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Autor/-in

Antoinette Blume
Alles, immer, gleichzeitig und umgekehrt-nacheinander: Autorin, Journalistin, Chefredakteurin bei frohfroh und Podcasterin bei Lust & Radau.

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Neu, neu – Emma Philine im Interview

10. Januar 2022 / Kommentare (0)

Emma Philine lebt und arbeitet seit vielen Jahren als Musikerin und Künstlerin in Leipzig. Jetzt erscheint nach vier Jahren ihre erste EP „17 2 20“. Wir haben die Newcomerin kurz vor dem Jahreswechsel zum Interview getroffen und mit ihr über den Start während Corona, Leipzigs Musiknetzwerk und Spotify gesprochen.

„hyperpop-icon“

Gemeinsam mit ihrem Produzenten Dennis Behrendt aka Zoetrop hat Emma Philine seit 2017 an mehreren Songs gearbeitet, die von Sex und Depression handeln. Zwei der Songs, Slow und Ghost of mine, wurden bereits mit aufwändigen Videoproduktionen im vergangenen Jahr veröffentlicht – die Macher:innen des Kaltblut-Magazins beschrieben die Sängerin erst kürzlich treffsicher als hyperpop-icon. Nicht nur das hat deutlich gemacht, dass man an der Newcomerin einfach nicht mehr vorbeikommt.


Emma Philine_17 2 20

frohfroh: Erzähl erstmal gerne von dir… Wie heißt du, wer bist du, was machst du?

Emma Philine: Ich bin Emma Philine, 21 Jahre alt und komme ursprünglich aus Berlin. Mit 13 bin ich nach Leipzig gezogen und habe hier meinen Produzenten Dennis kennengelernt. Mit ihm habe ich angefangen, eigene Musik zu machen. Vorher hatte ich Gesangsunterricht an der Musikschule „Neue Musik“ in Leipzig.

Am 6. Januar 2022 erscheint deine erste EP namens „17 2 20“. Wie lange haben Dennis und du daran gearbeitet?

Wir haben seit 2017 bis 2020 daran gearbeitet… (lacht)

Der Name ist also auch programmatisch. Ist das ein langer Zeitraum für dich?

Ja, das ist lang. Als DIY-Projekt ist es klar, dass es länger dauert als mit einem eingespielten Team hinter einer Produktion. Dazu kommt, dass wir alles – wirklich alles – das erste Mal gemacht haben. Dennis hat zum Beispiel erst mit mir angefangen zu produzieren und ich habe mein erstes Musikvideo geschnitten. Das heißt, alle Prozesse bis zur Fertigstellung – das Artwork, das Setting, die Vermarktung – das alles war bis dahin neu für uns.

„17 2 20“ von Sarah Letalik, Lucas Parsley und Tim Bencker

Worum geht es in deiner EP, inhaltlich?

Es geht um die Jahre von 2017 bis 2020, also um genau diesen Zeitraum. Es gibt zwei zentrale Themen: Sexualität und Depression. Als Titel habe ich „17 2 20“ gewählt, weil ich zu diesen Themen Distanz schaffen wollte.

„Denn ich bin meiner Kunst, egal was ich mache, voraus.“

Ob das am nächsten Tag ist, dann bin ich natürlich etwas näher dran, oder eben ein Jahr oder auch mehrere Jahre später – ich bin dann schon so viel weiter weg von dem, was ich mal produziert habe. Mit dem Titel wollte ich auch die Dramatik etwas herausnehmen.

Bist du sehr perfektionistisch, was deine Darstellung, die Inszenierung deiner Musik und das Konzept dahinter angeht? Deine erste Single Slow und auch die zweite Auskopplung Ghost of mine sieht sehr danach aus, im positiven Sinne.

Es ist sehr schön, wenn du sagst, es wirkt als hätte das Alles ein Konzept – denn das hatte es nicht. Am Anfang, wenn man Musik macht, weiß man noch nicht, was es bedeutet – und wie man die Teile in einer EP oder in einem Album zusammenfasst.

Wir haben einfach Musik gemacht und ich habe dann im Nachhinein geschaut, wie das Alles zusammenpasst, welche Themen es sind, wie es ästhetisch aussieht und wie sich das anfühlt. Mich freut, dass es so professionell aussieht, denn das zeigt, dass sich unsere Arbeit, die wir reingesteckt haben, gelohnt hat.

Wie war das für dich, als Musikerin während Corona zu starten? 

Eigentlich hat das für uns gepasst, kann man sagen. Denn anfangs ging es für uns um Musik schreiben, Videos drehen, Artworks erstellen – jetzt, wo Liveshows immer relevanter werden, wird es natürlich auch für uns kritisch. Corona war aber auch für uns eine Herausforderung als es um die Videoshootings ging, hier mussten wir Auflagen einhalten und Termine wurden uns teilweise abgesagt. 

Du warst erst kürzlich als Künstlerin bei einer Spotify-Playliste auf dem Cover. Was hältst du von Musik-Streamingdiensten wie Spotify & Co.?

Das Thema ist für mich super aktuell und sehr neu. Ich war demgegenüber relativ unkritisch. Bis wir die EP veröffentlicht haben.

„Jetzt merke ich Schritt für Schritt, wie sehr Spotify Künstler:innen über den Tisch zieht und wie wenig Einnahmen bei mir als Artist ankommen.“

Für mich geht es zwar gerade noch weniger um Geld als um Reichweite und da freue ich mich natürlich, dass es derzeit bei Spotify für mich so gut läuft, allerdings wird es zunehmend als DIY auch wirklich wichtig Einnahmen zu generieren. Und da 10.000 Streams auf Spotify nicht mal einer Pizza mit Cola dazu entsprechen, ist das natürlich schon frech.

Man muss andere Wege finden sein Geld wieder rein zu kriegen. Deswegen ist es wichtig, dass Musikkonsument:innen sich dieses Umstandes im Klaren sind und schauen wie sie insbesondere die small Artists unterstützen können. Ich habe jetzt zum Beispiel neuerdings ,,Fanklub“, da kann man mich monatlich mit einem selbst gewählten Betrag unterstützen und bekommt exklusiven Content und BTS Material im Gegenzug zurück. Checkt das auf jeden fall aus. 

Stichwort Netzwerke: Mit welchen Künstler:innen aus Leipzig hast du bisher zusammengearbeitet?

Die einzige Konstante in meiner künstlerischen Arbeit ist Dennis. Er ist immer dabei, das übrige Team wechselt. Ich muss sagen, auch wenn ich sehr dankbar für die Unterstützung, die ich erhalten habe, bin, habe ich viele Schlüsse gezogen, die mir gezeigt haben, dass ich mit einigen Menschen nicht mehr zusammenarbeiten möchte. Das betrifft vor allem cis männliche Personen.

„Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich am liebsten nur mit FLINTA-Personen zusammenarbeiten.“

Ich habe was das angeht aus meinen Fehlern gelernt – und bin vorsichtiger. Ich war vertrauensvoll und habe mich sehr geöffnet und dabei wenige Grenzen gezogen. Ich wusste damals auch noch nicht, wie ich mit meiner Rolle als diejenige, die das letzte Wort hat, umgehen soll. Und das als Frau unter Männern. Ich bin trotzdem froh, dass ich diese Erfahrungen jetzt gemacht habe und nicht erst später, wenn mehr Geld oder ein größerer Deal im Spiel ist. 

_Ghost of Mine

Wie feiert ihr den Release, jetzt, wo wieder Lockdown ist – und vermutlich auch im Januar noch nicht mit der Öffnung von Clubs und Konzertlocations zu rechnen ist?

Ich würde mir sehr wünschen, falls es erlaubt ist, eine kleine Party zu organisieren. Mit meinen engsten Freund:innen und allen, die an der EP beteiligt sind und die ich schätze und gerne habe. Und mit ihnen möchte ich gerne anstoßen und einfach einen sweeten Abend verbringen.

Letzte Frage: Was kommt noch, was hast du vor? Planst du deine Karriere auch über Leipzig als Standort hinaus?

Erstmal werde ich in Leipzig bleiben, weil ich hier gerade mein Abi nachhole. Aber ich könnte mir natürlich vorstellen, über Leipzigs Grenzen hinweg zu gehen, Berlin bietet sich da an. Mein großes Ziel ist ein Album, das ich aber was Lyrics, Performance und Message betrifft, mit Sinnlichkeit angehen möchte – dafür müssen wir uns aber erst Zeit freiräumen. 


Die aktuelle EP ist ein Abbild der musikalischen und künstlerischen Entwicklung von Emma und Dennis, die nun hörbar geworden ist. Und eben diese Entwicklung ist noch lange nicht vorbei, wie Emma sagt.

YouTube, TikTok, Instagram, Spotify, Twitter… die beiden sind überall, vor allem aber im Ohr. Einen Überblick, was wo wann passiert, was wo zu hören ist und wie ihr sie unterstützen könnt, lest ihr auf ihrer Website.

Headerfoto von Wolfgang Grote.

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