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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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„Es geht doch hier nicht um Geld“

27. September 2011 / Kommentare (2)

Die Netlabel-Szene ist in den letzten Jahren nicht unbedingt lebendiger geworden. Aber sie lebt weiter. In Leipzig etwa mit Markus Masuhr und seinem Label Insectorama. Wir wollten wissen, warum er an dem Konzept weiter festhält.

Ist die digitale Avantgarde in der Sackgasse fragte frohfroh vor zwei Jahren – Anlass war das Ende des Leipziger Netlabels 1bit Wonder und die Transformation von Instabil hin zum Digital-Label, bei dem die MP3s verkauft und nicht mehr verschenkt werden. Wir wollen wissen, wie es 2011 um die hiesige Szene bestellt ist.

Ist die große Netlabel-Euphorie vorbei oder täuscht der Eindruck?

Auf jeden Fall ist die Euphorie vorbei. Es kamen jede Woche unzählige neue Netlabels ans Tageslicht und wie es nun einmal bei so einer Situation ist, kamen leider viel zu viele schlechte Releases heraus. Was der ganzen Sache einen üblen Beigeschmack beschert hat. Die meisten dieser neuen Netlabels sind aber auch meist nach kurzer Zeit wieder in die Versenkung zurückgekehrt.

Leider haben aber auch sehr viele große und sehr gute Netlabel dadurch sich entschlossen den Schritt nach „vorn zu gehen“. Hin zum Digital-Label, sie wollen damit jetzt Geld verdienen, was ich für einen Trugschluss halte, da dort gerade das gleiche passiert – nur in einem sehr viel größeren Stil. Und da viele Digital-Labels es nicht so genau mit der Bezahlung der Künstler nehmen, gibt es immer mehr, die wieder zurück zu Netlabels gehen, weil sie den Umgang mit ihren Tracks so nicht mehr mit sich vereinbaren können.

Welche Netlabels sollte man denn heute im Blick behalten?

Tropic Netlabel aus Frankfurt, das von d.soul geführt wird oder Inoquo aus Spanien. Und da wären noch Bleepsequence, Deepindub, Unfound, Monokrak, Zimmer, Miniatura um nur einige zu nennen. Die Liste könnte man jetzt noch stetig fortsetzen, aber auch hier denke ich, dass sich Qualität auf jeden Fall durchsetzt. Viele große bekannte Acts haben ja mal auf Netlabels angefangen oder releasen heute immer noch zweigleisig – einmal auf Vinyl und dann eben auf Netlabels.

Der für mich größte Unterschied – und zugleich auch der Positivste – ist, dass bei Netlabels keiner mit angeblichen großen Acts wirbt, die angeblich alle deren Releases spielen und so toll finden. Denn meistens ist es so, dass umso mehr ein Digital-Label seine Releases mit Künstlern bewerben muss, desto schlechter ist der Sound es in der Regel.

Was ist für dich der Grund weiter ein Netlabel zu betreiben?

Es gibt so viele unbekannte, sehr gute Künstler auf der Welt, die fantastische Musik machen, aber nie die Chance bekommen auf Vinyl zu releasen. Genau da kommt ein Netlabel zum Einsatz. Gerade im Dub-Techno-Bereich gibt es viel bessere Netlabel-Releases als Vinyl-Releases.

Für mich war und ist es einfach wichtig Künstlern eine Plattform zu bieten, auf der sie sich verwirklichen können. Das geht mit einem Netlabel am einfachsten und auch am schnellsten. Für mich stand auch nie zur Debatte, ob ich zu Digital wechseln sollte, denn ich bin der Meinung, dass Musik – abgesehen von Vinyl – kostenlos sein sollte. Es geht doch hier nicht um Geld, sondern um Musik.

Man hat ja schließlich nichts in der Hand, wie beim Vinyl. Und warum sollte man für etwas zahlen müssen, das man am Ende nur als digitale Datei auf dem Rechner hat? Klar könnte man jetzt sagen der Künstler hat da etwas erschaffen und sollte auch dafür entlohnt werden, aber dann sollte der Künstler selbst entscheiden dürfen, welchen Weg er geht, um seine Tracks zu releasen.

Geht es aber nicht mehr um die Musik und Kunst an sich, die einen gewissen Wert hat – unabhängig von ihrem Format?

Das ist schon richtig. Von meiner persönlichen Sicht aus würde ich nie für eine digitale Datei Geld ausgeben. Bei Vinyl ist es mir hingegen total egal, was es kostet. Wenn mir die Musik gefällt, kaufe ich sie mir. Das hat dann wohl mit der Sammelleidenschaft zu tun und mit der Limitierung des Vinyls. Auch hat man bei Vinyl was in der Hand. Da steckt vom Track übers Cover sehr viel Arbeit drin, was bei digital natürlich auch der Fall ist und auch gebührend belohnt werden sollte.

Aber es ist digital und nicht Vinyl. Viele sehen das anders und kaufen digitale Releases und das ist auch gut so. Ich hingegen bin da wohl eher ein bischen altmodisch und engstirnig und verharre da vieleicht zu sehr auf meiner Einstellung. Aber das ist nun mal die freie Entscheidung, die ich habe und die jeder andere auch hat. Es ist sicherlich auch ein Grund, dass man bei digital einfach nichts in der Hand hat nach dem Kauf. Es ist und bleibt eine digitale Datei auf dem Rechner.

Insectorama hat einen enormen Output – gibt es eine feste Fan-Base oder schwanken die Download-Zahlen?

So enorm würde ich den Output nicht bewerten. Insectorama gibt es seit 2006 und bis jetzt sind es 47 Releases. Eine Fan-Base gibt definitiv. Und die ist wunderbarer Weise auf der ganzen Welt verteilt. Trotzdem schwanken die Downloadzahlen so zwischen 3.000 und 30.000 Downloads pro Release.

Aber ich denke solche Zahlen sind schon ganz ok. Es geht ja auch nicht darum, wer die meisten Downloads hat, sondern viel mehr um qualitativ hochwertige Musik. Da hat jeder auch einen anderen Geschmack. Ich release auch wirklich nur Sachen die mir selber zu 100% Gefallen und nicht weil es gerade angesagt ist.

Insectorama Website
Mehr zu Insectorama bei frohfroh

CommentComment

  • robert figus – percentage ep (insectorama 050) | rantadi - blog / 13. Januar 2012 / um 11:19
    [...] ist zudem ein Interview mit Markus Masuhr, dass im September, letzten Jahres auf FrohFroh veröffentlicht [...]
  • Benjamin / 28. September 2011 / um 08:05
    http://stadtgruenlabel.net/

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