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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Blick ostwärts – nach Dresden

12. April 2011 / Kommentare (5)

Dresden und Leipzig – nicht unbedingt das entspannteste Liebespärchen. Und auch wenn Stadtrivalitäten durchaus ihren Reiz haben können, gibt es wenigstens auf der musikalischen Ebene Parallelen zwischen den beiden Diven.

Noch vor einem Jahr stolperte ich über die Bemerkung Dresdens Elektronik-Szene würde etwas im Schatten stehen. Nicht, dass mir Etui Records, Jacob Korn, Break SL oder Phonocake kein Begriff waren. Es gab nur eben von außen betrachtet nicht das Gefühl einer umtriebigen Szene mit einer entsprechenden Außenwirkung wie etwa in Hamburg, Mannheim, Essen oder in Ansätzen Leipzig.

Doch dann kam Uncanny Valley – ein Label mit viel Elan, einem roughen und deepen Sound zwischen House und Electro sowie liebevoll gestalteten Plattencovern. Anschließend ging es ganz schnell: das unheimliche Tal spricht sich herum, als neue Heimat einer Underground-Clubkultur in der sächsischen Landeshauptstadt.

Drei Compilations sind bisher erschienen – und mit ihnen wunderbare, im besten Sinne eigenartige Tracks von Credit 00, Jacob Korn, Cuthead, C-Beams und Thomas Fröhlich. Genau dieses Bündeln von verschiedenen befreundeten Kräften hat auch in Leipzig in den vergangenen Jahren viel Neues bewirkt.

Zeit also noch tiefer hinter die Kulissen zu schauen. Philipp Demankowski, ein Teil des DJ-Duos The Moroders, erklärt im frohfroh-Interview die Zusammenhänge in Dresden.

Wie hat sich die Clubszene in Dresden innerhalb der letzten Jahre entwickelt?

„Dresden hat ja eine lange Techno-Tradition. Gerade nach der Wende gab es eine Menge Clubs, die mal legal, mal in der halblegalen Grauzone wirkten und vielen Tänzern eine Menge Spaß bereitet haben. Nachdem die damaligen Tänzer erwachsen, Eltern, berufstätig oder partymüde geworden waren, gab es wohl so etwas wie einen Bruch. Viele der Pionierclubs mussten schließen.“

Und was geschah danach?

„Die Nuller liefen eher mau an. Die Partys, bei denen die alten Raver ‚Das ist ja wie früher‘ riefen, wurden seltener. Und etwas Neues entwickelte sich nur schleppend. Klar gab es immer die Showboxx für die Techno-Großkaliber oder das Triebwerk für die härtere Gangart, aber beharrliche Underground-Clubs waren selten. Die Schleife, die später Galerie Disko hieß, war so ein Spot, musste inzwischen aber auch schließen.“

Jetzt scheint aber wieder mehr Elan da zu sein.

„Ja, seit ein paar Jahren ist aber so etwas wie Aufbruchstimmung zu spüren. Die Leute, die an der Blüte von elektronischer Musik in Dresden interessiert sind, ziehen an einem Strang, kommunizieren miteinander und befruchten sich gegenseitig. Uncanny Valley ist im Prinzip ein Ergebnis davon.

Es gibt junge Crews mit Blick für schicke Off-Locations wie BEST.OFF productions für House-Partys oder Follow The White Rabbit für Post-Minimal. Und auch Dubstep geht gerade gut ab mit diversen Crews und vollen Partys.

Für Drum’n’Bass war Dresden ohnehin schon immer eine Hochburg. Und mit dem Sektor Evolution gibt es endlich auch wieder einen amtlichen Techno-Club, der auch als Platz für Kunstfestivals und Nachwuchs-Rockbandabende taugt.

Das Alte Wettbüro als Kristallisationspunkt zwischen Club und Bar spielt sicherlich ebenso eine wichtige Rolle in dieser Entwicklung und auch das Fat Fenders als der wichtigste Plattenladen der Stadt hat seinen Teil durch seine beständig gute Sortierarbeit beigetragen.“

Wann und warum kam die Idee zu Uncanny Valley auf?

„Das Potential der Dresdner Musiker zu bündeln, war schon immer im Hinterkopf der Beteiligten. Es gab und gibt natürlich auch vor Uncanny Valley Labels in Dresden, aber eben ohne die musikalische Breitenwirkung und Vielfalt, die uns vorschwebte. Mit Jacob Korn und Break SL gab es zwei Dresdner House-Artists, die durch tolle EPs auf Running Back, Dolly und Philpot bereits einen Namen hatten.

Und als dann das Angebot von Nachtdigital kam, 2010 den See-Floor zu gestalten, wurde Nägel mit Köpfen gemacht und erstmal viel geredet und gelernt. Dass dann die erste Platte genau zum ND-Festival fertig wurde, war eine Mischung aus planerischem Geschick und Glück.“

Wer steckt alles hinter dem Label?

„Die drei Betreiber sind Conrad Kaden von The Moroders, Carl-Johannes Schulze alias Carl Suspect und Albrecht Wassersleben. Sie treffen die wichtigsten Entscheidungen und kümmern sich um einen Großteil der organisatorischen Arbeit. Darüber hinaus werkeln eine Menge Leute mit ihren jeweiligen Stärken am Gedeihen des Labels – Cover, Mastering, Presse, Visuals, Deko und Aufbau für die Partys. Too many to mention.“

Auf den ersten drei EPs ist der musikalische Rahmen grob betrachtet mit House und Electro abgesteckt. Gibt es aus deiner Sicht einen verbindenden Sound oder eine bestimmte Herangehensweise, die einen Track für Uncanny Valley interessant machen?

„Qualität ist entscheidend. So einfach das klingt, so wahr ist es am Ende. Alle Tracks gehen durch einen mehrstufigen Auswahlprozess, in dem jeder der Labelmitglieder seine Meinung, Verbesserungsvorschläge oder sonstiges Feedback äußern kann. Ein bestimmter Sound ist auch schon aufgrund der vielen verschiedenen Künstler, die ja auch unterschiedliche Produktionsmethoden und Klangideale bevorzugen, eher schwierig zu identifizieren.

Und nach gerade mal drei EPs ist das schlechterdings unmöglich und auch nicht zielführend. Schließlich wollen wir den Musikern auch nicht ins Handwerk pfuschen. Die sollen gefälligst ihre Individualität bewahren. Die UV004, die nächste und vorerst letzte Compilation-EP, wird sich auch in gewisser Weise absetzen. Die ist ein bisschen rougher.“

Clone vertreibt die Platten, ihr habt sofort eine Menge positives Feedback erhalten, habt ihr mit solch einem Start gerechnet?

Wir sind natürlich überzeugt von den Tracks, mögen sie ungemein. Da wir alle selber auch auflegen, können die Tracks auch immer schon getestet werden. Mit dem Fullcover und versteckten kleinen Gimmicks haben wir ja auch immer ein reizvolles Paket für Vinylliebhaber.

Insofern haben wir schon gehofft, dass einige DJs, die wir mögen, mit den Tracks was anfangen können. Dass die erste Nummer aber derart hohe Wellen schlägt, haben wir aber natürlich nicht erwartet. Sowas ist aber über allem auch ein prima Ansporn, weiterhin gute Platten herauszubringen.“

Uncanny Valley Website

CommentComment

  • Klaus / 20. April 2011 / um 19:31
    Typisch für Dresdner Szeneleute, die etwas in die Jahre gekommen sind: Wer es nicht schafft, über den Tellerrand zu gucken, ignoriert das, was aus der Stadt heraus durchaus mit Außenwirkung passiert und mobilisiert seinen Freundeskreis, um das Alte/Vertraute zum X. Mal wieder hoch zu pushen.
    Nichts gegen die Musik und Labelarbeit, aber wer Augen+Ohren nicht auf bekommt, sollte nicht versuchen, eine ganze Stadt in seinen eigenen Schatten zu stellen!
  • DANIEL / 13. April 2011 / um 11:06
    Was sind denn das für Kommentare?! Man muß ja nicht alles mögen, aber gleich hier eine für das Label doch ernstgemeinte Aktion als Schwachsinn darzustellen, finde ich schon echt grenzwertig. Zumal mir auch die Begründung für so eine Meinung hier fehlt. Wäre ja mal interessant zu wissen, was daran so "schwachsinnig" sein soll. Aber klar, wenn man die Möglichkeit hat, anonym zu kommentieren, dann aber richtig Vollgas. Scheint ja auch hoch im Kurs zu liegen dieser Tage.
  • xbd / 12. April 2011 / um 15:02
    suppenschwachsinn: da geh ich mit
    freude am tanzen: what happened?
    die jungen zeigen dir wie es geht
  • Jens / 12. April 2011 / um 13:33
    Nichts für ungut – aber dieses anonyme Gemeckere raubt mir die Freude!
  • erbsenzähler / 12. April 2011 / um 12:53
    masse statt klasse, ist ja hoch im kurs dieser tage.
    trotzdem sympathischer als dieser suppenschwachsinn...

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