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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Der Tet-Ted ist freigeschaltet

15. Juni 2011 / Kommentare (0)

Das Indie-Elektronik-Label Tetmusik geht neue Wege im Musikvertrieb und bietet seine aktuelle Compilation via Bandcamp an – jeder kann zahlen wie viel er mag.

Das Web 2.0 schlägt wild um sich, und gerade bei der Neuausrichtung der Musikwirtschaft passiert einiges. Bandcamp ist natürlich nicht die einzige Plattform bei der Musiker sich Labels und Vertriebe künftig sparen können. Doch die individuellen Mikro-Site-Anpassungen dürften die Seite doch interessanter machen.

Headnoaks nutzt von den Leipziger Elektronik-Akteuren Bandcamp derzeit am intensivsten – mehr als zehn Alben und EPs hat er hochgeladen und verkauft sie um die fünf Euro. Auch die Dambala Experience von Daniel Stefanik wurde zuerst bei Bandcamp angeboten bevor sie demnächst als 10“ noch einmal heraus kommt.

Tetmusik setzen dagegen auf das Zahl-soviel-wie-du-willst-Prinzip. Und so kann man selbst entscheiden, was einem der „Tetsampler 2011“ wert ist. Doch wie ist das mit der Wertschätzung eigentlich? Ist solch eine Veröffentlichung mehr wert wenn wenige einen hohen, vom Künstler vorgegebenen Preis zahlen? Oder wenn viele nur ganz wenig dafür ausgeben möchten? Schmälert es den Respekt einem Künstler gegenüber nicht, wenn nur 50 Cent pro Stück gezahlt werden, während der derzeitige Download-Shop-Standard bei einem Euro liegt? Kann es überhaupt einen allgemeingültigen Wert für eine digitale Kopie eines Musikstückes geben?

Wie auch immer, in erster Linie ist es eine durchaus sympathische Geste den einstigen Monopol-Anspruch der Musikindustrie aufzuweichen, indem der Kunde sagt, wie viel er zahlen möchte. Dennoch bleibt auch ein fahler Beigeschmack, weil solch ein offenes System eben auch der Discount-Mentalität in die Karten spielt.

Was mir der „Tetsampler 2011“ wert wäre, verrate ich nicht. Wahrscheinlich würde ich mir auch nur einzelne Stücke kaufen – eine weitere Respektlosigkeit dem Künstler und Label gegenüber? Limousine Rot sind und bleiben wunderbare Querdenker zwischen Pop und House. Nicht mal zwei Minuten geht ihr knisterndes und dicht verhalltes „Le Mépris“.

Elster Club überraschen hingegen mit einem amtlichen Live-House-Song, im Refrain dann aber doch etwas zu Hände-in-Luft-mäßig. Jennifer Touch und Fox Pet beamen sich straight in die dunklen Ecken der Achtziger, und es gelingt ihnen ziemlich gut. Stiller Höhepunkt ist aber Iami mit „Waitin4π“. Langsam schwebend, leicht pathetisch, aber irgendwie sehr anziehend in seiner Friedlichkeit ist dieses House-Stück.

Diese Compilation ist ein Querschnitt durch den Sound eines offen gehaltenen Labels – Gitarren spielen in der selben Liga wie Drum Computer und Synthesizer, introvertierte Tracks gibt es ebenso wie ausladende Indie-Hymnen. Das ist mutig und natürlich nicht jedermanns Sache. Aber Tetmusik haben ein gutes Gespür – in verschiedene Richtungen. Und da passt auch der Weg mit Bandcamp.

Tetmusik Website
Mehr zu Tetmusik bei frohfroh

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