project we create that number changes as we work with volunteers from within the city. Supporting us, is following us, showing up to events, donating funds and volunteering your services if they fit the roles required.

Solidarity

You organised one of the demonstrations of the protest-weekend in Leipzig. Approximately 700-1000 people showed up, marched through Leipzig and listened to the speeches that were held. How did that make you feel? 

It’s been incredibly overwhelming, a mix of emotions, but ultimately it showed me the strength in this city, it’s solidarity, and it gave me real hope for change. I can feel the change, it’s coming and it’s going to be beautiful. 

Foto von Cihan Cakmak

Some people surely think „the work is done here“ – they showed up for a demo, they shared a black square on Instagram and feel like a true ally to the Movement. What would you like to say to these people?

I would tell them to ask themselves, „What work?“ And then remind them that “the work is done„ when the BIPoC community says it’s done, particularly the voices of trans & queer BIPoC.

What’s up next

Lukes presence and activism are (as you’ve already seen in the video above) powerful and inspiring. We as white people need to constantly work on how to be an ally, how to support the movement and black, queer and trans people (not only) in our scene, fight white (our!) supremacy and violence against BIPoC.

Artwork von @kingcabumir

Let’s begin and stand up, speak up and show on the next Series Be-demonstration „Black Queer Pride“ on the 4th of July, which addresses the whitewashing of Pride and focuses on Black Trans and Queer Lives and the roots of Pride.

All photos by Cihan Cakmak.

CommentComment

  • Antoinette Blume / 21. Juli 2020 / um 19:52
    Vielen Dank, Jens! Always a pleasure und solche Kommentare tun uns (mir) sehr gut!

    Liebe Grüße

    - AB
  • Jens „Flash“ Goerdten / 20. Juli 2020 / um 22:32
    ... immer wieder schön zu lesen. Ich weiß, da wiederhole ich mich... Fun fact: ich bevölkere gerade für insgesamt 6 Wochen Lukes Wohnung, weil der Urlaub in Berlin (und vermutlich auch anderswo) macht. Fühlt sich doppelt cool an dieses Interview von meiner Lieblings-frohfroh-Autorin von hier aus zu lesen... good luck, Luke! Und viel Erfolg weiterhin für frohfroh und die sehr geschätzte Frau Blume
  • Guest / 05. Juli 2020 / um 23:13
    Amazing Pride! THANKS for sharing

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