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Soey und Max
sind die Initiator*innen des IN2IT-Projekts, hören für ihr Leben gern Musik und organisieren nebenbei noch das zeitraum Festival. Und sie freuen sich weiterhin über eure Einsendungen! Foto von Sam Müller.

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IN2IT #2 – DAY ONE von KERB

28. April 2021 / Kommentare (0)

Für die zweite Ausgabe von IN2IT haben sich Soey und Max einen Breakbeat-Roller von KERB ausgesucht. Get into it!

Es ist wieder soweit: Die nächste Ausgabe von IN2IT ist da! Vorab nochmal ein großes Dankeschön an alle Künstler:innen für ihre tollen Einsendungen, ohne die dieses Projekt nicht möglich wäre. Bei der Wahl des Tracks für die zweite Edition waren wir uns diesmal recht schnell einig. Auch wenn sich diese Produktion maßgeblich von der aus dem Dezember unterscheidet, hat sie uns keinesfalls weniger fasziniert. Without further ado:


IN2IT #2 KERB – DAY ONE. 

Dieser Breakbeat-Roller überzeugt mit seiner laut pulsierenden out-of-space Hauptschlagader. Sanft wird man in das Geschehen eingeleitet, um dann über die gesamte Dauer immer mehr in den Track hineingezogen zu werden. Die anfängliche Melancholie des Tracks findet ihre Auflösung im ersten Break, wenn der satte analoge Bass kein Stillsitzen mehr zulässt. Anschließend führen die gebrochenen Drums in Verbindung mit den Vocals und Pads zu einer Synthese aus abwechselnd hypnotischen und ergreifenden Elementen. Day One greift dabei teilweise in die Retrokiste, ohne jedoch altbacken oder abgedroschen zu klingen. Vielmehr sind wir der Meinung, dass KERB die alte Schule gekonnt neu interpretiert. Er selbst beschreibt den Track als „looking down onto another planet“.  

Seit 8 Jahren produziert KERB elektronische Musik. Auch wenn es eine Weile dauerte, bis er das passende Umfeld fand, um sich musikalisch zu äußern: Leipzig scheint ihm dieses Gefühl zu vermitteln. Hier ist der gebürtige Südafrikaner nun schon seit Oktober 2019 und wird uns hoffentlich auch weiterhin mit seiner Musik überraschen. Zwar konnte er 2020 nicht den „classic“ Leipziger Open-Air-Sommer erleben, dennoch genoss er einige Clubabende im vorherigen Winter. Im Unterschied zu anderen großen Städten hatte er das Gefühl, dass Clubkultur in Leipzig mehr gesellschaftliche Anerkennung findet. Zudem sei auch der Vibe hier etwas anders – seiner Meinung nach dadurch bedingt, dass der wirtschaftliche Druck auf den Clubs weniger zum Vorschein kommt. 

Clubkultur – Ein großes Partizipieren  

Sein erster Kontakt zum Produzieren kam durch einen Kurs an seiner ehemaligen Schule in Großbritannien. Dort lebte er seit seinem elften Lebensjahr und gelang ziemlich bald an die Techno & House Szene in London Hackney. Sein frühestes Ausgesetztsein mit tanzbarer Musik deklariert er deswegen als „the prodigy“. 

„I called it rave music without knowing what rave means.“

Im Clubkontext liegt das Augenmerk meist auf DJs oder Produzent:innen. Wenn man jedoch genauer hinschaut, dann offenbart sich etwas wundervolles, das KERB in unserem Interview sehr schön beschreibt:

 „Everyone is a participant. Everyone co-creates.“

Wir können wahrscheinlich für viele Lesende sprechen, wenn wir sagen, dass wir unsere ersten Partys – abseits der Musik natürlich – wegen eines besonderen Gefühls besucht haben. KERB schafft es, dieses Gefühl in Worte zu fassen. Das Besuchen unserer ersten Partys fühlte sich an wie eine Art Rebellion gegen die Norm, in der alle Menschen plötzlich eine Einheit bilden. Es ist eine Koproduktion aus den Sounddesigner:innen, den Raver:innen, den Künstler:innen, dem Staff, den Menschen, die die Anlage entwerfen und einstellen und und und… Der Vibe scheint nur dadurch zu entstehen, dass alle Partizipierenden ein Stück von sich selbst zu diesem Ganzen beitragen.

Als wir KERB nach weiteren Einflüssen und Inspirationen fragen, bekommen wir eine vielschichtige Antwort. Zunächst nennt er den Bass sowie und die, die sein Vater auf ihn nahm. Er hätte sich damals wahrscheinlich als Metalhead beschrieben, mit Einflüssen von Metallica bis Iron Maiden. Irgendwann brachte er sich dann das Gitarrespielen bei und erwähnt in diesem Zuge, dass das Schreiben von Musik ihn immer mehr interessiert hat als nur das bloße Rezipieren. Neben aktuellen Releases von R.A.N.D Muzik nennt er auch UK Garage, Dubstep und Drum & Bass als Inspirationsquellen. Allerdings versucht KERB stets, sich nicht zu stark von äußeren Einflüssen leiten zu lassen – aus Angst davor, Bestehendes einfach nur nachzuahmen.  

„The goal is to one day make the tracks you dream of, even though it’s so hard to translate them into real life.“

credit: prism_o

Ko-Kreation mit der Hardware 

Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es für KERB kein festgefahrenes Schema. Trotzdem scheint es ihm wichtig, eine gewisse Routine zu finden, an der man sich orientieren kann. Die Idee für Day One entsprang beispiels durch das Vocal Sample. Danach kamen weitere Elemente wie die Drums oder die Bassline hinzu. Bedeutend sind für ihn die Interaktionsprozesse mit der Hardware wie dem bekannten SH101 von Roland oder auch VST-Effekten von D16.

„It feels like I am co-creating with the hardware.“

Das Arrangement versucht er anschließend mit Hilfe von Controllern selbst einzuspielen. Der Track bekommt dadurch mehr Leben eingehaucht und das Arrangement fühlt sich nicht mehr so statisch an, wie KERB findet. Hilfreich sind hier auch kleine Effekte und Sounds für die Übergänge. Um einem Projekt anschließend das finale finish zu geben, kommt es für ihn vor allem auf das Mixing an, das ihm fast genau so viel Freude bereitet wie das Produzieren an sich. KERBs Ansatz ist hierbei, vor dem Mixing ähnliche Musik zu hören, die seiner Meinung nach perfekt gemixt ist. Mit Hilfe von Stereobild, Räumlichkeit, Kompression und Gain-Staging versucht er hier die einzelnen Elemente des Tracks aufeinander abzustimmen und zu einem Ganzen werden zu lassen. Als unbedingten Tipp für alle Produzent:innen nennt er das Buch Mixing With Your Mind von Michael Stavrou.


Auch für KERB hatte die Pandemie einen gewaltigen Einfluss auf seinen kreativen Prozess. Auf der positiven Seite bringt sie – wie für viele andere auch – die scheinbar gewonnene und kostbare Zeit für die Musik mit sich. Dazu kam, dass er sich letztes Jahr in einem Studio angemietet hat und so eine feste zeitliche Routine zum Produzieren fand. Andererseits fühlt er sich aber auch abgekoppelt vom Zweck seiner Musik.

„I feel like I was losing reference. What am I making, what does it mean? I am producing dance music although I haven’t danced for such a long time.“

Auch wenn uns bewusst war, was er damit meinte, hat DAY ONE hat uns gedanklich sofort wieder in die Clubs und auf die Festivals geholt. KERB scheint also alles richtig gemacht zu haben, darin sind wir uns einig.

Auch hoffen wir, dass der Track eure Hoffnung auf die kommende Zeit aufleben lässt. Partys lassen leider noch ein wenig auf sich warten – IN2IT aber nicht! Deswegen fiebern wir weiterhin auf eure Einsendungen hin. Wir mussten feststellen, dass wir es manchmal nicht rechtzeitig schaffen, zeitlich begrenzte Downloadlinks zu öffnen. Deshalb schickt uns bitte Soundcloud-Links mit Downloadfunktion an opencall (@) frohfroh.de. Wir freuen uns weiterhin über eure Einsendungen und genauso auf die nächste Ausgabe! 


Die Grafik(en) sind wie immer von Sophia Krasomil. Vielen Dank!

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