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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Daniel Stefanik „Confidence“ (Cocoon Recordings)

20. September 2012 / Kommentare (2)

„Confidence“ heißt das neue Album von Daniel Stefanik, das in diesen Tagen bei Cocoon Recordings erschienen ist. Wir haben reingehört und Daniel ein paar Fragen gestellt.

Seit Anfang des Jahres ist Daniel Stefanik bei Sven Väths Cocoon-Netzwerk aus Label und Booking-Agentur. Dass seine Alben sich viel Zeit nehmen und eher auf einen zeitlosen Sound zielen, zeigte schon das Vorgänger-Album „Reactivity“ auf Statik Entertainment. „Confidence“ tritt jedoch weit offener und selbstbewusster auf. Die Dub-Wolken sind weitergezogen.

In der melodiösen Tiefe bleibt sich Stefanik aber treu. Das ist seine Stärke – die Musikalität und Verspieltheit von Warp und Detroit mit dem heutigen Dancefloor zu verknüpfen. Es sind aber nicht die einzigen Einflüsse, wie er unten selbst erzählt. Nun hätte man vermuten können, dass ein Cocoon-Album eine gewisse Steigerung in der Opulenz und der Funktionalität nach sich zieht.

Beides ist auch geschehen. Aber scheinbar in einem sehr freien Rahmen. Es ist keine Maximierung der Effekte, es ist eine möglichst breite Auseinandersetzung mit verschiedenen Einflüssen der elektronischen Musik. Allein, dass es eine LP- und eine CD-Version mit verschiedenem Tracklisting gibt, zeugt von einem großen Pool an Ideen, der „Confidence“ hat entstehen lassen.

Und mit „Distillery“ setzte Daniel Stefanik seinem Heimatclub auch ein musikalisches Denkmal. Ja, es ist etwas unheimlich: Aber dieses Album klingt so stimmig in seinen ruhigen und forschen Momenten. Immer wieder auch mit einer nostalgischen Wehmut versehen, die komischerweise nie an Reiz zu verlieren scheint. Toll übrigens auch, dass Vocal-Samples auf „Confidence“ fast keine Rolle spielen – instrumental wird hier mehr erzählt, als ein ganzes Vocal vermitteln könnte.

War für dich die Zeit reif für ein neues Album oder war der Wechsel zu Cocoon mit einem eigenen Label auch eine Motivation?

„Beides zugleich. Ich hatte eh vor ein Album fertig zu stellen und natürlich hat sich das auch einfach angeboten durch den Agenturwechsel. Nach vier Jahren kann man so was schon mal wieder machen. Mir macht das Arbeiten an einem Album echt Spaß, viel mehr als für eine EP. Man kann einfach musikalisch vielfältiger sein und muss sich dabei nicht nur auf die Peaktime konzentrieren. Dennoch wollte ich – auch gerade im Bezug auf Cocoon – das Album ‚floortauglicher‘ gestalten.

Ich habe versucht den Spagat zu wagen zwischen Kann und Cocoon. Ich wollte nun nicht unbedingt weg von gewohntem Terrain, aber dennoch den Sound von Cocoon in irgendeiner Form gerecht werden. Auf keinen Fall wollte ich mich aber verbiegen, es ist absolut ehrlich. Dazu muss ich aber auch sagen, dass Cocoon mir nie das Gefühl gegeben hatte, dass sie das Album und mich als Künstler in Frage stellen würden. Was besseres kann dir nicht passieren.“

Wie lange hast du daran gearbeitet?

„Für manche Tracks lagen die Ideen fast vier Jahre auf meinen Rechner rum. Zwei Tracks wären auch richtig gut gewesen für meine ‚In Days of Old‘-Reihe auf Kann. Generell saß ich ungefähr vier Monate daran. Es ist immer so ein hin und her mit den Gefühlen, während des Entstehungsprozesses. Es gab Tage, da war ich völlig verunsichert, ob diese Musik überhaupt gut ist.

Man verliert irgendwann das Gefühl für ein Stück. Man kennt es in- und auswendig und das Thema ist für dich durch. Ich habe auch einfach mal zwei Wochen die Tracks liegen gelassen und dann mal später im Auto wieder reingehört. Letztendlich muss man dann aber auch einfach mal loslassen und das ganze abschließen. Ich bin sehr glücklich mit dem Album so wie es ist und klingt, das ist die Hauptsache.“

„Reactivity“ war konzeptionell im Dub verankert, „Confidence“ eher in Detroit – bewusst?

„Nein, unbewusst. Ich bin nun mal stark geprägt von diesem Sound und das fließt dann wahrscheinlich immer in diese Stücke mit hinein. Obwohl ich zugeben muss, dass ich die Tracks eher Frankfurt-inspiriert finde. Perlon mit seinen Protagonisten Ricardo Villalobos, Soul Capsule und Melchior Productions und auch Sven Väth selbst waren für mich immer präsent im Kopf, als ich die Tracks entwickelt habe. Mal abgesehen davon, hab ich immer das Gefühl, dass das Hardwax in Berlin meine Tracks gar nicht mag, also so ‚detroit‘ können meine Tracks gar nicht sein.“

Warum die verschiedenen LP-/CD-Varianten?

„Cocoon und ich haben uns gedacht, dass wir einen Anreiz schaffen müssen für diejenigen, die sich die Schallplatte kaufen. Exklusive Tracks für das jeweilige Format war dann so die Idee und dem entsprechend habe ich die Trackauswahl getroffen. Deshalb ist die Vinylversion etwas mehr für den Dancefloor und die CD auch für das Auto gut. Der Vinylkäufer bekommt sogar die CD dazu.“

Gibt es eine für dich überraschende neue Note oder Ebende, die du beim Produzieren des Albums entdeckt hast? Also persönlich für dich als Producer betrachtet?

„Im Grunde genommen habe ich all das Wissen ausgelebt, was ich mir vorher mit Stefan – Juno6 – und unserem gemeinsamen ‚Alienjazz‘-Projekt angeeignet habe. Das Jammen mit den Geräten. Alle Melodien wurden zum Beispiel frei eingespielt und aufgenommen und in die Tracks eingebaut, hier kam mir das Klavierspielen zu gute. Du weißt einfach, was du da gerade spielst.

Eigentlich wird es erst jetzt wieder für mich interessant, wo ich das Album abgeschlossen habe. Jetzt werde ich wieder im Studio sitzen und viele neue Sachen ausprobieren. Ich baue mir gerade ein Modularsystem auf und werde mich in Zukunft mehr mit Max/MSP auseinander setzen. Denn eins ist sicher: wenn ich so jetzt weiter Musik produziere wie bisher, wird es nicht nur für mich langweilig.“

Daniel Stefanik Website
Cocoon Recordings Website
Mehr zu Daniel Stefanik bei frohfroh

CommentComment

  • Daniel Stefanik – Confidence | HOUSE 2 ELECTRO / 21. September 2012 / um 12:30
    [...] ist gleichermaßen für zu Hause, fürs Auto und für die Tanzfläche bestens geeignet. Bei frohfroh gibt’s ein Interview, in dem Daniel Stefanik einige Fragen zum Album [...]
  • Lou Jackson / 20. September 2012 / um 15:28
    Wundervolles Album!

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