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New In-Redaktion
Die New In-Redaktion hört sich durch den Bandcamp-Dschungel und sucht die spannendsten Leipzig-Releases heraus – aktuell sind das David, Nils und Jens.

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New in the Bag – April 2026

03. Juni 2026 / Kommentare (0)

Was war neu? Was war hörenswert? Was lief bei uns im April rauf und runter? Hier erfahrt ihr es.

Wir blicken in kurz und knapper Form auf einige der interessantesten Leipzig-Releases aus dem April 2026 zurück. Mit dabei sind Neu-Entdecktes, Nachgelegtes, aber auch ein Abschied aus Leipzig ist dabei. Los geht’s!

Platte des Monats:
Natalie Luengo – „TheYeah!List“ (Self-released) 

Leider mussten wir erfahren, dass Natalie Luengo von Leipzig zurück in ihre Heimat Herzberg zieht. Die strengen Richtlinien von frohfroh.de besagen, dass sich auf diesem Blog ausschließlich mit Musik aus Leipzig beschäftigt werden „darf“. Die vorliegende EP hat es also gerade noch hineingeschafft in „New in the Bag“.  

Spaß beiseite! Die EP von Nathalie Luengo ist ein Banger und darf natürlich auf keinen Fall fehlen in unserem monatlichen Rückblick. Fünf technoide und ausproduzierte Electro-Techno-Kracher, die allesamt gute Dinge einer sogenannten „Yeah!-List“ abfeiern: Authenzität, Wahrhaftigkeit, Verlässlichkeit usw. Die Stücke sind dem Genre entsprechend hart, werden aber durch eine gewisse Verspieltheit und einer Freude am Experiment immer wieder aufgebrochen. 

Autor: Nils Schäfer


Clear Light System – „Hell Or High Water EP“ (O*RS / All My Ghosts)

„Hell Or High Water“ – zu deutsch ungefähr „komme was wolle“, das kann durch kreative Textexegese sicherlich in verschiedene Richtungen gedeutet werden. Einerseits klingt es ja sehr bestimmt, entschieden; andererseits suggeriert es einen Sprechakt, der aus einer Position der Sicherheit heraus getätigt wird. Jedenfalls scheint der Ausdruck die akute Potenz des Moments nicht zu unterschätzen, wir befinden uns sehr wahrscheinlich an einer Schwelle. Und so ist es ein sehr passender Titel für eine EP, die vor allem den Moment in den Vordergrund rückt. 

Hinter dem Namen Clear Light System verbirgt sich die gemeinsame Arbeit zweier Artists, die das musikalische Leben in Leipzig schon lange bereichert haben, nämlich Produzent Latchkey Kid und Gitarrist Thomas Scholz. Gemeinsam haben sie einen wundervoll entspannten analogen Deep-House-Sound erfunden, der die Stärken beider Musiker ausbalanciert zur Geltung bringt. Die Produktion bleibt über die komplette Länge der EP jederzeit kuratiert, eingefangen wird nicht das ganz große Drama, sondern atmosphärische Schwellenmomente. Beispielhaft für diese Stärke steht der Opener „Come Closer“ – behutsam aufgebaut findet er sehr schnell zu seiner eigenen, atmosphärisch durchaus raffinierten Emotionalität. Die drei selbst produzierten Tracks werden abgerundet durch zwei Remixes – einmal vom Turiner Jawari und einmal vom Leipziger Favorite Micronaut. 

Und wer mehr über die Zusammenarbeit erfahren möchte, dem sei unsere neueste Ausgabe unseres New In Radios empfehlen: ganze zwei Stunden lang reden wir mit Clear Light System über Musik und Produktion! 

Autor: David Maneke


Nukohl – „Father Passed Away“ (Self-released)

Der Leipziger Produzent NuKohl ist zurück mit einer neuen Single auf SoundCloud. Was sich im traurigen Titel bereits andeutet, findet in der Musik eine entsprechende Übersetzung. Melancholische Synth-Flächen korrelieren mit vertrackt-verspielten Breakbeats in zurückgelehnter Geschwindigkeit.

Wem ein Stream auf SoundCloud zu wenig ist, sollte sich die vor drei Jahren erschienene EP „Mechanizm“ auf Inch By Inch Records zu Gemüte führen. 

Autor: Nils Schäfer


Linusalexis – „Circus“ (Self-released)

Kürzlich entdeckt und direkt Die-Hard-Fans geworden – so lässt sich die Entdeckung von Linusalexis gut beschreiben. In unserer März-Ausgabe vom New In Radio hatten wir seine „Asbestos“-EP im Deep Dive vorgestellt. Kurz danach kam mit „Circus“ ein weiterer Beweis, dass wir mit unserer Faszination und unserem Flash für die fluid-breakige Deepness von Linusalexis sehr richtig liegen. Da schwingen frühe Lake-People- und Dial-Records-Vibes mit, aber da ist auch sehr viel neuer zeitgenössischer, leicht jazziger Raum, den Linusalexis für sich besetzt. Alles auf den Punkt gut produziert, süß-melancholisch und schillernd zugleich.

Autor: Jens Wollweber


Lynt – „Deep World (Hypermix)“ (Self-released)

Es ist 14:00 Uhr an einem Sonntag im Jahr 1995. Christiane Backer moderiert auf RTL 2 Bravo TV. Es läuft das Video von Mark Oh mit „Tears Don‘t Lie“. Ich tanze im Wohnzimmer. Das ist meine Musik. Und für diese Musik namens Euro Dance ist 1995 das Jahr. Neben Mark Oh – „Tears Don‘t Lie“ erblickten auch Scooter mit „Friends“, Dune mit „Hardcore Vibes“ und Charly Lownoise & Mental Theo mit „Wonderful Days“ das Licht der Welt. Ich liebe die Melodien, die Synths, die harten schnellen Kicks und die Vocals. Wer mit den Schlümpfen – „Tekkno Ist Cool Vol. 1“ aus eben jenem Jahr 1995 in Berührung kam, konnte gar nicht anders als hochgepitchte Vocals zu feiern. Ganz unironisch und voller Hingabe.

Warum der lange zeitliche Abriss? Weil die Leipziger Band Lynt mit „Deep World (Hypermix)“ im April 2026 einen Track released haben, der sich nahtlos hätte 1995 einreihen können. Crowd Cheering, High Pitch Vocals, Saw Wave Hoover Sounds, das absolute Einmaleins des Eurodance. Selten habe ich einen Track gehört, der mich gedanklich so präzise in eine Erinnerung zurückversetzt. Lynt schafft es zwei Generation gleichzeitig anzusprechen. Gen Y und Gen Z. Denn beide wissen die Unbeschwertheit zu schätzen, die ein Nokia 3310, ein Walkman oder Kopfhörer mit Kabel mit sich bringen.

Autor: Thomas Scholz


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