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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Next Stop Siberia

17. Juni 2013 / Kommentare (1)

Das Goethe Institut hatte Anfang Juni Good Guy Mikesh und Peter Invasion für eine kleine DJ-Tour nach Russland eingeladen. Auf dem Programm standen Shows in Novosibirsk und Omsk sowie Interviews bei lokalen Radiostationen. Für frohfroh lassen sie die Reise noch einmal Revue passieren.

Vor uns lag eine aufregende Reise und wir waren sehr gespannt darauf, was wir erleben würden. Im Zug wurden noch schnell ein paar Russischkenntnisse aufgefrischt.

Unter der Rubrik „Interkulturelle Tipps“ unseres Wörterbuchs erfuhren wir, dass man russischen Männern zur Begrüßung kräftig die Hände schütteln sollte, dass es zu vermeiden ist, sich die Nase mit einem Taschentuch zu putzen und wie es um Trinkpflichten bei fröhlichen Zusammenkünften steht.

Auf unserer Reise haben wir gemerkt, dass wir uns nicht auf die gängigen Klischees über Russen verlassen konnten. Unsere Begegnungen waren allemal für einige Überraschungen gut. Wer also Geschichten über Wodka-Wetttrinken erwartet, kann nur enttäuscht werden.

Auf Erkundungstour in Nowosibirsk
Nach 18 Stunden Reise und insgesamt wir 5.382 km Strecke landeten wir im Morgenrot getönten Novosibirsk. Unser Begrüßungskomitee Mischa hieß uns mit einem freundlichen „Guten Morgen“ willkommen. In einem alten Lada-Taxi ohne Sicherheitsgurte auf der Rückbank ging es dann mit 120 Sachen ins Hotel.

An unserem ersten Tag in Novosibirsk hatten wir Zeit, die Stadt zu erkunden. Beim Mittagsfrühstück mit Irina, Mascha und Johanna vom Goethe-Institut im höchsten Gebäude der Stadt hatten wir eine weite Panoramaaussicht.

Für unsere Stadterkundung wurden uns zwei junge Praktikantinnen zur Seite gestellt, die uns durch die Stadt führten.

Die Architektur der Stadt war durchaus eindrucksvoll. Wir fühlten uns 30 Jahre zurück in eine sozialistische Vergangenheit versetzt. Es gab riesige Neubaublöcke in einer großangelegten Infrastruktur mit klassischen Straßenbahnen, E-Bussen, Oldtimer-Ladas, Schlaglöchern und mächtigen Lenin-Denkmälern.

Hier und da aber auch traditionelle Holzhauser in bunten Farben und aufwendigen Schnitzereien. Daneben sahen wir aber auch riesige Shoppingcenter, Video-Werbetafeln und viele Smartphone-Besitzer.

Am nächsten Tag besuchten wir den DJ-Shop Novosibirsk für ein Interview. Dieser Laden ist das Herz der elektronischen Musikszene der Stadt. Jeder, der sich in Nowosibirsk intensiver mit elektronischer Musik beschäftigt, findet früher oder später den Weg hierher – sicher auch, um tibetischen Tee auf dem Sofa zu schlürfen.

Sofort wurde uns klar, dass wir es hier mit dem sibirischen Pendant des Leipziger Kann Record Stores zu tun hatten. Im Laden war alles zu finden: Technics-Turntables, CDjs, Mixer, DJ-Bags und Midi-Controler. Alles war da. Alles, nur kein Vinyl!

Sibirische Party – von wegen Russendisko
Zum Ausklang des Deutschlandjahres des Goethe-Institutes war eine große Feier im Gange. Im Kunstmuseum gab es eine interessante Fotoausstellung der Agentur Ostkreuz, Lesungen, Graffitikunst-Aktionen, ein Orchesterkonzert und vieles mehr. Unser kultureller Beitrag war die Musik. Die Veranstaltung wurde zur Party und bald wurde im Kreis Breakdance getanzt.

In der selben Nacht spielten wir noch ein Set im Klub „Lebowski“. Wir hatten riesigen Spaß bei unserem Partymarathon und unser Jetlag mit fünf Stunden Zeitrückstand kam uns dabei sehr gelegen.

Vom Klub ging es dann direkt zum Bahnhof. Wir stiegen in die transsibirische Eisenbahn Richtung Omsk und sofort befanden wir uns in einer völlig anderen Welt.

Russischer Schlager und Suppe
Eine neunstündige Reise in einem SprelaCart vertäfeltem Schlafabteil mit lederbezogenen Doppelstockliegen begann. Wir teilten uns diese vier Quadratmeter mit einem russischen Pärchen in den Vierzigern.

Der Zug kam direkt aus Peking und war bereits drei Tage unterwegs. Die meisten Passagiere waren mehrere Tage unterwegs und hatten sich in bequeme Schlafanzüge und Pantoffeln geworfen.

An den Abteilwänden hingen Hygienebeutel und im Wagon lag ein Geruch von Zahnpasta, Suppe und Mensch. Aus den Wagonlautsprechern tönte ein Mix aus russischem Folklore-Schlager und poppigem Trance-Sound.

Wir legten uns auf unsere Pritschen und schauten aus dem Fenster, die Welt zog an uns vorbei. Birken, Büsche und Wiesen und noch mehr Birken. Dieser konstante Fluss und das Rattern der Schienen wiegte uns schließlich in den Schlaf. Stunden später wurden wir mit Narzareth und „Love Hurts“ geweckt und kamen bald in Omsk an.

Zwiebeltürme, DJ-Set in der Großraumdisko über einer Go-Cart-Rennbahn, Kindertags-Ponys bis hin zur Laptop-E-Gitarren-Coverband im kleinem, verschwitztem Klub und Sonnenuntergang am Flussufer des Irtysh. Das sind die Eindrucke, die wir in Omsk sammeln konnten.

Nach zwei Tagen Omsk ging es wieder zurück nach Leipzig. Somit stand ein gut 20-stündiger Nachhauseweg vor uns. Wir sind auf jeden fall sehr dankbar für diesen Trip und vor allem für die zahlreichen Eindrücke, die wir sammeln konnten. Kulturaustausch erfolgreich abgeschlossen. 1 – Setzen!

Good Guy Mikesh Website
Peter Invasion Facebook

CommentComment

  • tibalt / 18. Juni 2013 / um 09:03
    I was in Lebowski that night. You were awesome, guys)

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