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Tabea
Tabea findet Ambient überhaupt nicht beiläufig, mag motorische Rhythmen und Musiksoziologie.

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Für immer: Flying Moon In Space

18. April 2026 / Kommentare (0)

Etwas abseits der klassischen Clubfloors lotet die Leipziger Band Flying Moon In Space mit minimalistischen Arragements eine höchst tanzbare Energie aus. Zeit für eine kurze Vorstellung und einen Blick auf ihr neues Album.

Aus einer kollektiven Idee und stundenlanger Improvisation entstand vor gut zehn Jahren in Leipzig Flying Moon In Space. Sie spielten überall, wo ein bisschen Platz war, in Hausprojekten, Imbissbuden oder Kneipen – oft ohne Unterbrechung die halbe Nacht durch, bis kaum jemand mehr stehen konnte. Motorisch pulsierendes Schlagzeug und minimalistische Gitarrenpattern verschmolzen mit Effektpedalen zu einer rauschhaften, extrem tanzbaren Musik, die sich mit dem Moment intuitiv verwandelte.

Bis heute entsteht die Musik der nun sechsköpfigen Band aus freier Improvisation. Für ihr drittes Album „Immer Für Immer“, das am 13. März auf dem Londoner Label Fuzz Club erschienen ist, haben sie zehn Tage im Kinett verbracht, einem ehemaligen Kino in der Rheinland-Pfälzischen Kleinstadt Kusel. Dort kondensierten sie neun Songs aus dem gemeinsamen Spiel – fast alle kürzer als vier Minuten, aber so verdichtet, energiegeladen und bisweilen fragmentiert, dass es scheint, als könnten sie sich über Stunden ausdehnen, wenn man sie nur ließe.

Flying Moon In Space haben das Album als „Ritual gegen das Gefühl, verloren zu sein“ beschrieben und verorten sich damit in den Brüchen der Gegenwart. Auch musikalisch tastet „Immer Für Immer“ Grenzen ab: Der erste Track „Barbarian“ rollt schnell mit hellen, verzerrten Synthie-Arpeggien herein, die bald von fest und dumpf stampfenden Drums davongerissen werden. Der Gesang klingt durch Hall wie ein Rufen auf Distanz, die Melodie ist ungleich eingängig und vertraut. Kaum hat sich der Sog des Tempos ausgebreitet, mündet die Single abrupt in eine Fläche, nur um aus der Ruhe gleich wieder ekstatisch davonzueilen. Die Stimmung bleibt melancholisch. In „Where Are You“ überlagern sich stolpernde Muster und minimalistische Gitarrenpattern, bevor der Refrain mit hellem Chor und viel Raum in einen der euphorischen Überwältigungsmomente des Albums aufgeht.

Nicht nur wegen der gemeinsamen Art Stücke zu schreiben, ist Krautrock eine der naheliegenden Kategorien. Das Prinzip „Steigerung durch Wiederholung“ zieht sich durch alle Tracks und sorgt samt metallisch angezerrten, elektronischen Klänge auch für technoide Passagen. Dicht in sich verschlungene Flächen aus Gitarreneffekten und Synths schlagen Brücken zu Shoegaze und Ambient – der Song „Zx473-A“ etwa ist eine einzige, in sich bewegliche, kühl pulsierende Fläche.

Live auf Europatour

Die kleinen Lücken ihrer Heimatstadt haben Flying Moon In Space lange verlassen. Ihre aktuelle Tour führt sie im April und Mai einmal quer durch Europa. Am 8. April brachten sie „Immer Für Immer“ auch in Leipzig im UT Connewitz auf die Bühne, die sie mit den Post-Punk-Koryphäen A Place To Bury Strangers teilten.

Flying Moon In Space sind: Atom Parks (vocals), Valentin Bringmann (Gitarre), Henrik Rohde (Gitarre), Sebastian Derksen (Gitarre/Synthesizer), Sascha Neubert (Bass) und Timo Lexau (Schlagzeug)

Alle Fotos: Walther Le Kon

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