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Paula
Paula Charlotte ist M.Sc. Psychologin in Leipzig,spricht und schreibt als Autorin und Redakteurin über intersektionalen Feminismus, elektronische Musik und mentale Gesundheit. Außerdem spricht sie mit Fabian Ajaj im gemeinsamen Podcast "St*rytime" über unsere Gesellschaft zwischen Privilegien und Diskriminierungen.

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„Anxious Sleep“ ZOUJ – Fotoporträt & Review

21. Januar 2021 / Kommentare (0)

Anlässlich des Release seines Solo-Projektes ZOUJ und der ersten Single „Anxious Sleep“ hat Autorin und Fotografin Paula den Künstler Adam Lenox in seinem Studio besucht.

Alles ziemlich Grunge

Bis 2019 kannte man Adam Lenox als Frontmann und Gitarristen der Band Lingua Nada, eine Leipziger Band, die sich im Post-Hardcore und Indie-Punk bewegte. Adam schildert das Band-Leben zu Beginn, wie man sich das Leben einer Post-Hardcore Band vorstellt: Tour im Van, Containern, alles ziemlich Grunge.

Futuristische und dystopische Welt

Als Teenager kam er nach Leipzig, mit einer Gitarre, dem alten Computer seiner Mutter und etwas Aufnahme-Equipment entstand „Goodbye Ally Airship“ – die erste Single Lingua Nadas.

Schon mit dem letzten, 2019 veröffentlichten Album der Band Djinn war ein gewisses Narrativ der Suche nach einer anderen, futuristischen und dystopischen Welt deutlich – geboren in der Pariser Banlieu erlebte Adam verschiedene Perspektiven: Die französisch-weißen, die amazigh-marokkanischen seiner Mutter, die US-amerikanische seines Vaters.

ZOUJ

ZOUJ ist das zweite und Solo-Projekt des Künstlers. Konzentrierte er sich zuvor auf herkömmlichere sowie akustische Instrumente liegt sein Fokus mit ZOUJ auf der Produktion elektronischer Musik. Er fühle sich befreiter, verortet sich irgendwo zwischen elektronischem Experimental und R&B mit Ecken und Kanten, möchte herausfordern, was wir gewohnt sind, zu hören.

Anxious Sleep

Die erste Single „Anxious Sleep“, hat alles, was ein Pop-Song mitbringt, sie ist eingängig. Trotzdem spürt man den Charakter, die Experimentierfreude, Musik die uns auffordert, genau hinzuhören, weil wahnsinnig viel passiert, zu viel, um „nebenbei“ zu laufen, nicht zuletzt des Narrativs wegen: Der Text kreist um das Erleben von Schlafparalyse, ein Gefühl, ausgeliefert, die Brust zugeschnürt.

„Für mich ist der persönliche Kontext wichtig.“

Doch nicht nur musikalisch ist das Solo-Debüt Adams spektakulär.
In Zusammenarbeit mit dem 3D Künstler Alexander Turovsky wird der erste Single-Release begleitet von einem experimentellen Artwork.

„Die visuelle Ausgestaltung und Umsetzung meiner Ideen ist für mich schon immer Teil meiner Musik gewesen.“

Zu verzerrt um verspielt genannt zu werden ziehen sowohl die Grafiken, vor allem aber das Musikvideo zu „Anxious Sleep“ Betrachter*innen in eine innere Welt, die nach außen gestülpt werden muss, um das Gefühl zugänglich zu machen.

Die Fülle an Symbolik im Musikvideo bietet ein Tor in ebenjene dystopische Welt, futuristisch und magisch. Ein Football-Jerseys mit Amazigh-Label, Fratzen von Schlafparalyse-Dämonen, zerfließende Farben, Flüssigkeit, das Gesicht des Künstlers selbst, facettiert und gespiegelt, auf sich selbst zurückgeworfen.

Es fällt schwer zu entscheiden, ob das Gefühl bedrohlich oder faszinierend ist – es ist komplex und kompromisslos, so bleibt jeder Versuch, dies in Worte zu fassen, plump und unbeholfen, zumal die Musik sowie das Video ausreichend für sich sprechen.

Begleitet wird das Artwork der Single von Typografie: Die Sprache Tamazight und Schrift namens Tifinagh als Teil der Amazigh-Kultur in Nord Afrika. Durch die Kolonialbesatzung als barbarisch bezeichnet, verdrängt und dadurch in Vergessenheit geraten setzt Adam mit der Verwendung der Typografie ein Zeichen, Wiedererlangung.

„Außerdem verstehe ich es als Hommage an meine Familie und die Identität, die sie mir damit stiftet.“

„Auch der Name „ZOUJ“ ist Darija, marrokkanisch-arabisch und bedeutet „Zwei“. Es steht für mein Dualität und auch die der Musik.“

Die Arbeit am Projekt ZOUJ ist schon jetzt mehr als eine weitere pop-experimentelle Produktion.

Weitere Titel werden im Herbst 2021 auf dem Label City Slang [u.a. Caribou, Son Lux, Arcade Fire, Noga Erez] erscheinen.


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