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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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New In – Nov 21

27. November 2021 / Kommentare (0)

Hier kommt ein neues Format, „New In“ gibt einmal im Monat einen kurzen und knappen Überblick über neue Releases made in Leipzig. Los geht’s mit neuen Platten von Defrostatica, Kann, Riotvan und weiteren.

Detroit’s Filthiest „Fight To The Finish“ (Defrostatica)

Defrostatica hat ja schon länger gute Kontakte zum Ghettotech-Pionier Detroit’s Filthiest. Hier kommt nun seine zweite komplette EP auf dem Leipziger Label. Vier reduzierte Uptempo-Tracks, die die feinen Grenzen zwischen Oldschool-Electro, Ghettotech und Jungle verflüssigen. Mit eingängig bohrenden Synth-Schleifen und einer 90s-balsamierenden Jungle-Hommage.

Mein Hit: „Failure 2 Launch“. Why: Wegen der exstatisch-bouncy und roboterhaft tänzelnden Melodie.


Adam Strömstedt „Escalator Music“ (Kann Records)

Bei Kann war mal wieder Zeit für ein Album – der Australier Adam Strömstedt kann sich hier erstmals im Langformat austoben. Und er tut dies in sehr entspannte Weise. Mit super softer House-Deepness, organischen jazzy-funky Vibes und versierter Afterhour-Nostalgie. Klar, hier wird nichts grundlegend neu erzählt. Aber Adam Strömstedt sucht immer wieder auch Abzweige weg vom Floor – und wenn Floor, dann auch nie rein funktional, sondern mit Wärme und Empathie. Guter Konter gegen November-Lockdown-Blues.

Mein Hit: „Help Computer“. Why: Wegen der hektisch rasselnden Hi-Hats und Basslines und dem improvisierten Session-Vibe.


Qnete „RM12013“ (R.A.N.D. Muzik)

Wahnsinn, wie gut sich das Label vom Leipziger Plattenpresswerk R.A.N.D. Muzik entwickelt hat. Im Oktober erschien auch eine Compilation, die das San Franciscoer Label 90s-Label The Future Was Visible … mit unveröffentlichten Tracks wiederaufleben lässt. Kurz darauf folgte eine neue EP vom Leipziger Producer Qnete – eine sehr sichere Nummer für wohlausbalancierten House. Wer es classic mag, bekommt mit „Mild Warp“ neues Futter. Wer es more trippy will, sollte zu „Hover“ skippen. Die wirkliche Spannung liegt aber in „Weightless“. Im Original ist es ein aufgeladener Breakbeat-Ambient-Hybrid, im Remix mutieren die Elemente mehr in Richtung Rave und Trance. Aber sehr stilsicher und dezent.

Mein Hit: „Weightless“. Why: Wegen dieser lang anhaltenden Spannung, die sich einfach entladen möchte.


Hard Ton „Under This Fantasy“ (Riotvan)

Riotvan hat Gefallen an Digital-only-Releases gefunden und startet eine kleine Reihe. Zum Start geht es nach Venedig zu Hard Ton. Ein Duo, das mit analogen Maschinen und emotionalen Vocals einen sehr herzöffnenden und queeren Disco-Acid-Pop-Mix produziert. Da klopfen die 80s ohne Verkleidung an und werden sicher freudig empfangen auf sehr verschiedenen Dancefloors. Jorkes aus Stuttgart liefert einen dubberigen Remix, der durch seine Klarheit besticht.

Mein Hit: „Under This Fantasy (Original Mix)“. Why: Wegen der herrlich ausladenden Hymnenhaftigkeit.


NAJIB „The Voluntary Prisoners“ (HUMAN)

Ok, dieses Album muss noch mit rein, auch wenn es bereits Ende Oktober rauskam. Aber Tinkahs Label HUMAN bringt einmal mehr einen spannenden Gegenentwurf zum sonst gängigen Clubsound heraus. Dieses Mal mit NAJIB, einem Act aus Brüssel. Die acht Tracks seines Albums dekonstruiert jede Erwartung, jede Ästhetik, jedes Genres. Stattdessen gibt es eine heftige und nimmermüde Dynamik an Sounds, Patterns und Rhythmen. Kaum Anker, nur Bewegung, viel Glitch und Chaos. Ja, das ist anstrengend und kein Soundtrack für das entspannte Hören nebenher. Das will es aber auch nicht sein. Vielmehr erleben wir hier eine artifizielle und aufwühlende Performance, die Zeit, Aufmerksamkeit und Offenheit braucht.

Mein Hit: „Impasse!“. Why: Wegen seines versöhnlich-harmonischen Starts, der aber zunehmend entgleitet.

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