Unsere New In-Reihe ist zurück – und zwar unter einem neuen Namen: New In The Bag!

Nachdem wir von der New-In-Redaktion uns zuletzt mit dem im Frühjahr 2025 gestarteten New In Radio auf Radio Blau mehr auf das Vorspielen und den verbalen Austausch von Musik konzentriert haben, soll auch die klassische Rezension in Schriftform wieder regelmäßiger einen Platz bei uns bekommen. Nun aber in gestraffter Form, mit neuen Gimmicks und ausgestattet mit monatlichen Playlists auf Bandcamp, Spotify und Tidal zum Nachhören. Lust auf neuen Release-Input?
Here we go mit unserem Rückblick auf die besten Leipzig-Releases aus den Monaten Dezember, Januar und Februar. What’s new in the bag?

Platte des Winters:
Alkohole – „Ttimeshare“ (Kann Records)
Auch wenn dieses Album bereits offiziell im Dezember 2025 erschien, verdient es jetzt unsere volle Aufmerksamkeit. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist das Vinyl in schlichter weißer Hülle erst mit leichter Verzögerung in den Record Stores und somit in meiner Einkaufstasche gelandet. Zum anderen ist es eine sehr mutige, weil andersartige Veröffentlichung auf dem in Leipzig gegründeten Label Kann Records.
Zum ersten Mal in Erscheinung getreten ist das Projekt Alkohole mit einem Beitrag auf der Label-Compilation „Family Horror II“ im Jahr 2015. Und das ist auch in etwa alles, was man über das Projekt an Informationen zusammentragen kann. Kann und dessen Sublabel Long Vehicle stehen seit einer guten Weile für einen (oft progressiven) House-Sound, der sehr modern und stets von hoher Qualität geprägt ist. Diese Platte schert aus der Reihe der letzten Releases irgendwie aus. Aber wie bereits mit dem letzten Album von Innere Türen, wagt sich Kann dann und wann in Ambient-Gefilde vor.
Die Musik erinnert bisweilen an 90s/00er Electronica à la To Rococo Rot, März oder Acts aus dem Morr-Music-Umfeld. So gibt es etwa Gitarren, die manchmal ein wenig daneben klingen, atmosphärische Piano-Chords und Sprachsamples; manchmal auch ein paar beat-ähnliche Klänge. Das ist nicht neu und alles andere als in Mode. Aber genau das ist es, was hier den Unterschied macht. Wo andere Labels auf Sicherheit und Gleichförmigkeit bauen, setzt Kann ein Zeichen für mehr Abwechslung im Labelkatalog. Der Überraschungseffekt genau so ein Album im Jahr 2026 auf genau diesem Label herauszubringen, ist geglückt!

Stbr & Davy – „RM12039“ (R.A.N.D. Muzik Recordings)
Vier Super-Groover der Leipziger Produzenten Stbr und Davy. Ende Januar kam bei R.A.N.D. Muzik eine spannende EP von einem Teil des DJ-Duos Submod (Stbr) und einem Mitbegründer und Kurator der House-Veranstaltungsreihe Creme Club (Davy) Muzik heraus. Mit stark bassline-getriebenen und mit Vocoder- und Synth-Schnipseln versehenen (Prog-)House-Tracks für den Floor. Qualität as usual auf R.A.N.D.!

Ninze & Niju – „Magic Roads“ (Feines Tier)
Magic Ambient- und Slow-House-Sounds von Ninze. Ninze haben wir immer gerne und nicht nur einmal im New In Radio besprochen. Wir erinnern uns auch an eine sehr schöne und organische House-Platte unter seinem Alias DJ Balaton. Das vorliegende Album auf dem Kölner Label Feines Tier hat er gemeinsam mit Niju produziert – und es ist offensichtlich nicht die erste gemeinsame Produktion. „Magic Roads“ offenbart einen ätherischen Downbeat-/Ambient-/Slow-House-Sound mit Special Guests wie Ringo Chamber und Raz Ohara an den Vocals. Schaut euch das Artwork an – genau so klingt die Musik. Erinnert mit ihrer Time & Space-Thematik auch ein wenig an die letzte VÖ von Sonnenstadt. Fantastische Platte für Fans eben dieser Genres.

V.A. – „It’s All About House“ (O*RS)
Special-Vinyl-Issue auf O*RS – eine mit viel Liebe hergestellte Platte zur Veranstaltungsreihe „It‘s All About House“. Handgeschnittenes Vinyl und manuell angefertigte Cover von Florian Seidel. Jede Platte ist ein Unikat und die Auflage limitiert auf 40 Stück. Musikalisch werden uns „good tracks, good vibes“ und „no bullshit“ versprochen – und das Versprechen wird eingelöst. Luvless, Filburt (mit Sohn Lou), RSS Disco und Zacharias liefern alle ihre eigene Definition von House. Classic Stuff auf einem Classic Label. Gibt es übrigens auch digital.

Hard Ton & Amy Douglas – „Fill The Hours“ (Riotvan)
90s-Alarm auf Riotvan. Der „Track Fill The Hours“ atmet den Geist früher Dancefloor-Tracks der 1990er. Vor allem die Vocals der New Yorker Sängerin Amy Douglas wecken diese Assoziationen. Spätestens beim Einsatz der metallischen Klavier-Chords ist der Track absolut mitreißend. Die Arpeggio-Synths, die Strings und Hit-Sounds tun ihr übriges. Dazu haben es drei weitere Remixes auf die EP geschafft, wobei vor allem der Massimo-Pagliara-Remix erwartungsgemäß begeistert und aus dem Material einen Vocal-House-Track zusammenzimmert.
