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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Die Wette gewinnen

07. November 2011 / Kommentare (0)

Im Juni dieses Jahres wetteten wir noch, dass Ominira – Kassem Mosses Label – das wohl eigenwilligste Label der Stadt werden dürfte. Im Oktober kamen gleich zwei neue Veröffentlichungen heraus. Und wir werden diese Wette gewinnen.

Allein die Unvorhersehbarkeit der bespielten Formate konterkariert jedes Handbuch zur perfekten Label-Gründung. Erst zwei entrückte Synthesizer-Jams auf rauschenden Tapes, jetzt eine CD-R im Super Jewel Case und die erste Vinyl-EP. Während das Gros der Labels ja schon mehr oder weniger auf eine gewisse Linie seines Katalogs achtet, gehören genau diese Brüche bei Ominira zum Konzept. Ohne jedoch, dass es tatsächlich konzeptuell überzeichnet wirken würde.

Kassem Mosse überträgt mit Ominira jene stilistische Offenheit, die er für sich als Künstler gern reklamiert auf das Label-Format. Und er ist dabei sogar noch konsequenter. Mit „Jewelz & Flowerz“ debütiert IMG_6502. Wer dahinter steckt, bleibt offen. Ein Stück ist von Kassem Mosse arrangiert. So steht es im Booklet des Jewel Cases. Auf dem Cover die Initialen des EP-Titels und ein Web-Button mit der Aufschrift „Get more plays“.

Es bleibt kryptisch bei Ominira. Auch die acht Stücke tragen irgendwie Geheimnisse in sich. Es ist ein fein, aber auch experimentell arrangiertes Mini-Album. Voller Samples und sicherlich auch mit einigen Chiffren versehen. Musikalisch fällt es dennoch zugänglicher als die ersten beiden Tapes aus, teilweise mit einer gewissen Nähe zum avantgardistisch umgedeuteten HipHop-Electronica-Ansatz von Flying Lotus. Wenn auch viel unamerikanischer, düsterer und entschleunigter.

Eigentlich sind es aber Skizzen, ohne weichzeichnenden Schliff. Jedoch bereits mit soviel Funk in den Zwischentönen, dass „Jewelz & Flowerz“ in seiner Gesamtheit eine eigene, sehr verschlungene und abwegige Deepness entwickelt. Abseits des Dancefloors wahrscheinlich die spannendste Veröffentlichung aus Leipzig in diesem Jahr.

Dagegen mutet die Vinyl-Compilation „The Weekly Contract Events“ geradezu klassisch an. Unprätentiöser House, subtil in der Tiefe, schwelgerisch im Sound. Kowton – er spielte auch beim diesjährigen Electric Weekender – liefert auf der B-Seite den stillen Hit der EP. Und Kassem Mosse selbst ist als Kareem Moser auf der A-Seite mit dabei – etwas scharfkantiger in der Chords und straighter in den Beats. Junipers „Jovian Planet“ tänzelt am leichtesten voran.

Eine in sich stimmige EP, die im Zusammenhang mit dem bisherigen Ominira-Werdegang jedoch noch einmal eine eigene Bedeutung erlangt. Zeigt sie doch, wie unberechenbar ein Label sein kann.

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