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Anja
Anja alias Porpoise sollte hier eigentlich viel öfter mitschreiben. Leider fehlt die Zeit. Denn ihr Herz schlägt für Radio Blau. Hört unbedingt ihre "Sunday Groove"-Sendung.

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Wiedererwachter Pioniergeist

15. Juli 2009 / Kommentare (0)

Phantomnoise Records ist wieder da! Das Leipziger Label für „experimentelle elektronische Musik der eher härteren Gangart“, wie Labelmacher Alexander Dreyhaupt die Ausrichtung selbst beschreibt, meldete sich 2008 mit einigen neuen Veröffentlichungen zurück.

Vor fast zehn Jahren gegründet, machte sich Phantomnoise anfangs vor allem in der Breakcore-Szene einen Namen. 2004 wurden sie zu einem der letzten „labels of the month“ in der BBC-Radioshow des verstorbenen John Peel, doch auf die damit verbundene Aufmerksamkeit reagierte Alexander Dreyhaupt mit einer langen Pause. Probleme mit Vertrieben hatten die Arbeit erschwert und andere Projekte wie das Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig wurden ihm zeitweise wichtiger. Vor einem Jahr veröffentlichte Dreyhaupt dann eine EP der Brasilianer Arrebite und leckte wieder Blut für die Labelarbeit: „2007 habe ich angefangen, neu zu planen, es war darum eigentlich eines der aktivsten Jahre für Phantomnoise, was man aber erst dieses Jahr merken wird.“

Wie lebendig Phantomnoise wieder ist, beweist die gerade erschienene EP „Particles“ des Ulmer Künstlers Jens Döring alias e.stonji. Die vier Tracks gibt es schon seit einer Weile als Teil eines Konzeptalbums auf dem Berliner Label Kitty-Yo – allerdings nur digital. Alexander Dreyhaupt, der schon früher mit e.stonji zusammengearbeitet hatte, war begeistert von der Kombination aus verschrobenen Beats und flirrenden Melodien.

Um der Musik doch noch ein haptisches Forum zu geben, veröffentlichte Phantomnoise sie auf Vinyl. Und es lohnt sich – die Tracks klingen fetter und wärmer, und sie werden durch ein liebevolles Artwork ergänzt. Dreyhaupt schwärmt: „Bei e.stonji ist alles durchwurstet mit seiner eigenen Ästhetik, er hat als Künstler ein Gesamtkonzept – das gefällt mir.“

Eine ganz neuartige Erfahrung dagegen war die Produktion des Albums von Thomas Christoph Heyde, das Ende Mai bei Phantomnoise erscheinen wird. Als der Leipziger Komponist sich für ein Vinyl-Album entschied, bat er Dreyhaupt, die Produktion zu übernehmen. „Normalerweise kommen die Tracks fertig bei mir an, aber das Heyde-Album war organisatorisch sehr aufwendig. Ich wollte es so groß wie möglich machen.“

Das Stück „HighCulture Motherfucker“ auf Heydes Myspace-Seite gibt einen ersten Vorgeschmack auf die zu erwartende Fusion zwischen klassischer neuer Musik und poppig-perkussiver Electronica. Mit solchen Grenzüberschreitungen beweist Phantomnoise frischen Pioniergeist und hebt sich wohltuend vom allgemeinen Gejammer der Musikindustrie ab. Ein inspirierendes Plattenlabel, nicht nur für die Leipziger Musikszene.
(Erstveröffentlichung im Kreuzer 0408)

Phantomnoise Records Website
Thomas Christoph Heyde „HighCulture Motherfucker“ – frohfroh-Rezension

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