Im Mai steht eine neue Ausgabe der wunderbaren Bells-Echo-Reihe an. Dieses Mal an einem neuen Ort und mit zwei spannenden Musiker:innen zwischen Orgel und antiker Flöte.
Mit Bells Echo hat Leipzig bekanntlich seit etwas mehr als zehn Jahren eine Reihe, die Konzerte nicht einfach in Räume setzt, sondern die gewählten Räume mitdenken lässt. Es sind meist Kirchen und Denkmäler, Orte mit Patina, Volumen und einem Eigenleben. Orte, die Klänge nicht neutral transportieren, sondern sie brechen, aufladen, verlängern. Für die nächste Ausgabe am 15. Mai zieht Bells Echo nun erstmals in die Evangelisch Reformierte Kirche am Tröndlinring. Ein neuer Schauplatz also. Und einer, der sich für das, was diese Reihe seit 2015 auszeichnet, als ziemlich ideal erweisen dürfte: konzentrierte Musik zwischen Drone, Experiment, Minimalismus und sakraler Anmutung im direkten Dialog mit Architektur und Geschichte sowie deren Nachhall.
Dass diesmal Ellen Arkbro zu Gast ist, wirkt dabei fast folgerichtig. Schon mit Kali Malone war im April 2025 eine Musikerin aus Skandinavien bei Bells Echo zu erleben, nun folgt mit der schwedischen Komponistin und Soundkünstlerin eine weitere Künstlerin, die ihre Kraft aus der Langsamkeit, Präzision und räumlicher Tiefe bezieht. Arkbro arbeitet mit just intonation, also mit fein austarierten, reinen Stimmungen, mit lang gehaltenen Tönen, minimalen Verschiebungen und Harmonien. Dies alles lässt sich eher als körperlicher Zustand denn als klassische Komposition erfahren. Ihre Musik ist reduziert, aber nie leer. Klar gebaut, aber voller Bewegung im Detail. Wer ihre Arbeiten für Orgel, Blechbläser oder elektronische Setups kennt, weiß, dass es ihr nicht um vordergründige Dramatik geht, sondern um Resonanz – im Raum, im Ohr, im Körper. Gerade deshalb entfaltet diese Musik ihre Wirkung besonders dort, wo Architektur nicht bloße Hülle bleibt. Bei Bells Echo wird sie ihr 2024 erschienenes Album „Nightclouds“ live vorstellen.
Mit Lukas De Clerck steht Arkbro ein zweiter Künstler zur Seite, dessen Arbeit ganz anders ansetzt und doch erstaunlich gut in dieses Setting passt. Der belgische Musiker und Forscher beschäftigt sich mit dem Aulos, einem antiken Doppelrohrblattinstrument, das seit vielen Jahrhunderten als verschwunden gilt. De Clerck hat daraus allerdings kein museales Rekonstruktionsprojekt gemacht, sondern vielmehr eine lebendige, gegenwärtige Praxis entwickelt. Sein jüngstes Album „Telescopic Aulos of Atlas“ klingt archaisch und futuristisch zugleich, roh und präzise, körpernah und seltsam entrückt. Es geht um Atem, Reibung, Mikrotonalität, um Obertöne, die im Raum zu flirren beginnen. Eine Musik, die sich nicht aufdrängt, aber festsetzt.
Der neue Ort dürfte dafür einiges beitragen. Die Evangelisch Reformierte Kirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Neo-Renaissance errichtet und bringt genau jene Mischung aus Strenge, Ruhe und räumlicher Präsenz mit, die für Bells Echo so entscheidend ist. Der Bau am Tröndlinring wirkt klar gegliedert, aufgerichtet, konzentriert. Dahinter versteckt sich kein überladener Sakralraum, sondern ein Ort mit eigener Achse, mit Haltung, mit akustischer Tiefe. Auch seine Geschichte – von der Errichtung um 1900 über die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bis zum vereinfachten Wiederaufbau – schreibt sich in diese Atmosphäre ein.
Das ist genau der Punkt, an dem Bells Echo in Leipzig weiterhin herausragt. Die Reihe kuratiert nicht einfach spannende Namen. Sie findet Konstellationen. Zwischen Künstler:innen und Orten. Zwischen Klang und Architektur. Zwischen Kontemplation und Intensität. Die Ausgabe mit Ellen Arkbro und Lukas De Clerck verspricht dafür ein besonders stimmiges Beispiel zu werden.
Tickets Tickets
Tickets für die neue Bells-Echo-Ausgabe gibt es bei TixForGigs.
